DLRG startet in Saison : 20 000 Badegäste unter Beobachtung

Rettungsschwimmerin Nicole Toczek hat seit gestern den Strand von Graal-Müritz wieder fest im Blick. Foto: Claudia Labude
Rettungsschwimmerin Nicole Toczek hat seit gestern den Strand von Graal-Müritz wieder fest im Blick. Foto: Claudia Labude

Während die Bewohner des Ostseeheilbades Graal-Müritz gestern den Feiertag genossen und ausgeschlafen haben, wurde am Turm der Rettungsschwimmer schon fleißig gewerkelt. Großreinemachen war angesagt.

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02. Mai 2012, 10:09 Uhr

Graal-Müritz | Während die Bewohner des Ostseeheilbades Graal-Müritz gestern den Feiertag genossen und ausgeschlafen haben, wurde am Turm der Rettungsschwimmer schon fleißig gewerkelt. Großreinemachen war angesagt. Der Fahnenmast ist über die Winterpause gebrochen; an den Türmen wurden die Treppen und an den Strandaufgängen die Schilder mit der Bedeutung der Fahnen-Farben angebracht. Ab 9 Uhr verkündete die Flagge der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Seebrückenvorplatz die Einsatzbereitschaft. Und die ist nun bis zum 30. September gewährleistet. Dafür sorgt Nicole Toczek, die Leiterin der DLRG-Ortsgruppe Graal-Müritz und einzige hauptamtliche Rettungsschwimmerin. Ihre Gruppe ist für einen sechs Kilometer langen Strandabschnitt mit drei Rettungstürmen zuständig. "In der Hauptsaison halten sich dort gut 20 000 Menschen auf", sagt Toczek.

In der Ortsgruppe engagieren sich 60 Mitglieder - die jüngsten sind zwischen sieben und neun, der älteste ist bereits 72 Jahre. "Das klingt nicht viel, aber wir haben einen hohen Anteil an Aktiven", so die 40-Jährige. Gut 50 Personen kann sie auf die Schichten verteilen. Und das ist eine logistische Meisterleistung, schließlich sind die Rettungsschwimmer sieben Tage die Woche, jeweils zwischen 9 und 18 Uhr, vor Ort. "In der Hauptsaison zwischen Juni und August brauche ich täglich 13 einsatzbereite Mitglieder, in der Nebensaison sieben", sagt Toczek, die den Ortsgruppenvorsitz vor fünf Jahren von ihrem Vater übernahm. Sollte ihr das Personal ausgehen, verstärken Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland die Truppe. Sie werden bei Bedarf über den Zentralen Wasserrettungsdienst Küste auf die einzelnen Orte verteilt.

Und zu tun gibt es reichlich. "Zu der Wasserrettung und dem Kinder-Eltern-Suchdienst kommen ungefähr 300 Erste-Hilfe-Einsätze. Bei 20 bis 30 Fällen brauchen wir auch noch den Rettungswagen", sagt die Ortsgruppen-Chefin. Von Kindern, die auf der Luftmatratze abtreiben, bis zur Rettung von Surfern oder Schwimmern, die einen Krampf haben, ist alles dabei. "Leider kommt oft nicht mal ein Dankeschön", sagt Toczek. Sie vermisst die Wertschätzung der Bevölkerung für die ehrenamtlichen Rettungsschwimmer. Schließlich begeben diese sich in ihrem Feierabend oder sogar im Urlaub auf den Turm und riskieren bei Einsätzen ihr eigenes Leben für die Rettung anderer.

Einen der schlimmsten Einsätze hätte es vergangenes Jahr gegeben, erinnert sich Toczek. Bei starkem Wind war ein 47-jähriger Urlauber von der Seebrücke gesprungen und anschließend abgetrieben worden. "Wir haben tagelang mit Tauchern gesucht", sagt die Rettungsschwimmerin. Leider vergeblich - der Mann wurde erst viel später leblos am Strand von Dierhagen aufgefunden. Solche Einsätze würden die Gruppe zwar noch mehr zusammenschweißen, seien aber schwer zu verkraften. Die Graal-Müritzer hätten deshalb auch das Gespräch mit einer Notfallseelsorgerin gesucht. Gerade nach solchen Vorfällen zeigten sich auch die Besonderheiten der Gruppe, sagt Toczik. "Unsere Mitglieder schätzen die Vertrautheit und das Familiäre. Das ist für sie auch einer der Motivationsgründe."

Auch die gute Zusammenarbeit mit dem Tourismusbetrieb und der Gemeinde bestärke die Rettungsschwimmer in ihrem Tun. Große Unterstützung erhält die DLRG-Ortsgruppe auch vom Aquadrom, wo sie immer sonnabends ab 8.30 Uhr trainiert. Und das nicht nur im Winter, sondern auch jetzt noch. Zwei Monate pro Jahr wird unter realen Bedingungen in der Ostsee geübt - dort, wo die Rettungsschwimmer ab sofort wieder für die Badegäste im Einsatz sind.

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