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Lokales

14. Dezember 2017 | 07:24 Uhr

Riems: Kein Erreger darf raus

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erstellt am 19.Aug.2010 | 06:36 Uhr

Riems | Gnadenlos brennt die Sonne vom Himmel auf die Insel Riems. Christian Wolfgramm, Projektleiter auf der größten Bundesbaustelle im Osten Deutschlands, wischt sich den Schweiß von der Stirn. Unter seiner Aufsicht entsteht derzeit auf der Ostseeinsel bei Greifswald der neue Tierseuchen-Forschungskomplex des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI): 300 Millionen Euro teuer, mit fünf Geschossen, von denen zwei ins Erdreich reichen, vollgepackt mit High-Tech, Hochsicherheitslaboren, Zwangsduschen, Panzerglas in den Fenstern, Luftfiltern und Tierkörperbeseitigungsanlagen.

"Eigentlich", sagt er, "ist das ganz einfach. Aus diesem Haus darf kein Erreger heraus." Für Wolfgramm ist der Satz wie eine Weltformel.

Bundeskriminalamt gab Sicherheit vor

Doch der Teufel steckt im Detail. Als Mitarbeiter des Betriebes für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern (BBL) hat Wolfgramm bereits verschiedene staatlich finanzierte Klinikbauten beaufsichtigt. "Ich habe gedacht, komplexer als ein Krankenhaus kann es nicht werden. Doch hier ist alles einen Zahn schärfer." Das Bundeskriminalamt hat für das Gebäude Sicherheitsstandards definiert. Für die Biosicherheit geben Biostoff- und Gentechnikverordnung Richtlinien vor. "Um ein Stallgeschoss sicher betreiben zu können, brauchen wir dreieinhalb Technikgeschosse." Vor wenigen Tagen hat der erste Probelauf in der Technikzentrale und der Kläranlage begonnen. Die Hochbaugerüste sind weitgehend gefallen und geben den Blick auf die 230 Meter lange Klinkerfassade frei.

Knapp 200 Millionen Euro seien inzwischen verbaut, erklärt Wolfgramm. Der Innenausbau für die 89 Labore und 163 Stallplätze tritt in seine heiße Phase. Zum 10. Oktober 2010, dem 100-jährigen Gründungsjubiläum des Instituts, werden die bis dahin fertigen Labor- und Stallbereiche der Öffentlichkeit präsentiert.

Peter Lobsiger vom Schweizer Generalplanerteam Itten+Brechbühl, ein Experte für Hochsicherheitsbauten, inspiziert die Wände im Hochsicherheitsbereich. Das Ziel sei eine absolut geschlossene, porenfreie Oberfläche, die den unsichtbaren Erregern keinen Unterschlupf bietet und problemlos zu desinfizieren ist. Die Wände werden dafür in bis zu sieben Arbeitsgängen versiegelt, Geräte fugenfrei verbaut. Später, während des Betriebes, werden die Räume regelmäßig mit einem Gas wie Formaldehyd desinfiziert.

Höchste Sicherheitsstufe für Nipah, Hendra, Ebola...

Bis zu 400 Bauleute arbeiten täglich auf dem Bau, der in gut einem Jahr Europas modernstes Zentrum der Tierseuchenforschung beherbergen soll. In den Großtierställen und Laboren der höchsten Sicherheitsstufe 4 können die Virologen dann an Tierseuchen wie Nipah, Hendra oder auch Ebola forschen, die auch für den Menschen gefährlich sind. Für Großtierversuche mit diesen Erregern müssen Europas Tierseuchenexperten derzeit noch weit - bis nach Winnipeg (Kanada) oder Geelong (Australien) - reisen.

Das vor 100 Jahren von Loeffler als erstes Tierseucheninstitut der Welt gegründete Institut auf dem Riems, beherbergt heute 8 Welt- und über 70 nationale Referenzlabore für Tierseuchen. Mit den neuen Laboren werden sich die Forschungsbedingungen in Europa deutlich verbessern, ist Institutspräsident Thomas Mettenleiter überzeugt.

Anfang 2011 soll mit dem mehrmonatigen Prozedere zur Inbetriebnahme der Hochsicherheitslabore begonnen werden. Die komplette Übergabe an das Friedrich-Loeffler-Institut ist für Oktober 2011 geplant.

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