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Lokales

18. November 2017 | 13:18 Uhr

Reise vom Universum zum Menschen

vom

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erstellt am 11.Jul.2011 | 07:02 Uhr

Wittenberge | Der Song "Major Tom" über den gleichnamigen Comic-Astronauten aus den 20er Jahren macht den Musiker Peter Schilling 1982 schlagartig bekannt. Im gleichen Synthiepop-Stil der NDW komponiert, entwickeln sich auch Titel wie "Die Wüste lebt" und "Terra Titanic" zu Hits, die auch heute noch Tanzflächen füllen. Jetzt ist Schilling erstmals seit 20 Jahren wieder mit seiner Band auf Tour. Lars Reinhold sprach mit ihm über Zukunftspläne, die Präsenz alter Erfolge und das Geheimnis von Major Tom.

Herr Schilling, auf Ihrer Website heißt es "Ich habe alles erreicht was ich wollte, aber doch weniger als möglich war, und am zweiten Teil des Satzes arbeite ich noch." Wonach streben Sie heute?

Peter Schilling: Nach dem genüsslichen Teil des Erfolges. Den verpflichtenden habe ich komplett durchlebt. Mit Major Tom war ich 1982 aus dem Nichts heraus weltweit erfolgreich. Ich war damit ganz allein, im wahrsten Sinne des Wortes völlig losgelöst. Das ging ein paar Jahre gut, endete aber schließlich 1990 in einem Burnout. Deswegen habe ich diesen Teil meiner Karriere freiwillig beendet. Jetzt will ich den genüsslichen Teil nachholen, live spielen, Konzerte geben und Spaß mit meinen Fans haben.

NDW, Synthiepop und Elektrobeats waren es in den 80er Jahren. Wofür steht Peter Schilling heute?

Ich habe die Reise vom äußeren Universum ins innere Universum gemacht, inzwischen steht der Mensch mit all seinen Facetten im Mittelpunkt meiner Texte. Darüber konnte ich mit Mitte 20 noch nicht schreiben, dafür braucht es Lebenserfahrung. Die packe ich jetzt in meine Songs. Ich drohe aber nicht mit Intellekt, es bleibt richtig schöne Rock-Pop-Musik. Denn die Leute sollen vom Konzert kommen und gut gelaunt etwas mit nach Hause nehmen. Ich will die Fans inspirieren.

Viele Künstler blicken heute kritisch auf ihr frühes Werk zurück. Wie steht Peter Schilling zu Major Tom und Terra Titanic?

Diese Musik ist Teil meines Lebens, sie gehört zu mir. Ein Fußballclub, der vor 30 Jahren mal Deutscher Meister war, wirft den Pokal ja auch nicht weg. Wenn ein Künstler sagt, ich bin heute jemand anders, wer ist er denn dann? Auch die vermeintlichen "Jugendsünden" gehören untrennbar zur Persönlichkeit dazu.

David Bowie, Def Leppert, Falco und schließlich Peter Schilling, alle beschäftigten sich mit Major Tom. Wofür steht diese Figur?

Ich denke Major Tom ist der Astronaut schlechthin in der Popmusik, er löst einfach viele Emotionen aus, steht symbolhaft für weite Reisen, natürlich auch in den Weltraum. Kurios ist dabei, dass wir vor der Veröffentlichung fast ein bisschen Angst hatten, immerhin geht es dabei um den Tod, ein schwieriges Thema. Heute ist Major Tom ein Partysong.

Major Tom und Terra Titanic - das ist Peter Schilling. Aber auch neuere Stücke klingen dank sphärischer Synthesizer noch immer wie Peter Schilling. Ist das Ihr Erfolgsrezept?

Danke für das Kompliment. Ich höre immer wieder, dass alle meine Lieder etwas von Major Tom haben. Was willst du mehr als du selbst sein? Damit ist auch die Frage nach dem Früher nochmal klar beantwortet. Ich stehe dazu.

Der Sound ist aber auch eine Folge der Produktion in den 80ern. Das waren klangliche Pioniererfahrungen, so was erlebt man heute gar nicht mehr. Beispielsweise mit Sequencern oder dem Synthesizer Roland Juno 60. Da dachtest du nur, "Wow, was ist das denn?". Das war enorm inspirierend. Heute sind alle Sounds gehört, es macht nur noch der Mix.

Was hat sich in den 30 Jahren seit Major Tom außer der Technik verändert?

Entscheidender ist eher, was sich nicht verändert hat. Die Leute spüren ganz genau, ob du es auf der Bühne ernst meinst oder nicht. Da kann auch mal ein Ton falsch sein, wenn sie merken, dass sie ernst genommen werden. Und ich sehe mich als Dienstleister, es ist mein Job, dem Publikum eine tolle Show zu bieten.

Wer kommt heute zu Konzerten von Peter Schilling? Gibt es den klassischen Fan?

Im Prinzip von Jung bis Alt. Insbesondere freut mich, dass zwar ein feierfreudiges Publikum kommt, dieses aber sehr offen für die Inhalte ist. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Die Leute erwarten von mir auch eine Aussage. Trotzdem geht es auch richtig ab.

Wächst eine junge Fangeneration nach?

Ja. Gute Musik bleibt gute Musik. Wenn ich mir heute "Die Wüste lebt" anhöre, bin ich selbst über die Aktualität des Textes überrascht. Das spricht auch junge Leute an.

Was erwartet alte und neue Peter Schilling-Fans am 23. Juli auf der Ölmühle?

Die Leute dürfen sich auf ein unterhaltsames Konzert freuen. Ich spiele alle Klassiker, die man von mir kennt, wobei der ein oder andere sich denken wird, "ach, das ist auch von Peter Schilling?". Dazu kommen die neuen Sachen, und nach einer halben Stunde verschwimmt es, so dass kaum noch ein Zuhörer darüber nachdenkt, ob das jetzt alt oder neu ist.

Ist die musikalische "Reise" eine späte Nachwehe ihrer Berufsausbildung?

Ich sage es unumwunden: Ich war der lausigste Reisebürokaufmann den es gab. Ich habe zu Weihnachten 1974 einen Firmenvorstand und einen General der US-Armee auf das gleiche Zimmer gebucht, ein riesiger Fauxpas. Mein damaliger Chef sagte am Ende dieser Episode nur: "Geh mit Gott, aber geh." Allerdings war er der erste, der mir nach meinem Erfolg mit Major Tom gratuliert hat. "Ich wusste du kannst was, aber eben nicht im Reise büro."

Danke für das Gespräch


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