Reetgedecktes Haus brennt lichterloh

Kameraden aus sieben Wehren kämpfen gegen die Flammen. Doch das reetgedeckte Haus kann nicht gerettet werden. Bölsche
Kameraden aus sieben Wehren kämpfen gegen die Flammen. Doch das reetgedeckte Haus kann nicht gerettet werden. Bölsche

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14. April 2010, 07:05 Uhr

Müsselmow | Es ist kurz vor 20 Uhr am Dienstagabend, als André Stapelfeldt (33) das Feuer an seinem reetgedeckten Haus bemerkt. Während die Ehefrau (28) mit den beiden Kindern das Haus verlässt, greift Stapelfeldt zur Selbsthilfe und versucht, das Feuer zu löschen. Um 20 Uhr wird in Kuhlen, Sternberg, Brüel und Gustävel Alarm ausgelöst: Schornsteinbrand. Die Kameraden aus Kuhlen-Wendorf sind wenige Minuten später am Einsatzort. Die Sternberger müssen eine kleine Zwangspause am Bahnübergang einlegen - die Schranken an der B 192 sind geschlossen.

"Vor Ort qualmte es bereits aus allen Ritzen, da habe ich weitere Verstärkung angefordert. Wir brauchten neben der Sternberger Drehleiter eine weitere", sagt Einsatzleiter und Wendorfer Wehrführer Mathias Hirsch. Die Crivitzer werden alarmiert und zwei Wasserstrecken aufgebaut, eine zum Löschwasserteich, die andere zum nahen Göwe.

Inzwischen schlagen die Flammen meterhoch aus dem kompletten Dachstuhl. "Dieses Feuer zu bekämpfen ist besonders schwierig. In einem etwa 15 Zentimeter breiten Zwischenraum hat es sich komplett ausbreiten können. Und das unterhalb des etwa 30 bis 40 Zentimeter dicken Reetdachs", erklärt Amtswehrführer Olaf Schröder. "Der Rauch in diesem Raum hat eine Temperatur von mehreren einhundert Grad, da kann sich jeder ausrechnen, was da passiert", ergänzt Eckardt Meyer von der Sternberger Wehr.

Weitere Wehren werden nachalarmiert, um genügend Atemschutzträger zur Verfügung zu haben. Sie kommen aus Zahrensdorf und Kobrow. Insgesamt kämpfen jetzt 105 Einsatzkräfte aus sieben Wehren gegen die Flammen an.

Die Chancen, das Haus teilweise zu retten, stehen bei Null. Zum Glück befinden sich keine Menschen in dem Gebäude. Es besteht aktute Einsturzgefahr so dass die Kameraden von außen löschen müssen.

Die 28-jährige Ehefrau, die mit ansehen muss, wie das Bauernhaus zusammenfällt, steht unter Schock. DRK-Sanitätskräfte kümmern sich um sie. Auch Ehemann André muss hilflos zuschauen… Das in zwölf Jahren mühsam von der ganzen Familie bestens um- und ausgebaute Kleinod wird in wenigen Stunden wieder eine Ruine.

Das Haus war ursprünglich eine Bauernstelle, dann Post und auch die Postfrau wohnte hier. "Dann stand das Gebäude leer und es wurde zur Ruine. Die neuen Eigentümer haben es nach der Wende erworben und viel Geld und Eigenleistungen investiert. Die Familie hat einen sehr guten Ruf, ist bescheiden und sehr arbeitsam", sagt Bürgermeister Ralf Toparkus. Gemeinsam mit der Familie Berkholz vom Dorfgasthof kümmert er sich um die Versorgung der Einsatzkräfte.

Kurz nach Mitternacht verlassen die ersten Kameraden den Einsatzort. "Wir werden noch massiv Wasser draufhalten und dann mit kleinerer Besetzung die Brandwache stellen", sagt Einsatzleiter Hirsch. Die Brüeler Wehr rückt gegen 3 Uhr ab, dagegen heulen in Dabel um 5.45 Uhr gestern früh die Sirenen. "Es sind immer wieder neue Glutnester zu löschen und die ermüdeten Kameraden, die bereits seit zehn Stunden im Einsatz sind, abzulösen. Vor Ort sind nun die Kameraden aus Gustävel, Wendorf und Dabel", sagt der Amtswehrführer am frühen Vormittag.

Die Familie wohnt jetzt bei den Eltern in Golchen und bei Freunden in Müsselmow. Die Mieterin der Einliegerwohnung im Haus war zur Unglückszeit nicht anwesend. Der Sachschaden beträgt nach ersten Schätzungen ca. 300 000 Euro, informiert die Schweriner Polizei.

"Familie Stapelfeldt hat über Nacht alles verloren. Wir als Gemeinde wollen auch helfen. Wir haben ein Spendenkonto eingerichtet und geben als Gemeinde 1000 Euro", sagt Bürgermeister Ralf Toparkus. Wer die Familie ebenso unterstützen will: Konto: 1400001052, BLZ: 14051362, Sparkasse Parchim-Lübz, Kennwort: Spende Familie Stapelfeldt.

Die Untersuchungen zur Ermittlung der genauen Brandursache führt die Kriminalpolizei.

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