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Lokales

19. September 2017 | 19:01 Uhr

Rehjagd am Packhofstrang

vom

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2010 | 08:20 Uhr

Wittenberge | Rehjagd gestern früh mitten in der Innenstadt: Mitarbeiter des Betriebshofes rollen am Packhof vor, der städtische Ordnungsamtschef Gotthard Poorten kommt. Ein Polizeibeamter mit Streifenwagen vervollständigt die Gruppe, die sich auf Pirsch begeben wird. Goothard Poorten, der sich mit der Jagd auskennt, erklärt, dass es nicht einfach um ein Reh geht, sondern um ein Schmalreh. Das sei eine einjährige Ricke noch ohne Kitz. Die Ricke sitzt in dem kleinen Grünstreifen fest, der im Packhof zwischen der Tivolistraße und dem Gehweg ins Eigenheimgebiet eingezäunt ist.

Wie das Tier dorthin gelangt ist, kann niemand mit Gewissheit sagen. Vielleicht hat das saftige Grün mit den vielen Kräutern es angelockt. Und nun kommt es aus der gatterartigen Umzäunung nicht mehr raus. Eine Frau, die mit ihrem Hund unterwegs ist, erzählt: "Ich beobachte das Reh schon seit drei Tagen."

"Es ist der pure Stress für das Tier, hier mitten in der Stadt, wo jeder Zeit Leute und Hunde vorbei gehen", sagt Poorten. Dem Tier soll geholfen werden. Deshalb ist für diese Jagd auch kein Gewehr, sondern behutsames Vorgehen gefragt.

Obwohl das parkartige Gelände gut zu überschauen ist, finden Poorten und die Männer vom Betriebshof das Reh nicht sofort, als sie langsam durch das Grün streifen. Das große Zauntor ist weit geöffnet. Die Ricke soll in seine Richtung gedrängt werden, in den Packhof laufen. Dort steht der Polizeiwagen Achtung gebietend mit Blaulicht. Der Beamte ist bereit, den Verkehr anzuhalten, wenn das Reh auf der Straße ist, damit es sich seinen Weg in die Freiheit suchen kann. Die Idee ist gut. Das Tier will es anders. Als die Männer es aufgestöbert haben, rast es im Gatter hin und her, setzt dann zu einem eleganten Sprung an und steht auf dem Radweg im Packhof. Damit ist zumindest auch die Frage geklärt, wie das Tier in das von einem fast zwei Meter hohen Zaun umschlossenen Bereich gelangen konnte.

Dass gerade in diesem Moment ein Mann mit Hund aus einer Seitenstraße kommt, macht die Situation nicht leichter. Das Reh will zurück auf das Gelände, entscheidet sich dann aber anders und prescht über die Freifläche Richtung Friedrichstraße davon. "Schwierig sind derartige Situationen immer, schon allein wegen des Straßenverkehrs", sagt Poorten. "Dass sich Rehe in die Stadt verirren, das kommt häufiger vor, in der Regel finden sie auch den Weg wieder hinaus. Ein Patentrezept, wie in solchen Fällen zu verfahren ist, gibt es nicht. Wir entscheiden je nach Situation", sagt Poorten. Die Ricke gestern früh hat augenscheinlich den Weg in die Freiheit gefunden. "Wir haben sie in der Stadt nicht mehr entdecken können", sagt Poorten.

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