Riskanter Einsatz in Biogasanlagen

19 Biogasanlagen sind in der Prignitz in Betrieb. Bisher gab es keine Unglücke, aber das Gefährdungspotenzial ist hoch, wie Unfälle in anderen Bundesländern zeigen. Dennoch fehlen den Feuerwehren konkrete Einsätzpläne. Das will der Landkreis Prignitz ändern.

svz.de von
06. November 2009, 09:03 Uhr

Prignitz | Vier Tote bei einem Unfall 2005 in einer niedersächsischen Biogasanlage. Sie hatten das hochgiftige Gas Schwefelwasserstoff eingeatmet. Zwei Mitarbeiter wurden 2007 ebenfalls in Niedersachsen durch eine Explosion schwer verletzt. 2008 brannte es in einer Anlage bei Ludwigslust. Beispiele, die die Gefährlichkeit belegen, sagte Henry Merz, Landesbranddirektor in Brandenburg. Er nahm gestern an einem Seminar zum Thema Gefahrenabwehr in der Prignitz teil.

Bei richtiger Wartung und bei korrekter Betreibung gehe von Biogasanlagen keine größere Gefahr aus, so Henry Merz. Auch gebe es umfangreiche Rechtsvorschriften, allerdings keine klaren Richtlinien zur Überprüfung. Merz spricht von einer "gesetzlichen Lücke". Im Falle eines Lecks, eines unsachgemäßen Betriebs oder menschlichen Fehlverhaltens ändere sich die Situation grundlegend: "Dann sind Havarien möglich, dann wirds richtig gefährlich."

Austretendes Gas könne explodieren, wie bei den eingangs genannten Beispielen geschehen. Neben Methangas bestehe akute Gefahr, dass Gifte wie Schwefelwasserstoffe freigesetzt würden. "Dann erreichen Kameraden sehr schnell ihre Grenzen", sagt Merz und das sei kein Vorwurf. Hochwertige Technologie und Know How seien dringend erforderlich, um in solch brisanten Situationen richtig zu handeln.

"Wir wollen schauen, was man machen kann, mit Experten über Handlungsmöglichkeiten sprechen", erklärt Erich Schlott hauer, Sachbereichsleiter Katastrophenschutz im Landkreis Prignitz. Er verweist auf allgemein gehaltene Hinweise für die Feuerwehren, der der Kreis bereits erstellt habe.

Darin werden bei Einsätzen in Biogasanlagen unter anderem umluftunabhängiger Atemschutz und Gaswarngeräte empfohlen. Eine Gaswolke sollte mit einem Sprühstrahl niedergeschlagen werden. Und ein Feuer am Fermenter sollte nicht gelöscht werden, bevor die Gaszufuhr unterbrochen ist. Diese und einige wenige weitere Hinweise reichen Erich Schlotthauer nicht. Er würde gerne einen richtigen Handlungsleitfaden entwickeln.

Die gestrigen Gespräche mit Vertretern aus sieben Landkreisen und vier Bundesländern markieren einen Anfang. Experten aus Umweltministerium, Berufsgenossenschaft und Feuerwehr sprachen zu verschiedenen Sicherheitsaspekten. Sämtliche Biogasbetreiber aus der Prignitz nahmen neben Kameraden der freiwilligen Wehren an dem Workshop teil. In Kürze folgt ein Seminar mit den Prignitzer Wehrführern.

Die Ergebnisse sollen zusammengefasst Grundlage eines Einsatzkonzepts für Havarien in Biogasanlagen werden. Landesbranddirektor Merz kündigte an, dieses gegebenenfalls in den Ausbildungsplan der Landesfeuerwehrschule einzubauen bzw. in die Empfehlungen des Innenministeriums.

Biogasanlagen werden für die Gewinnung von Energie bzw. Wärme genutzt. Brennbares Biogas wird aus dem Gärbehälter entnommen, treibt den Motor in einem Blockheizkraftwerk an. Der Motor ist an einem Generator gekoppelt, der erzeugte Strom fließt ins öffentliche Netz. Entstandene Wärme kann über Wärmeleitungen abgeführt werden.

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