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Norddeutsche Neueste Nachrichten

14. Dezember 2017 | 05:33 Uhr

Rostock : 2014 wie 1923: Das Theater kämpft

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Philharmonie spielt tragende Rolle für den Erhalt der vier Sparten.

Kann das Rostocker Theater in den nächsten Jahren bestehen? Diese Frage stand schon 1923 im Raum – und das Theater blieb. Das soll 2014 nicht anders sein. Der neue Intendant Sewan Latchinian sperrt sich gegen die Schließung von Musik- und Tanztheater, die aus der Zielvereinbarung von Stadt und Land folgen könnte.

Um das Horrorszenario der Sparten-Schließung abzuwenden, kommt der Norddeutschen Philharmonie eine besondere Rolle zu. Zum einen wären die Orchestermusiker stark betroffen, würde das Musik-Theater wegfallen: Bei Stücken dieser Sparte haben sie einen Großteil ihrer Auftritte. Zum anderen hängen an der Verzichtsbereitschaft der Philharmonie mehrere Millionen Euro: Morgen tagt der Theater-Aufsichtsrat in einer Sondersitzung zum Haustarifangebot des Orchesters. Dieses würde langfristig Einsparungen bedeuten, auch wenn die Musiker Gehaltsnachzahlungen fordern.

Dabei geht es mehr ums Prinzip: Die Musiker werden als einzige nach Tarif von 2009 und nicht von 2012 bezahlt, erklärt Kontrabassist Andreas Ott. Doch trotz Nachzahlungen: 11,7 Millionen Euro könnten bis 2020 eingespart werden. „Mit dem Haustarif kommt die Arbeitgeberseite am günstigsten“, sagt Ott. Das eingesparte Geld ist laut Intendanz notwendig, um mit der angedeuteten Stadt- und Landesförderung von im Idealfall immerhin noch 16,6 Millionen Euro wirtschaften zu können.

Was Latchinian „sensationell“ findet – das „Verständnis“ und die „angebotene Verzichtsbereitschaft“ der Musiker – findet der Oberbürgermeister „ungerecht“ gegenüber den Musikern. Als heuchlerisch empfindet das wiederum Latchinian, schließlich sei die Alternative die Entlassung von zahlreichen Mitarbeitern. Und das sei kaum als gerecht zu bezeichnen. „Wir sind leidgeprüft“, sagt Orchesterdirektor Hans-Michael Westphal. Und die Orchester-Mitglieder seien froh, dass es Tarifrecht, Arbeitsverträge und damit mehr Sicherheit gebe.

Ein Streik, wie er befürchtet wurde, ist Westphal zufolge nicht geplant – schließlich herrsche bis Ende des Monats Friedenspflicht. „Mit mir wird es keine Verkleinerung oder Herabstufung dieses brillianten Klangkörpers geben“, sagt Latchinian. Letztlich, so Dr. Thomas Diestel, Vorsitzender der Philharmonischen Gesellschaft, wünsche sich die Philharmonie nur „viel Harmonie“ und eine erfolgreiche Konzertsaison.

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