Rostock: Spitze bei Demografie

Gabriele Doblhammer-Reiter
Gabriele Doblhammer-Reiter

Rostock will weiter deutschlandweit die führende Rolle als Demografie-Zentrum spielen. Jetzt konzentrieren sich die Forscher auf den historischen Apekt. In einem neuen Exzellenzprojekt, das vom Land gefördert wird, gehen sie der geschichtlichen Bevölkerungsentwicklung auf den Grund.

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28. Juli 2009, 08:48 Uhr

Rostock | Mit der Einrichtung eines neuen Landes-Exzellenzprojektes will die Universität Rostock ihre Spitzenposition in der Demografie-Forschung weiter stärken. Unter dem Titel "A History of Aging Societies" will der Lehrstuhl für empirische Sozialforschung und Demografie in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Demografische Forschung und dem Arbeitsbereich Multimedia und Datenverarbeitung der Uni Rostock die Geschichte alternder Gesellschaften untersuchen. Der historische Aspekt bildet einen neuen Schwerpunkt in der Rostocker Demografie-Forschung.

Untersucht werden soll der Wandel in der Bevölkerungsstruktur in einer breiten historischen Perspektive.

Interdisziplinäre ZusammenarbeitIn den vergangenen Jahren hat Rostock sich zu einem deutschlandweit führenden und auch international anerkannten Zentrum der demografischen Forschung entwickelt. Das neue Exzellenzprojekt baut auf den Ergebnissen eines Vorgängers auf. "Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Demografie und Geschichtswissenschaften ermöglicht es, die demografischen Strukturen und Wandlungsprozesse der mecklenburgischen Gesellschaft im 19. Jahrhundert umfassend zu untersuchen", erklärt Projektleiterin Gabriele Doblhammer-Reiter. Drei Module sind vorgesehen.

Im ersten Modul werden für den Zeitraum des 19. Jahrhunderts individuelle Daten der Bevölkerung Rostocks aus historischen Volkszählungen, Kirchregistern und Friedhofslisten gesammelt und ausgewertet, um daraus Sterbetafeln der Hansestadt Rostock zu erstellen.

180 000 Euro vom LandDas zweite Modul beschäftigt sich mit dem Erschließen und der Auswertung verschiedenster Quellen und Indikatoren, um einen möglicherweise in der Geschichte der Region verankerten Schlüssel für das Verständnis des heutigen Mortalitätsniveaus in Mecklenburg-Vorpommern zu finden.

Im letzten Modul werden zunächst vorrangig die eingescannt vorliegenden Formulare der Mecklenburg-Schweriner Volkszählung von 1867 in Datenbanken eingespeist, korrigiert und zur statistischen Verwertung aufgearbeitet. Aufbauend darauf werden anschließend die längerfristigen demografischen Trends sowie die diesen zu Grunde liegenden Faktoren analysiert und interpretiert.

"Die Bedeutung, die dem Projekt durch das Land Mecklenburg-Vorpommern beigemessen wird, zeigt sich auch daran, dass es sich gegen harte Konkurrenz durchgesetzt hat", sagt Dr. Stefan Kroll, der zweite Projektleiter. Im vergangenen Jahr wurden 61 Anträge auf Landesexzellenzförderung gestellt - nur vier geisteswissenschaftliche Projekte wurden bewilligt. Darunter das Projekt "Geschichte alternder Gesellschaft". Vom Land erhalten die Forscher 180 739 Euro. Die Universität schießt etwa 27 000 Euro zu.

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