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Lokales

20. November 2017 | 20:01 Uhr

Raucher-Kinder qualmen kräftig mit

vom

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2010 | 06:52 Uhr

Greifswald | Mehr als die Hälfte der Kinder, die in einem Raucherhaushalt aufwachsen, qualmen passiv mit. Das hat eine Studie der Universität Greifswald ergeben. Selbst bei Kindern, deren Eltern nicht in der Wohnung zur Zigaretten greifen, seien Rückstände des Nikotin-Abbauproduktes Kotinin im Urin zu finden. Davon waren selbst die Forscher verblüfft.

"Dieses Ergebnis hat uns überrascht", sagt Projektleiterin Dr. Sabina Ulbricht. Es zeige, dass es eben nicht ausreiche, zum Rauchen nach draußen zu gehen. "Sich mit der Zigarette neben die offene Balkontür zu stellen, bringt wenig", sagt sie. "Die Tür muss hinter sich geschlossen werden, sonst zieht der Qualm in die Wohnung." Und dort würden sich die Rückstände sofort in den Gardinen, der Tapete oder an den Möbel festsetzen. Dagegen helfe auch kein Lüften. "Das gilt natürlich auch, wenn eine Zigarette am Fenster, nur in einem bestimmten Zimmer oder nur ausnahmsweise einmal drinnen geraucht wird", betont sie. Schon allein weil sich Kleinkinder aufgrund der engen Eltern-Bindung in den ersten Lebensjahren bevorzugt dort aufhalten, wo die Mutter und der Vater sind. Methoden, wie den Tabakdunst nicht in die Richtung des Kindes zu pusten, bringe wenig, um den Nachwuchs nicht zu gefährden.

Verengte Gefäße und anfälliger für Infektionen

"Aber es ist doch trotzdem schon mal ein gutes Ergebnis, dass 43 Prozent der Eltern es schaffen, so zu rauchen, dass bei ihren Kindern keine Belastung nachzuweisen ist", findet die Forscherin. Schließlich habe Passivrauchen schon für die Kleinen eine Reihe negativer Auswirkungen. "Ihre Gefäße verengen sich. Sie sind anfälliger für Infektionen und die Wahrscheinlichkeit, dass sie am Plötzlichen Kindstod sterben, ist deutlich höher", zählt sie auf.

"Deshalb ist ein zentrales Anliegen der Studie, effektive Mittel und Wege in der Informationsarbeit zu finden, um die Passivrauchbelastung für Kleinkinder deutlich zu reduzieren", sagt die Greifswalder Wissenschaftlerin. Aus diesem Grund seien nicht alle 922 teilnehmenden Familien, über den Kotinin-Gehalt im Urin ihres Kindes informiert worden. Nur die Hälfte habe dieses Ergebnis erfahren und habe eine Beratung erhalten, wie sie die Belastung verringern könne. Nach einem Jahr wurde wieder der Kotinin-Gehalt im Urin aller Kinder getestet. Anfang 2011 sollen die abschließenden Studienergebnisse feststehen. "Dann ist klar, ob die Belastung durch Passivrauchen bei Kindern aus den teilnehmenden Familien durch das Beratungs- und Informationsangebot tatsächlich gesenkt werden konnte", erklärt Dr. Sabina Ulbricht.

2660 Familien haben Auskünfte gegeben

Seit drei Jahren untersucht das Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Greifswalder Uni die Passivrauchbelastung bei Kleinkindern. Dazu wurden alle Familien ausgewählter Regionen in Ost- und Nordvorpommern mit mindestens einem Kind unter vier Jahren angeschrieben, heißt es in einer Pressemitteilung. Insgesamt seien 2660 Familien bereit gewesen, Auskünfte zu gesundheitsbezogenen Themen und zum Rauchverhalten zu geben. Bei 48 Prozent der Befragten lebte mindestens ein Raucher im Haushalt. Bis zum Ende des Jahres sollen alle Familien, die im Rahmen der Studie Auskunft gegeben haben, über die ersten Ergebnisse informiert werden.

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