Rostock feiert seinen Ehrenbürger

Eröffnung der Kempowski-Tage 2010: Zahlreiche Besucher würdigen das Lebenswerk des Rostocker Schriftstellers. Foto: Geos
Eröffnung der Kempowski-Tage 2010: Zahlreiche Besucher würdigen das Lebenswerk des Rostocker Schriftstellers. Foto: Geos

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13. Oktober 2010, 10:15 Uhr

Rostock | Mit einer Lesung aus den Tagebüchern "Alkor", "Hamit" und "Somnia" im Rostocker Rathaus sind gestern die Kempowski-Tage 2010 gestartet. Sie sollen Leben und Werk des berühmten Sohns der Hansestadt würdigen, der am 5. Oktober 2007 im Alter von 78 Jahren verstorben ist. Zu der Auftaktveranstaltung waren zahlreiche Verehrer des Schriftstellers gekommen.

Für die Lesung unter dem Titel "Ich bin immer in Rostock gewesen" haben die Veranstalter wegen des 20-jährigen Jubiläums der Deutschen Einheit bewusst Tagebücher aus der Wendezeit ausgewählt. In ihnen beschreibt Kempowski im Januar 1990 die Beziehung zu seiner Heimat: "Ich habe diese Stadt vor und zurück beschrieben, Fotos gesammelt, ja, ich bin sogar so weit gegangen, sie in Papier nachzubauen!"

Diese tiefe Verbundenheit kam in den gestern vom Volkstheaterschauspieler Stephan Fiedler vorgetragenen Tagebuch-Auszügen immer wieder zum Ausdruck. Diese nahm auch Professor Dieter Schröder vom Kempowski-Archiv in seinem einleitenden Vortrag auf. "Der Ort, zu dem die Gedanken immer wieder zurückkehren, ist nicht austauschbar", sagt Schröder. Das haben die Werke Kempowskis mit vielen anderen berühmten Schriftstellern der Region gemeinsam. "Auch Fritz Reuter oder Uwe Johnson schrieben von der fernen Heimat", sagt Schröder.

Im Gegensatz zu ihnen aber habe Kempowski "sein" Rostock im Januar 1990 erstmals wiedersehen können. "Das Besondere an seinem Werk ist seine Rückkehr", sagt Schröder. Deren Eindrücke wiederspiegeln die Tagebücher. Doch obwohl der Schriftsteller 1992 einen Teil seiner Sammlung nach Rostock verlagerte und er 1994 zum Ehrenbürger ernannt wurde, zog er nie wieder in die Hansestadt zurück. "Das äußere Rostock war zwar noch erhalten, aber viele seiner Romanvorlagen waren fortgezogen oder gestorben", sagt Schröder.

Seiner Heimatstadt blieb er dennoch immer tief verbunden. Noch bis Sonntag erinnern an den Schriftsteller insgesamt zehn Lesungen, Vorträge, Filme und eine Plenumsdiskussion. Den Abschluss wird das Theaterstück "Alles offen" bilden.

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