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24. November 2017 | 03:16 Uhr

19,5 Kilometer Akten auf vier Etagen

vom

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erstellt am 07.Feb.2013 | 06:56 Uhr

Lichtenhagen | Auf 19,5 Kilometern lagern bald hochbrisante Akten im Behördenzentrum Lichtenhagen. Damit die Staatsanwaltschaften von Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Stralsund ihre Unterlagen dort unterbringen können, wurde das ehemalige Lektionsgebäude vollständig entkernt und zu einem Archiv umgebaut. Auch das Finanzamt Rostock und das Amtsgericht der Hansestadt werden dort künftig ihre Akten einlagern. 4,2 Millionen Euro hat der Betrieb für Bau und Liegenschaften (BBL) in den Umbau investiert.

Seit 1996 stand das ehemalige viergeschossige Lektionsgebäude leer. "Zum einen wurden die Räume lange Zeit nicht gebraucht und zum anderen waren sie mit Asbest belastet", sagt Holger Richter, zuständiger Dezernent vom BBL. Hauptsächlich die Dichtungselemente der Lüftungsanlage waren mit Asbest verseucht. Das Gebäude verfügt über 16 700 Kubikmeter Rauminhalt. "Wir sind bereits zu 100 Prozent ausgelastet", so Richter. Allerdings gebe es noch 6000 Meter Platz für eine Ausbaureserve, die künftig für weitere Akten verwendet werden könne.

Archivmaterial ist mit Codes gesichert

Ein Großteil der Unterlagen wird ab März in einem riesigen ehemaligen Hörsaal der SED-Bezirksparteischule auf rund 2000 Quadratmetern aufbewahrt. "Dort haben wir eine Doppelrollregal-Anlage eingebaut", sagt der Dezernent. Sie ist auf zwei Etagen untergebracht. Die Regale sind in voneinander abgetrennten Blöcken an die jeweiligen Behörden vermietet. "Diese sind über eine Codierung gesichert", ergänzt Richter. Die Regale bieten Platz für hängende, stehende oder liegende Akten. Zu den Archivräumen selbst erhalten nur autorisierte Mitarbeiter mit einer Chipkarte Zutritt.

Eine Be- und Entlüftungsanlage sorgt zudem dafür, dass das Papier nicht beschädigt wird. "Temperatur und Luftfeuchtigkeit müssen stimmen", sagt Uta Brinckmann, Projektleiterin vom BBL. Damit die Ordner durchgehend belüftet werden, fahren sich die Regalwände nachts automatisch auseinander. Das geschieht auch im Brandfall. So gelangt die Feuerwehr mit ihren Löschschläuchen an ein etwaiges Feuer. Zur Prävention ist das Archiv mit einer Brand- und Einbruchmeldeanlage ausgestattet.

Für den Umbau wurden die vier Geschosse des alten Lektionshauses entkernt und das Dach mit einer neuen Deckenkonstruktion versehen. Das Architektenbüro Bastmann und Zavracky hatte dabei mit mehr als 40 Jahre altem Baugrund zu kämpfen. Die Tragkraft der Böden reichte für die Lagerung der extrem schweren Papierlast nicht aus. "Sie hätten nur fünf Tonnen ausgehalten, benötigt werden aber zwölf", bestätigt Richter.

Um das Gewicht tragen zu können, wurde unterhalb des zweigeschossigen Rollregals eine zweite Betondecke eingezogen. Insgesamt 50 Tonnen Stahl wurden dafür verbaut, sodass die Lasten der Regale bis in das Fundament abgeleitet werden können. Außerdem wurden ein Fahrstuhl, Büroräume und Sanitäranlagen eingerichtet sowie das Treppenhaus erneuert. An der Stirnseite des sechseckigen Baus ist im ersten Stock das Vordrucklager des Finanzamtes integriert.

Äußere Fassade bleibt größtenteils erhalten

Von außen hat sich das Behördengebäude kaum verändert. Gestaltungselemente der Klinkerfassade mit den angedeuteten Fensterbändern bleiben erhalten, aber ohne Funktion. Ursprünglich waren sie für die Belüftung der Säle gedacht.

Das Dach, teilweise die Fassade und die Fenster wurden erneuert, einige davon blind gesetzt. Das ließe sich jederzeit rückgängig machen, so Richter. "Das Gebäude ist nicht auf ewig an die Archivnutzung gebunden und kann jederzeit umgebaut werden." Zwei Jahre haben regionale Firmen gebraucht, um den insgesamt 2061 Quadratmeter großen DDR-Bau zu sanieren. Weitere Archivzentren gibt es in Neubrandenburg und Schwerin.

Die Geschichte

Das sechseckige ehemalige Lektionsgebäude war in den 1970er-Jahren Teil der SED-Parteischule in der Möllner Straße. Es lag zwischen dem damaligen Seminargebäude, dem Bettenhaus und dem Wirtschaftsgebäude. Der Großteil des neuen Aktenarchivs ist in einem ehemaligen Hörsaal untergebracht. Darin befand sich ursprünglich eine große Bühne mit umfangreicher Ton- und Lichttechnik. Nach der Wende wurde das Areal der Möllner Straße kurzzeitig zum Hotel umfunktioniert, bis es zum heutigen Behördenzentrum wurde. Erst zog das Bauamt in die Büroräume ein. Mittlerweile befinden sich dort das Rostocker Finanzamt mit rund 350 Angestellten, das Schulamt, das Rostocker Amtsgericht und eine Außenstelle der Kriminalpolizei. Das Lektionsgebäude mit seinen vier Geschossen stand seit 1996 leer.

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