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Lokales

24. September 2017 | 03:26 Uhr

Rostock schlüpft in die Vorreiterrolle

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svz.de von
erstellt am 05.Okt.2010 | 08:33 Uhr

Stadtmitte | Ein neues Umrichterwerk soll ab 2012 die Versorgung der Trasse Rostock-Berlin mit Bahnstrom sicherstellen. Den Grundstein für das 20-Millionen-Euro-Projekt hat die DB Energie gestern gelegt - direkt neben dem alten Umwandlerwerk im Dalwitzhofer Weg 13, das im Anschluss zurückgebaut werden soll. Die Vorteile liegen für Hans-Georg Hühmer, Leiter der Energieversorgung bei DB Energie, auf der Hand: "Wir verbessern die Versorgungssicherheit, die Wirtschaftlichkeit und tun auch noch etwas für die Umwelt." Zirka 1500 Tonnen Kohlendioxid werden pro Jahr durch die neue Anlage eingespart. Zudem sinke der Wartungsaufwand erheblich.

"Bis 2025 werden alle dezentralen Umformerwerke durch Umrichterwerke ersetzt", sagt Hühmer. Rostock schlüpft dabei in Mecklenburg-Vorpommern in eine Vorreiterrolle. Ursprünglich sollte hier erst nach 2015 mit den Arbeiten begonnen werden, doch das Konjunkturpaket II der Bundesregierung ermöglichte den Start noch in diesem Jahr.

Konjunkturpaket II deckt Kosten ab

Unter der Auflage, dass der Bau bis Ende kommenden Jahres steht, deckt es die kompletten 20 Millionen Euro ab. "Das kam uns ganz gelegen", sagt Hühmer, denn die Rostocker Umformer gehören zur ältesten noch in Betrieb befindlichen Generation. Sie stammen aus dem Jahr 1985 und nutzen zur Stromumwandlung rotierende elektrische Maschinen.

Die modernen Umrichter hingegen nutzen Halbleitertechnik, wodurch sie im Vergleich zu den alten Generationen 25 Prozent der Energie einsparen, den Lärm erheblich reduzieren und knapp ein Drittel weniger Platz brauchen. Ihre Aufgabe ist es, Drehstrom mit einer Frequenz von 50 Hertz aus dem öffentlichen Netz in für den Bahnbetrieb benötigten Einphasen-Wechselstrom mit einer Frequenz von 16,7 Hertz umzuwandeln. Dieser wird dann in die 15 000 Volt-Oberleitungen eingespeist, wo die elektrischen Triebfahrzeuge der Bahn auf ihn zugreifen. Mittlerweile wäre die Technik zwar auch so weit, die Lokomotiven mit Drehstrom aus dem öffentlichen Netz zu betreiben, doch dazu müssten sämtliche Anlagen umgerüstet werden. Das wäre teurer als die Errichtung der Umrichterwerke.

Die sollen nun für 30 bis 40 Jahre bestehen bleiben und durch ihre schnelle und flexible Einsatzfähigkeit den Strombedarf in den Spitzenzeiten absichern. Die Grundlast wird hingegen durch spezielle Bahnstromkraftwerke gedeckt. "Der Fortschritt ist so groß, dass ein längerer Betrieb gar nicht möglich wäre", sagt DB Energie-Sprecher Gelfo Kröger. Zum einen gebe es irgendwann einfach keine Ersatzteile mehr, zum anderen vertraut er auf noch effizientere, neue Generationen in der Zukunft. An den Umformern aus dem alten Rostocker Werk haben laut Kröger bereits die Schweden ihr Interesse angemeldet.

Gebaut wird das Rostocker Umrichterwerk von Siemens Mobility. "Wir greifen dafür auf Synergien in unserem Haus zurück", sagt General Manager Electrification Mirko Düsel. So komme in Rostock die gleiche Technik zum Einsatz wie beim Projekt "Desertec", das Europa, den Nahen Osten und Nordafrika mit Strom aus solarthermischen Kraftwerken in Nordafrika und aus Offshore-Windparks versorgen soll. Um den dort produzierten Strom bis nach Deutschland zu transportieren, sind ebenfalls Umrichterwerke nötig. Erste Erfahrungen mit der neuen Generation hat das Unternehmen bereits gesammelt.

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