zur Navigation springen
Lokales

14. Dezember 2017 | 11:24 Uhr

Rechts abgebogen

vom

svz.de von
erstellt am 02.Mai.2010 | 08:48 Uhr

Rostock | Udo Pastörs, Fraktionsvorsitzender der NPD im Landtag, brüllt durch das Megafon. Parolen, die vielen Anwohnern auf den Balkonen und am Straßenrand bekannt vorkommen - aus dem Geschichtsbuch. Ein älterer Mann fühlt sich an die Reden von Adolf Hitler erinnert. "Das kennt man doch alles schon", sagt er.

Rund 400 Anhänger des rechtsextremistischen Spektrums sind am Sonnabend einem Aufruf der NPD gefolgt, um in Lütten Klein zu einer Kundgebung zu starten. Linksextremistische Demonstranten blockierten die Route. Für sie zumindest ein Sieg: Die NPD konnte ihre geplante Strecke durch Lütten Klein nicht nehmen. Veranstalter und die mit 1900 Beamten anwesende Polizei leitete den Demonstrationszug um. Unterdessen fand im Evershäger Fischerdorf ein friedliches Bürgerfest statt.

Pastörs spricht von Unterdrückung durch das "ausländische Finanzkapital", hetzt gegen Bundesregierung, Ausländer und Demokraten. Seine Gefolgschaft hält die Pommern-Flaggen hoch, blickt die Anwohner düster an oder grinst in die Kameras der Fotografen. Eine bedrohliche Stimmung in den Straßezügen Groß Kleins, die durch die Enge zwischen den Hochhäusern nur verstärkt wird. Hier erreicht die NPD Wahlergebnisse, die die Fünf-Prozent-Hürde hinter sich lassen.

Eigentlich sollte die Route durch Lütten Klein führen. Doch die Teilnehmer der Sitzblockaden an der Brücke der Warnowallee sind fest entschlossen, die Parteianhänger nicht passieren zu lassen. Nervöses Warten der Polizisten. Sie sind zumindest anzahlmäßig den beiden Lagern überlegen.

Als die Demonstration beginnt, ziehen die Rechtsextremisten die Alte Warnemünder Chaussee und den Schiffbauerring entlang - und kommen mit den Gegendemonstranten gar nicht in Berührung. Die Linken sind inzwischen von den Polizisten eingekesselt. Vereinzelt laufen sie über die Gleise, um dem rechten Zug durch Groß Klein zu folgen. Währenddessen verteilen die Neonazis Flugblätter, skandieren Parolen. Einige Anwohner rufen den Demonstranten entgegen, sie sollen hier verschwinden.

Noch am Vorabend, am Freitag, hatten organisierten Linke einen Demonstrationszug durch Lichtenhagen. Die ungefähr 350 Anhänger wurden, beginnend vom "Sonnenblumenhaus", von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. In den Redebeiträgen holten die Extremisten zu einem Rundumkritik gegen Neonazis, Kapitalismus und Regierung aus. Die Demonstrationen am Wochenende verliefen größtenteils ohne Zwischenfälle. Die Polizei nahm 22 Menschen vorübergehend fest. Am Sonnabendnachmittag wurden auf der Heimreise NPD-Anhänger mit Steinwürfen attackiert. Schlimmeres konnte jedoch verhindert werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen