Misshandlung im Feriencamp : 15-Jährige soll Attacke erfunden haben

Die angebliche Misshandlung einer 15-Jährigen in der vergangenen Woche in Cammin durch drei Jugendliche wirft neue Fragen auf. Nicht alle ihrer Aussagen seien korrekt gewesen.

svz.de von
16. Juli 2012, 08:06 Uhr

Neubrandenburg | Die angebliche Misshandlung einer 15-Jährigen aus Schleswig-Holstein in der vergangenen Woche in Cammin bei Burg Stargard (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) durch drei Jugendliche wirft neue Fragen auf. Nicht alle ihrer Aussagen seien korrekt gewesen, behauptet nun der Leiter ihrer Jugendgruppe Olaf Stolz.

"Meine Schützlinge unternehmen oftmals die unmöglichsten Dinge, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen", erklärt Stolz. "Unsere Betroffene wollte nach knapp einer Woche nicht mehr bei uns bleiben. Deshalb hat sie falsche Angaben gemacht. Ich habe sie seit Donnerstagnacht zweimal im Krankenhaus besucht und mit ihr gesprochen. Sie hat zugegeben, dass ihr weder die Haare angebrannt und sie auch nicht anderweitig malträtiert worden sei."

Bei einem Handgemenge mit den Jugendlichen sei sie jedoch in der Tat leicht verletzt worden. Weitere Verletzungen hätte sie sich bereits früher zugezogen. "Ein Gerichtsmediziner hat am Freitagnachmittag festgestellt, dass sie sich auf der Sommerrodelbahn Tage zuvor Verbrennungen und Abschürfungen zugezogen hat", sagt Stolz.

Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich zu diesen Behauptungen nicht äußern. "Wir haben eine Anzeige wegen Körperverletzung aufgenommen und ermitteln", war aus der Neubrandenburger Polizeiinspektion zu erfahren.

Wegen des Alters der Jugendlichen soll der Fall nach dem Abschluss der polizeilichen Ermittlungen an die zuständige Staatsanwaltschaft im Kreis Nordfriesland abgegeben werden, erklärte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler gestern in Neubrandenburg. Weitere Stellungnahmen lehnte er allerdings ab.

Konflikte zwischen den Jugendlichen gäbe es laut dem Gruppenbetreuer Olaf Stolz immer wieder, auch in den Ferien. Doch in der Nacht zum Freitag eskalierte die Situation. Laut Stolz wollte sich die 15-Jährige nicht mehr mit den beiden anderen Mädchen ihrer Gruppe einen Bungalow teilen. Sie sollte ein Oberteil herausgeben, das ihr nicht gehörte. Daraufhin hätte sie mitten in der Nacht das Gelände verlassen - die zwei Mädchen und ein Junge seien ihr gefolgt. Im Dorf kam es dann zu einem handgreiflichen Streit, woraufhin die Polizei alarmiert und ein Rettungswagen angefordert wurde.

Am Sonntag habe das Mädchen die Heimreise nach Nordfriesland angetreten. Der Leiter der Einrichtung, in dem sie untergebracht ist, habe sie aus dem Neubrandenburger Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum abgeholt und dann noch einen Stopp in Cammin eingelegt, wie Burghardt Heller vom Feriencamp mitteilte. Die anderen Jugendlichen seien noch am Camminer See geblieben.

Bereits zum dritten Mal ist Olaf Stolz mit einer Gruppe in diesem Freizeitcamp zu Gast. "Ich komme sehr gern hierher. Das Objekt ist ideal für uns. Sehr großzügig angelegt und gut ausgestattet", berichtet er. Und bisher sei immer alles reibungslos verlaufen.

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