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Lokales

18. Dezember 2017 | 21:40 Uhr

Rostock bebaut die letzte Wasserkante

vom

svz.de von
erstellt am 17.Mai.2010 | 11:07 Uhr

Rostock | Die Finanzierung für das maritime Gewerbegebiet Groß Klein steht. Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) übergab gestern im Rathaus den Zuwendungsbescheid in Höhe von 9,65 Millionen Euro an Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Damit ist der Weg frei für die Ansiedlung neuer Industrie auf dem 8,3 Hektar großen Gebiet zwischen Neptun-Meyer-Werft und Laakkanal. Letzterer soll dafür noch innerhalb dieses Jahres um einige hundert Meter verlegt werden.

"Unser Ziel ist die Flächenvorbereitung für Investoren bis 2012", sagt Methling. Die kommen unter anderem aus der Offshore-Windkraft und hätten sich bereits in der Vergangenheit sehr intensiv um den Standort bemüht. Da die Verhandlungen aber noch laufen, wollen die Politiker keine konkreten Namen nennen. "Das Gebiet eignet sich für jeden, der schwere Bauteile transportieren muss", sagt Seidel, der auf breites Interesse verweist. Mit dem Projekt sollen mindestens die im benachbarten Schiffbau weggefallenen Arbeitsplätze ausgeglichen werden. Die Politiker rechnen grob mit 500 Stellen, wollen aber die weitere Entwicklung abwarten. "Das ist Teil der notwendigen Umstrukturierung der Wirtschaft", sagt der Minister. Der Schiffbau in MV könne nicht im bisherigen Umfang weiterbetrieben werden, alternative Arbeitsplätze im wirtschaftlichen Herzen Mecklenburg-Vorpommerns müssten her.
Die Nachfrage nach Gewerbegebieten am Wasser sei besonders hoch, gerade innerhalb der Stadtgrenzen Rostocks. "Für die nächste Zeit ist diese Fläche die letzte Ecke, die das Kriterium seeschifftiefes Wasser erfüllt", sagt Seidel. Mit dem größten Förderbetrag des Landes in diesem Jahr sollen hier rund 250 Meter Kaikante komplett neu entstehen - genug auch für große Schiffe. Als Standortvorteil ist zudem ein Schwerlastkran vorhanden. Die Planungen für das insgesamt 11,6 Millionen Euro teure Unterfangen laufen bereits seit dem Jahr 2003. Von den Gesamtkosten muss die Stadt nach Abzug weiterer Förderbeträgen weniger als eine halbe Million Euro übernehmen.
Langfristig soll die Fläche auf insgesamt 27 Hektar erweitert werden. Das Problem: Die Stadt besitzt zwar einen Großteil des Gebiets, aber nicht alles. Teile gehören der Neptun-Meyer-Werft und dem Dieselmotorenwerk. Das Land hat Rostock für den Kauf einen zinslosen Kredit über rund zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt. "Der Kauf soll in den nächsten drei Jahren geschehen", sagt Methling. Denn es gebe auch Interessenten, die eine großräumige Entwicklung betreiben wollten.
Ungeachtet dessen hat die Bürgerschaft bereits im März die Aufstellung eines Bebauungsplans für das gesamte Gebiet beschlossen. Damit einher gehen Gutachten zur Lärm- und Verkehrsentwicklung, zur Grünordnung sowie zum Artenschutz. Das Gebiet am Laakkanal steht unter Naturschutz: "Es ist ein sensibler und komplizierter Bereich", sagt Methling. Auf die Stadt könnten erhebliche Kosten für Ausgleichsflächen zukommen. Mit den Ergebnissen der Gutachten rechnet er in etwa einem Jahr, ist aber zuversichtlich. "Es ist bereits eine ganze Menge an Bebauung vorhanden", sagt der Verwaltungschef. An neu zu errichtende Anlagen seien aber hohe Anforderungen zu stellen, beispielsweise im Bereich des Lärmschutzes.
Auf die Gutachten wartet auch Uwe Michaelis, Ortsbeiratsvorsitzender in Groß Klein. "Natur- und Lärmschutz dürfen nicht hinten runterfallen", sagt er. Wenn Umweltverbände während des Verfahrens Bedenken einbrächten, dürften diese nicht abgetan werden. Zudem müsse die Wohnqualität der Groß Kleiner erhalten bleiben.

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