zur Navigation springen

Anwohner fordern Geschwindigkeitskontrollen : Raserei durch Sternberger Spielstraße

vom

Seine kleinen Kinder kann er nicht auf die Straße lassen, sorgt sich Sven Parwulski. Aus Angst, dass sie unter die Räder kommen. Dabei ist hier, wie es im Volksmund heißt, eine Spielstraße.

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2011 | 05:40 Uhr

Sternberg | "Ich warte auf den Tag, wo ein schlimmer Unfall passiert", sorgt sich Sven Parwulski, Vater von zwei kleinen Kindern, der ein Haus in der Sternberger Ritterstraße gebaut hat. Jeden Morgen sieht er Kinder auf dem Schulweg mit dem Fahrrad eine kleine Gasse vom Markt kommend in seine Straße einbiegen, die als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen ist. Dort, wo eigentlich Schrittgeschwindigkeit vorgeschrieben ist, rasen einige Kraftfahrer mit dem Motorrad oder Auto entlang. Seine kleinen Kinder kann er nicht auf die Straße lassen, sorgt sich der Vater. Aus Angst, dass sie unter die Räder kommen. Dabei ist hier, wie es im Volksmund heißt, eine Spielstraße.

Am Montagmorgen treffen sich auf Initiative von Anwohner Harry Tarassow Nachbarn aus der Ritterstraße und Hinter der Kirche, um ihren Unmut gegen die zunehmende Verkehrsbelästigung deutlich zu machen: Sie fordern sofortige Geschwindigkeitskontrollen. Und wünschen sich, dass die Stadt jüngste Regelungen zur Verkehrsführung rückgängig macht. Denn seitdem der Verkehr vor dem Rathaus eingeschränkt ist, habe er in der Straße dahinter stark zugenommen.

"Sie können nicht das Wohngebiet zur Hauptstrecke machen", so Waltraut Ulrich, deren Sohn Hinter der Kirche wohnt: "Wenn ich aus dem Haus gehe, habe ich Angst überfahren zu werden."

"Es ist unerträglich geworden durch die neue Verkehrsführung", so auch Sven Parwulski. Eine Spielstraße sei zur Hauptverkehrsstraße geworden, ärgert sich Harry Tarassow. Schon seit Jahren gibt es Beschwerden auf Grund des Verkehrs, sagt er und fordert, dass die Stadt sofort etwas unternimmt. Tarassow plädiert für eine Einbahnstraßenregelung in der Ritterstraße. Nachbarn sehen das skeptisch. Wenn alle in Schritt geschwindigkeit fahren würden, wäre das in Ordnung, so Ingetraud Pfeiffer. Aber die Geschwindigkeit muss kontrolliert werden. "Es muss etwas unternommen werden", drängt Walli Romeiko. "Wie oft wäre ich schon fast überfahren worden, wäre ich nicht schnell zur Seite ausgewichen", so die Sternbergerin. Jeden Abend um sechs Uhr erleben sie und andere Anwohner beispielsweise, wie jemand mit dem Motorrad durch die Straße braust. Hannelore Holz fallen insbesondere einige Mitarbeiter von Pflegediensten auf, die zu schnell unterwegs sind. Während die Anwohner noch diskutieren, rollt ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung Sternberg mit dem Pkw vorbei. Er fährt dem Augenschein nach schneller als Schritttempo und mit zwei Rädern auf dem glatten Bürgersteig. Dort rollt es besser als über das Pflaster - aber dicht an den Eingängen der Häuser vorbei. Das hat sich eingebürgert, zeigt ein Anwohner auf die Gefahr. Harry Tarassow verweist auch auf die Lärmbelästigung, die nach Aussagen von Anwohnern schon um 2.30 Uhr in der Nacht beginnt. Solche Ruhestörungen führen zu Herzkreislauf erkrankungen, erklärt Harry Tarassow. Bedenklich sei zudem die Feinstaubbelastung.

Den Wunsch der Einwohner nach Geschwindigkeitskontrollen hält Sternbergs Bürgermeister Jochen Quandt für berechtigt. Er will das mit den für die Tempomessung Zuständigen, mit Polizei und Landkreis, bereden. Quandt sieht dabei nicht nur Ritterstraße und Hinter der Kirche, sondern auch den verkehrsberuhigten Bereich Hirtenstraße, Fischerstraße und Großer Spiegelberg. Es liege an der Undiszipliniertheit einiger Kraftfahrer, wenn nicht Schrittgeschwindigkeit gefahren wird, und das müsse kontrolliert werden, meint der Bürgermeister.

Korrekturen an der Verkehrsführung hält Quandt indes nicht für notwendig. Der Verkehr im Bereich Ritterstraße/Hinter der Kirche habe zugenommen, aber nach Eindruck des Bürgermeisters nicht drastisch. Insgesamt habe sich das Verkehrskonzept mit Tempo 30 in der Innenstadt und Einbahnstraßenregelung auf dem Marktplatz, die seit letzten Frühjahr gelten, bewährt, so der Bürgermeister gestern. Die Regelung rechts vor links drossele die Geschwindigkeit und bringe mehr Sicherheit.

Im verkehrsberuhigten Bereich sei es nicht möglich, Borde zu erhöhen oder Barrieren einzubauen, so Quandt weiter. Die Straßen müssen nicht nur für Pkw, sondern beispielsweise auch für Müllautos und Lieferfahrzeuge passierbar sein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen