Randalierer am Klettergerüst

Mehrmals wieder aufgebaut und immer wieder abgebrannt: Jetzt haben die städtischen Spielplatzwächter die ehemalige Jugendhütte in der Ostseeallee ganz weggerissen. Immer wieder zerstören Randalierer Spielgeräte im Stadtgebiet. Das hat 2008 rund 14 000 Euro gekostet. Niemand erwischt die Täter und vorbeugen scheint unmöglich.

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22. April 2009, 07:52 Uhr

Rostock | Trostlos, beschmiert und verdreckt liegt der Lütten Kleiner Bolzplatz in der Ostseeallee Ecke Binzerstraße - eingebettet in ein Wäldchen. "Eigentlich der ideale Platz für Kinder und Jugendliche", sagt Hans Jahncke. Der 68-Jährige besitzt einen Kleingarten ganz in der Nähe. Er findet es schade, dass die ehemalige Jugendhütte hier mittlerweile ganz verschwunden ist.

"Wir haben sie mehrfach abgebrannt vorgefunden", berichtet Christine Kursawe, Teamleiterin vom Spielplatzservice. Die Täter haben die elf Wächter und die Polizei nie gefunden. Der Wiederaufbau der Hütte ist erst einmal gestrichen. "Uns blieb nur noch der Abriss", sagt Kursawe.

Abgesägte Schaukelbeine für das Lagerfeuer245 öffentliche Spiellandschaften hält Rostocks Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege in Schuss. 115 000 Euro stehen 2009 für Reparaturen und Erneuerungen zur Verfügung. Dabei geht es vor allem um die Sicherheit der Anlagen. Durch Gebrauch und Alterung verschleißen die Spielgeräte. Hinzu kommt der Vandalismus. Die unsinnige Zerstörungswut hat die Hansestadt im vergangenen Jahr knapp 14 000 Euro gekostet.

Beschmierte Hinweisschilder, Buddelkisten mit Glasscherben, verdreckte Parkbänke und zerstörte Klettergerüste zählen zu den häufigsten Bildern, die sich den Kontrolleuren bei ihren Rundgängen bieten. Kursawe vermutet, dass die Täter sogar Werkzeug wie Sägen und Messer mitbringen und gezielt Schaden anrichten. "Sie benutzen Holzkonstruktionen zum Feuer machen oder zünden Mülleimer an", erzählt sie.

Alle größeren Vandalismusschäden bringen die Spielplatz-Ordner zur Anzeige. Doch die Aufklärung sei gleich Null, erklärt Kursawe. Die Versicherungen erstatten zwar einen Teil der Schadenssumme, doch die Hauptkosten blieben bei der Hansestadt hängen. "Vandalismus vorbeugen ist kaum möglich", sagt Kursawe aus eigener Erfahrung. Die Mitarbeiter versuchen teure, schlecht abzumontierende Befestigungen zu verbauen und greifen immer häufiger zu Metall statt zum Naturbaustoff Holz. Aber viel helfe das nicht, sagt sie.

Bei diesen Aussichten überlegen die Spielplatzwächter immer häufiger, ob eine Erneuerung überhaupt noch Sinn macht. So bleibt der Standort der ehemaligen Jugendhütte in der Ostseeallee künftig erst einmal eine kahle Stelle. Zu oft hat Kursawes Mannschaft Zeit und Geld in den Wiederaufbau des überdachten Treffpunkts am Bolzplatz gesteckt.

Immer weniger Kletterplätze"In der Vergangenheit haben wir jährlich zwei bis drei Spielplätze zurückgebaut", sagt die Stadtbeauftragte. Immer dort, wo die Zerstörungswut zu stark um sich gegriffen hat oder an Stellen, an denen zu wenige Kinder an den Geräten gespielt haben. Solche Daten sammelt sie auf ihren Rundgängen, in Gesprächen mit Kinderortsbeiräten und Vereinen oder durch direkten Elternkontakt.

Gegen die Wiedererrichtung der Jugendhütte in Lütten Klein spricht wohl der abgeschiedene Ort. "Obwohl das hier eigentlich die ideale Stelle für Kinder zum Spielen ist", sagt Kleingärtner Jahncke. Hier störe auch der Lärm nicht so sehr.

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