Rekordjagd über dem Ärmelkanal

Mit einem Motorschirm wie diesem, aber als Zweisitzer, wollen die Sportpiloten über den Ärmelkanal fliegen.
Mit einem Motorschirm wie diesem, aber als Zweisitzer, wollen die Sportpiloten über den Ärmelkanal fliegen.

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04. September 2010, 01:57 Uhr

Nordwestmecklenburg | Zwei Fluglehrer aus Grevesmühlen wollen Luftfahrtgeschichte schreiben: Frank Niemann und Steffen Klatt. Sie sind in diesen Stunden bereits im Ausland. Heute bei Sonnenaufgang wollen sie den Ärmelkanal überfliegen - mit einem Motorschirm-Trike. Damit, so behaupten es die Piloten, wären Frank Niemann, Steffen Klatt und ihre beiden Mitstreiter Peter Flachshar und Hartmut Bentler aus Stralsund die ersten, die den Ärmelkanal mit einem solchen Fluggerät überfliegen.

"Nie zuvor sind Piloten mit einem Zweisitzer-Motorschirm-Trike über den Kanal geflogen", sagt Frank Niemann. Natürlich könnten die Männer für ihr Vorhaben auch ein Flugzeug benutzen, alle haben einen Sportpilotenschein. "Das erscheint uns aber zu einfach", sagt Niemann und schmunzelt. Der Mann, der in seinen Fliegersachen aussieht wie ein Offizier der Luftwaffe, sucht die Herausforderung.

Offen ist, ob das waghalsige Unternehmen der Sportpiloten gelingen wird. Bereits zum vierten Mal versuchen die beiden Grevesmühlener vom englischen Dover nach Calais (Frankreich) zu fliegen. Jeder Versuch in den vergangenen Jahren scheiterte. "Technische Probleme und schlechte Wetterbedingungen sorgten bis jetzt immer dafür, dass wir nicht starten konnten", seufzt Niemann. Heute will er es wieder versuchen.

Was einfach klingt, sei eine wahre Herausforderung, selbst für erfahrene Piloten, betont Niemann. Wenn die Sonne am Horizont aufgeht, sollen die beiden Motorschirm-Trikes starten. Passt die Windrichtung, werden die Sportpiloten von England aus auf das französische Festland zusteuern. Rund 40 Kilometer Flugstrecke gilt es dann zu überwinden. "Allerdings sind es Zweitaktmotoren, die den Schirm antreiben, das ist eines von vielen Problemen", erläutert der Fluglehrer. Ein Problem sei es deswegen, weil die Motoren oft ausfallen würden. "Bei einem Überlandflug macht das keine Schwierigkeiten, doch wir werden über dem Wasser sein. Die ganze Zeit lang", sagt Niemann. Wenn er spricht, wirkt Niemann manchmal wie ein Pionier der Luftfahrt. Fest davon überzeugt, den Ärmelkanal überfliegen zu müssen, will sich der 48-Jährige der Herausforderung stellen. Risiken werden in Kauf genommen.

Damit nichts passiert, hat der Fluglehrer für Sicherheitsvorkehrungen gesorgt: Die beiden Motorschirm-Trikes habe er vom Hersteller durchchecken lassen und für einen Motorausfall Schwimmwesten an den Fluggeräten befestigt. "Gut 180 Kilogramm Leergewicht besitzt so ein Motorschirm-Trike, wer damit im Ärmelkanal notwassern will, sinkt wie ein Stein." Bis heute habe sowieso niemand eine Notlandung auf dem Wasser versucht, behauptet Niemann. Zusätzlich wird ein fünfter Pilot, der Wismarer Thomas Reinicke, das Unterfangen mit einem Leichtflugzeug begleiten. Reinicke soll zudem den Funkverkehr regeln.

Sollte den Männern heute früh der Start gelingen, werden sie mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern durch die Luft gleiten. Bei Gegenwind rechnen sie mit einer Stunde für die Kanal-Überquerung. "Wenn wir das diesmal tatsächlich schaffen, gibt es eine große Party", verspricht Niemann. Jeder der Piloten habe sich bereits eine Zigarre eingesteckt. Ein wenig ist es eben doch so, als würden Kampfpiloten vor einem großen Manöver stehen. Sollten die Wetterbedingungen heute gegen den Flug sprechen, wollen die Männer am 11. September einen zweiten und vorerst letzten Versuch starten. "Danach wird es zu kalt", sagt Niemann.

Ob die Piloten aus MV tatsächlich die ersten sind, die mit Motorschirm-Trikes über den Ärmelkanal fliegen, konnte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherungsbehörde nicht bestätigen.

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