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Lokales

20. September 2017 | 16:48 Uhr

Rettungsaktion für Grundschule Berge

vom

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erstellt am 11.Mär.2011 | 07:51 Uhr

Berge | Noch nie hat ein Thema die Gemeindevertreter und Bürger von Berge so bewegt, wie die drohende Schließung der Schule. Entsprechend hoch war der Besucherandrang bei der außerordentlichen Sitzung der Gemeindevertretung am Donnerstagabend, deren wichtigster Tagesordnungspunkt sich mit den Schulkosten und Möglichkeiten zu deren Senkung befasste.

Der Hintergrund: Mitte Februar hatte die Gemeindevertretung von Gülitz-Reetz beschlossen, ihre Abc-Schützen aufgrund der geringeren Kosten - 59 zu 135 Euro pro Schüler und Monat - künftig in Perleberg beschulen zu lassen. Mit dem Wegfall der Schüler aus der Nachbargemeinde sei der Standort Berge gefährdet, sagte Berges Bürgermeister Werner Eckel kurz darauf unserer Zeitung. Bereits im Schuljahr 2010/11 habe bei vier Anmeldungen nur durch eine Ausnahmegenehmigung eine erste Klasse eingerichtet werden können - als Flexklasse jahrgangsübergreifend mit insgesamt 15 Schülern.

So klar das Ziel der hitzigen und emotionalen Diskussion der Gemeindevertreter auch gewesen sein mag - ebenso deutlich fehlte es an tragfähigen Konzepten, wie die Kosten gesenkt werden könnten. Mehrere Anwesende schlugen eine teilweise Stilllegung des Schulgebäudes vor, um Heizkosten zu sparen, auch eine zusätzliche Nutzung durch Vereine, gewerbliche Mieter oder gar die Gemeindeverwaltung wurde diskutiert. Hartmut Lossin forderte gar den Austritt aus dem Bauhof, um die dadurch frei werdenden Mittel in Richtung Schule umzuschichten und den Besuch quasi zu subventionieren. Einen Plan, wie die anfallenden Arbeiten künftig zu erledigen seien, legte er aber nicht vor. Zudem warf Lossin dem ebenfalls anwesenden Amtsdirektor Gerd Ehrke Versäumnisse in der Kommunikation vor: "Das Amt hätte moderierend eingreifen müssen, als klar wurde, dass Gülitz einen Schulbezirkswechsel plant."

Einig waren sich alle Anwesenden darin, dass man jetzt aktiv werden und vor allem nach Pirow, wo Ende März die Gemeindevertreter tagen und ebenfalls über die Schulgebühren reden, das Signal senden müsse, dass die Schule erhalten werden soll.

"Das alles geht aber nicht ohne ganz konkrete Zahlen", machte Werner Eckel deutlich und verwies darauf, dass der Schulbetrieb selbst ein wesentlicher Kostenfaktor sei, denn Personal und Lernmittel müssten einfach bezahlt werden. "Schulen in Putlitz und Perleberg haben vergleichbare Grundkosten, aber die verteilen sich auf die vielfache Schülerzahl, das ist reine Mathematik", so Eckel. Bei zwei Terminen in der nächsten Woche sollen eine Begehung der Schule und eine Analysen des Schulhaushaltes zeigen, wo gespart werden kann.

Abschließend verwies Eckel darauf, wie viel die Gemeinde in den vergangenen Jahren in die Schule investiert habe. "Das zeigt, dass wir immer an den Standort geglaubt haben." Im Endeffekt werde die Entscheidung, ob Berge bleibt oder nicht, aber im Schulamt aufgrund gesetzlicher Mindestschülerzahlen getroffen und die Gemeinde als Träger sei nur Ausführender "der das Licht ausmacht", so Eckel.

Dietmar Menzel, vom staatlichen Schulamt Perleberg, versteht die Aufregung, mahnt aber zu sachlicher Diskussion. "Am 19. März liegen uns verlässliche Anmeldezahlen vor, erst auf dieser Basis wird entschieden, wo erste Klassen einzurichten sind", sagte er auf Nachfrage. "Für das Amt stand die Schule in Berge nie zur Diskussion, und selbst wenn sich abzeichnet, dass der Standort perspektivisch nicht zu halten ist, gibt es keine Schließung über Nacht."

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