Rostock sucht einen neuen Hafenarzt

Eingesprungen: Dr. Markus Schwarz, Leiter des Gesundheitsamtes, nimmt zurzeit die Aufgaben des Hafenarztes wahr. 15 Prozent seiner Arbeitszeit stehen dafür zur Verfügung.Archiv / Georg Scharnweber
1 von 2
Eingesprungen: Dr. Markus Schwarz, Leiter des Gesundheitsamtes, nimmt zurzeit die Aufgaben des Hafenarztes wahr. 15 Prozent seiner Arbeitszeit stehen dafür zur Verfügung.Archiv / Georg Scharnweber

von
14. Februar 2011, 06:05 Uhr

Rostock | Wenn ein Luxusliner zum ersten Mal Warnemünde ansteuert - das bedeutet reichlich Arbeit für die Hygieneinspektoren im Hafen. Die Kreuzfahrtschiffe haben Wellnessbereiche an Bord, Küchen, Vorrats- und Kühlräume, sogar kleine Krankenstationen. All das müssen die Mitarbeiter begutachten. "So ein Kreuzfahrtschiff ist wie ein kleines Hotel, das ist für die Kollegen eine Tagesaufgabe", sagt Dr. Kerstin Neuber, Abteilungsleiterin für Hygiene- und Infektionsschutz im Gesundheitsamt.

Und der hafenärztliche Dienst in der Hansestadt steckt personell ganz schön in der Klemme. Zwar gibt es seit dem vergangenen Sommer eine zweite Hygieneinspektorin. Aber der Posten des Hafenarztes, der die Abteilung leitet, ist schon seit 2004 unbesetzt, als der damalige Hafenarzt Dr. Herbert Grunwald in Rente ging. Die Aufgaben teilen sich zurzeit Dr. Markus Schwarz, Chef des Gesundheitsamtes, und Hygiene-Abteilungsleiterin Neuber. Je 15 Prozent ihrer Arbeitszeit stehen dafür zur Verfügung.

Bordbesuch nur bei acht Prozent der Schiffe

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht eine weitreichende Forderung auf: Gemäß ihrer internationalen Gesundheitsvorschriften muss der Rostocker Hafen eine 24-Stunden-Rufbereitschaft vorhalten. Diese Regelung ist für einen Hafen der so genannten ersten Ordnung, in die Rostock vom Bundesgesundheitsministerium eingestuft wurde, verbindlich und wird 2012 wirksam. Durch die Rechtslage sei die Stadt verpflichtet, die Vorschriften umzusetzen, so Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Die Verwaltung prüfe, ob die Stelle auch mit Teilzeit vorgehalten werden kann und Refinanzierungsmöglichkeiten bestehen.

Die Bürgerschaft hat bei ihrer Februar-Sitzung mit großer Mehrheit beschlossen, dass der Posten des Hafenarztes ausgeschrieben werden und so schnell wie möglich wiederbesetzt werden soll. "Ein hafenärztlicher Dienst ist zwingend notwendig. Das lässt sich auch nicht extern vergeben oder mit halben Stellen abdecken", sagt Dr. Rolando Schadowski von der FDP-Fraktion. Gerade erst nahm die Europäische Kommission den Überseehafen an der Warnow als Knotenpunkt in das transeuropäische Verkehrsnetz auf. "Die Stadt handelt durch die Nichtbesetzung der Stelle grob fahrlässig. Das Problem ist seit 2007 bekannt", sagt Ex-Sozialsenator Dr. Wolfgang Nitzsche, der für die Linkspartei in der Bürgerschaft sitzt.

113 Kreuzliner steuerten Warnemünde 2010 an, für dieses Jahr sind schon jetzt 165 Anläufe geplant. Zuständig ist der hafenärztliche Dienst des Gesundheitsamtes aber für alle Schiffe, die hier festmachen. 8100 waren das zum Beispiel im Jahr 2009. Bei kleineren Frachtschiffen sind die Inspektoren zwar schneller als bei den Luxusdampfern schaffen, die Kontrolle in ein bis zwei Stunden. Aber insgesamt haben sie viel zu wenig Zeit, um überall gründlich nachzuschauen. Einen Besuch statten die Mitarbeiter zwischen sieben und acht Prozent der Schiffe ab. "Das Ziel im deutschlandweiten Vergleich liegt bei 20 Prozent", sagt Abteilungsleiterin Neuber. So viele Schiffe werden etwa im Hamburger Hafen begutachtet.

In Rostock versucht der hafenärztliche Dienst, zumindest beim Erstanlauf auf alle Kreuzliner zu gehen. Ansonsten treten die Mitarbeiter meistens nur in Aktion, wenn sie gerufen werden. Über ein Meldesystem teilen die Offiziere er Schiffe schon vor dem Einlaufen mit, ob es an Bord Gesundheits- oder Hygiene-Probleme gibt oder ob Zertifikate ausgestellt werden müssen. Dann entscheidet die Behörde, welche Maßnahmen notwendig sind. Selbst wenn der neue Rostocker Hafenarzt seinen Dienst antritt: Mit einem Mediziner allein lässt sich die von der WHO geforderte 24-Stunden-Erreichbarkeit wohl nicht abdecken. Deshalb wollen auch in Zukunft Amtsleiter Schwarz und Abteilungsleiterin Neuber zusätzlich Teile der Rufbereitschaft für ihren neuen Kollegen übernehmen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen