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Güstrow: Kreisverband der Gartenfreunde : Restmüll und Abwasser bereiten Sorge

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Von der Ruhe, die ein Kleingarten gibt, war auf der Delegiertenversammlung des Kreisverbandes der Gartenfreunde Sonnabend in Güstrow nichts zu spüren, denn es flogen die Fetzen.

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erstellt am 27.Mär.2011 | 05:59 Uhr

Güstrow/Bützow | Von der Ruhe, die ein Kleingarten gibt, war auf der Delegiertenversammlung des Kreisverbandes der Gartenfreunde Sonnabend in Güstrow nichts zu spüren, denn es flogen die Fetzen. Der nach drei amtierenden Jahren als Vorsitzender gewählte Reinhard Melzer verdeutlichte die Sorgen der Kleingärtner, denen die Politik immer mehr Geld aus der Tasche zieht. Das habe dafür gesorgt, dass immer mehr Parzellen von den früher 4000 leer stünden, teilweise seien das in Anlagen bis zu 30 Prozent und mehr. Problematisch sei auch die Altersstruktur, so Melzer. Im Durchschnitt sind Kleingärtner über 60 Jahre alt. Ohne Hilfe von Kommunen und Landesregierung werde man nicht vorankommen, prognostiziert er. Dabei gebe es in der Republik Beispiele. Reinhard Melzer nannte Dresden, wo fünf Millionen Euro geflossen sein sollen, um den Grüngürtel der Stadt mit Kleingärten zu vernetzen und zu verbinden.

Melzers Zusammenfassung der Geldschneiderei bei den teilweise "Ärmsten der Armen" hörte sich im Zeitraffer so an: höhere Grundsteuer A, höhere Straßenreinigungsgebühren, "vergewaltigt" mit der Restmülltonne, die nicht gebraucht werde und gegen die ein Klageverfahren läuft, die Abwasserentsorgungspflicht bis Ende 2013 (wir berichteten).

In die Kerbe schlugen Erika und Walter Krüger. "Gärten haben eine soziale Funktion, die vergessen wird", betonten sie. Hans-Joachim Block, Vorsitzender des mit fünf Gärten kleinsten Kleingartenvereins im Kreis, "Am Mühlenberg" Güstrow, wollte wissen, was mit dem Bestandsschutz ist und wie die Dichtheit der Abwasseranlagen kontrolliert werden soll. Lothar Dünkel, "Seeblick III" Güstrow, meinte: "Die Attraktivität der Gärten muss für den Nachwuchs erhöht werden. Immer das Jammern um Geld und Leerstand ist ein falsches Herangehen." Außerdem wollte er wissen, wie die Güstrower Kleingärten in das Konzept der Landesgartenschau einbezogen sind.

Besonders emotional wurde es, als Petra Elie sprach. Sie ist alles andere als es der Name ihrer Anlage - "Zufriedenheit" - sagt. Sie kritisiert, dass die Vereine immer mehr auf den Kosten sitzen bleiben, wenn Pächter kurze Zeit ihren Garten behalten und einfach verschwinden. Klärung fordert sie beim Thema "Sperrmüll". Wenn Restmüll-entsorgungspflicht bestehe, gebe es auch das Recht für die Sperrmüllentsorgung, behauptet sie. Aber die Entsorgungsfirma Veolia verlange genaue Adressen, die nicht immer da seien.

Die Doberanerin Christiane Spitzer weilte als Vertreterin eines zweiten in Gründung befindlichen Landesverbandes - des Verbandes der Freunde des Gartens - in Güstrow. Die Doberaner sind wie die Güstrower aus dem Landesverband der Gartenfreunde ausgetreten, weil sie für die Kosten, die sie dort bezahlen müssen, nicht genügend vertreten wurden.

Gelassen sieht das Abwasser-Problem Norbert Kraak, Vorsitzender der Anlage "Am Kanal" in Wolken bei Bützow. "Wir sind eine kleine Anlage mit nur 13 Gärten und uns betreffen die neuen Festlegungen nicht. Denn wir haben keinen Wasseranschluss", sagt er. Viele der Gartenbesitzer hätten Trockentoiletten und die werden auf dem Kompost entsorgt. "Das große Problem haben wir nicht mit den neuen Bestimmungen", meint auch Rudolf Gadinger von der Anlage "Zur Eiche" im Rühner Landweg von Bützow mit 56 Gärten. Schon seit 20 Jahren sei es so, dass diejenigen in der Anlage, die sich in ihre Laube eine Spültoilette oder eine Dusche einbauen, einen geschlossenen Behälter für die Abwässer haben müssen, sagt Vereinsvorsitzender Reiner Naumann. Hart treffe es aber die Mitglieder der Anlage, die schon aus DDR-Zeiten eine Kleinkläranlage haben, die sie nun nicht mehr weiter benutzen können. Auf ihrer Jahresversammlung am 9. April soll dies ein Thema sein.

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