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Dörfer um Sternberg betroffen : Region droht der Ausverkauf bei Seen

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erstellt am 13.Jan.2011 | 12:37 Uhr

Sternberg/Schwerin | Weit mehr Seen in der Region als bisher bekannt könnten von Privatisierung betroffen sein. Die Bundesregierung verhängte nach großem öffentlichen Druck vor mehr als einem Jahr einen Verkaufsstopp; Verhandlungen zwischen Land und Bund zur Übernahme der Gewässer stocken. Menschen vor Ort fürchten, dass Seen an ihren Dörfern bald nicht mehr zugänglich sind.

226 öffentliche Seen in Mecklenburg-Vorpommern sollen neue Besitzer finden. Welche dies sind, daraus machten Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) und Landesagrarministerium im Vorjahr ein Geheimnis. Nur 22 Gewässer mit einer Größe ab zehn Hektar wurden bekannt, darunter der Bibow-See bei Warin (84 Hektar), der große Ventschower See (27), der Schönlager See (22) bei Weitendorf und der Rothener See (70) bei Borkow/Mustin. Im Landkreis Parchim geht es offenbar um weit mehr - auch kleinere - Seen, z.B. den Borkower See, den Rückwitzsee, dee Ruchower See, dee Mustiner See und den Scharbower See (alle bei Mustin), den Dabeler See und den Harmsee bei Blankenberg. Im Nordwestkreis betrifft dies auch den Neuhofer See, den Tarzower See bei Jesendorf oder den Reinstorfer See bei Zurow. Dies geht aus einer BVVG-Liste hervor, die Gewässer ab einer Größe von fünf Hektar festhält.

Gleich fünf Seen rings um die Gemeinde Mustin sind betroffen. Wenn der bewirtschaftende Fischer sie erwerbe, sei dies in Ordnung, sagte gestern Bürgermeister Berthold Löbel, aber: "Wenn ein Fremder einen der Seen kauft, haben wir ein Problem." Dann werde die Gemeinde prüfen, ob sie mitbietet und von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch macht. Löbel hofft, dass Agrarminister Till Backhaus sein Versprechen einlöse und die Seen vom Bund übernehme.

Gegen den Verkauf von Gewässern in MV und Brandenburg gab es im Vorjahr weit mehr als 100 000 Unterschriften. Die Verhandlungen hängen fest: Die Landesregierung in Schwerin forderte kostenlose Übertragung der Seen, Berlin will stattdessen im Gegenzug Ackerflächen und Wald aus Landesbesitz.

An dieser Konstellation habe sich bisher nichts geändert. "Wir pochen immer noch auf die kostenlose Übertragung der Seen", so Marion Zinke, Sprecherin des Landesagrarministeriums. Derzeit werde geprüft, ob alle Seen korrekt erfasst sind.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert etwaige Tauschpläne von Land und Bund scharf. Umweltreferent Arndt Müller spricht von einem "Kuhhandel". "Es muss jegliche Spekulation mit den Seen und jede Zweckentfremdung verhindert werden", so Müller.

Vorschlag des BUND: Die Seen sollten dem Nationalen Naturerbe zufließen und im Besitz des Bundes bleiben. Das Land sollte sich darauf konzentrieren, Geld für bessere Gewässerqualität einzusetzen.


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