Rasante Verfolgung nur die Ausnahme

Diese filmreife Verfolgungsjagd endete mit Totalschäden. Im Alltag werde die Polizei nur in Ausnahmen so eine Maßnahme ergreifen.dpa
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Diese filmreife Verfolgungsjagd endete mit Totalschäden. Im Alltag werde die Polizei nur in Ausnahmen so eine Maßnahme ergreifen.dpa

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02. April 2010, 05:27 Uhr

Prignitz | Es ist Samstag und für viele beste Krimizeit. Doch was da häufig spannend und voller Action in unsere Wohnstuben flimmert, nämlich wilde Verfolgungsjagden der Polizei, stellt sich in der Realität anders dar. Häufig kommen Fragen auf, ob der polizeiliche Einsatz gerechtfertigt war, ob bei diesen rasanten Fahrten - mitunter auch durch Wohngebiete - nicht mit dem Leben gespielt wird, sowohl der Verfolgten als auch völlig Unbeteiligter und nicht zuletzt der Polizeibeamten selbst.

So hatte gerade im Februar der Fall im Landkreis Oberhavel für Schlagzeilen gesorgt, als ein 26-jähriger Pkw-Fahrer auf der Flucht vor der Polizei in eine Hauswand raste, sich dabei aber glücklicherweise nur leicht verletzte. Für Diskussionsstoff in der Prignitz sorgte die Verfolgungsjagd Ludwigsluster Polizeibeamte am 19. März, die in Dallmin endete, weil sich ein Traktorfahrer dem flüchtenden Fahrzeug in den Weg stellte. Es endete für alle Beteiligten glimpflich.

Zu letzterem Fall kann und will sich Polizeioberrat Dr. Karl-Heinz Fittkau nicht äußern, nicht nur wegen des laufenden Verfahrens, sondern weil es sich um einen Einsatz der Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern handelt. Was die Prignitz anbelangt, so betont der Schutzbereichsleiter, "sind wir uns weitgehend einig, besser von solchen Nachfahrten, wie es polizeilich korrekt heißt, abzusehen". Eben gerade, so Fittkau, weil die Gefahren für Leib und Leben groß seien.

Völlig schließt Dr. Fittkau solche Verfolgungen bei normalen Verkehrskontrollen aus. "Die Polizei ist laut Straßenverkehrsordnung berechtigt, Bürger zu kontrollieren. Kraftfahrer müssen anhalten, auf Aufforderung aussteigen", beschreibt er die Rechtslage. Wenn dem ein Bürger nicht nachkommt, aus welchen Gründen auch immer nicht kontrolliert werden will, "dann notieren wir uns das Kennzeichen, können sofort den Namen des Halters abrufen und gegebenenfalls stehen Kollegen der zuständigen Wache schon vor seiner Haustür, wenn er dort ankommt", so Dr. Fittkau. Auf jeden Fall ziehe eine solche "Flucht" drei Punkte in Flensburg und ein Strafe von 50 Euro nach sich. "Hätte er nur 20 Euro wegen Geschwindigkeitsübertretung zahlen müssen, wäre das Anhalten bei der Kontrolle auf jeden Fall günstiger für ihn gewesen", macht der Schutzbereichsleiter eine Beispielrechnung auf.

Wie verhält es sich aber bei Polizeiaktionen nach Straftaten, beispielsweise nach einem Banküberfall?

Auch dann sei abzuwägen, welche Maßnahme am geeignetsten erscheint, "ob das, was ich an Rechtsgut schützen will, das eigene Tun rechtfertigt", betont der Schutzbereichsleiter. Jeder Streifenwagen in der Prignitz sei mit den so genannten Stop-Sticks ausgerüstet, mit denen Kraftfahrzeuge auch bei sehr hoher Geschwindigkeiten sicher zum Stillstand gebracht werden können, denn beim Überfahren bohren sich ein bis drei längsgeschlitzte Ablassventile in die Reifen und lassen die Luft schnell und vollständig entweichen.

Das sei wirksam, wenn ein Straftäter die Kontrolle durchbricht, und erübrige eine Verfolgungsjagd.

Solche Stop-Sticks werde man nicht bei normalen Verkehrskontrollen einsetzen, aber bei der Verfolgung von Bankräubern sei das schon gerechtfertigt, denn die gingen zumeist mit großer Brutalität vor, seien zudem nicht selten bewaffnet.

Überhaupt verweist Dr. Fittkau auf die heute recht gute technische Ausstattung der Polizei auch in der Prignitz, durch die es andere Möglichkeiten gebe, Täter zu stellen, als durch das Nachfahren. Aber, und damit kommt er wieder auf die ganz normale polizeiliche Kontrolle zurück, "der Bürger muss sich auch darüber im Klaren sein, dass sein Ignorieren einer solchen Aufforderung zum Halten "zum polizeilichen Nachdenken führt."

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