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Radfahrer in Bützow vermissen genügend Radwege : "Radfahrer haben keine große Lobby"

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Einen Blumentopf gewinnen kann Bützow mit seinen Fahrradwegen nicht. "Ich fahr meist auf Gehwegen, weil es da glatter ist.", sagt der 74-jährige Bützower Jürgen Pankow.

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erstellt am 07.Apr.2011 | 08:49 Uhr

Bützow | Einen Blumentopf gewinnen kann Bützow mit seinen Fahrradwegen nicht. Das wird schnell deutlich, wenn man Fahrradfahrer nach ihrer Meinung befragt. "Ich fahr meist auf Gehwegen, weil es da glatter ist. Das Kopfsteinpflaster ist für meinen Wirbelbruch nichts. Da hab ich dann gleich wieder Schmerzen", sagt der 74-jährige Bützower Jürgen Pankow.

"Die Radwege sind in der Stadt bescheiden", schätzt auch Eckhard Stelley (61) ein. Dabei radelt der Rühner gern und in ein paar Tagen wird der Drahtesel wieder hervorgeholt, so viel steht für ihn fest. "Die Ausfallstraße und die Gartenstraße gehen noch, aber in der Innenstadt fährt sichs gar nicht gut", so Stelley. Froh sei er über den neuen Radweg von Pustohl nach Bützow. "Da fahren täglich viele lang, manche auch mit vollen Einkaufstaschen am Fahrrad, das ist da kein Problem", meint der sportlich aktive Mann, der im Sommer an den Wochenenden mit seiner Frau gern auch mal eine längere Fahrradtour unternimmt. "Die beste Strecke ist der neue Radweg Güstrow-Bützow am Kanal entlang", findet er. Der Weg beginnt in Wolken. "Man kann gleich hinter der Brücke bei Wolken reinfahren und dann weiter zum Kanal", so Stelley.

Wer ansonsten in der Umgebung von Bützow zur Erholung radeln will, dem könne man die rund 15 Kilometer lange Strecke Rühn - Bützow - Steinhagen - Hof Rühn - Richtung Katelbogen empfehlen, sagt er. Man fahre dort auf einem asphaltierten Wirtschaftsweg. Fahren lässt sich auch die Strecke Rühn - Baumgarten - Wendorf - Qualitz - Jabelitz - Schlemmin - Steinhagen, meint Eckhard Stelley. "Das ist aber alles Straße, da gibt es leider keine Radwege." Mecklenburg-Vorpommern sei zwar ein Urlaubsland, aber ausgebaute Radstrecken gebe es in unserer Region zu wenig. Oder sie seien "lückenhaft", so Stelley.

Für sichere Fahrradwege zu sorgen sei auch angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung in Bützow und Umgebung ein wichtiges "langfristiges Entwicklungsziel", hatte unlängst der Bauausschuss der Stadtvertretersitzung betont. Darüber hinaus gehe es um die Vernetzung mit regionalen und überregionalen Radwegen.

Über die Richtung, die eingeschlagen werden soll, besteht also Einigkeit. Trotzdem scheint die Stadt von einem Sprung nach vorne in dieser Hinsicht weit entfernt. Und dies nicht nur aus finanziellen Gründen. "Bei vielen Straßen, wo wir uns einen Radweg wünschen, ist die Stadt kein Baulastträger", das heißt, Kreis oder Land sind dafür zuständig. Und für so manches finde man keine Mehrheit. "Die Radfahrer haben eben keine so große Lobby wie die Autofahrer", schätzt Dr. Mathias Wolschon (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses der Stadtvertretung, ein.

Wenn auch Ende der 1990er-Jahre von der Stadtvertretung schon mal ein Radwegeplan beschlossen worden war und seit sechs Jahren versucht wird, diesen immer wieder zu aktualisieren, so "hängt doch alles etwas in der Luft". Deshalb habe sich jetzt der Bauausschuss erneut des Themas angenommen und ein Positionspapier erarbeitet, das bei künftigen Verwaltungsentscheidungen berücksichtigt werden soll. So werde bei der Neugestaltung der Straße vor dem Rühner Tor in Bützow auch der Bau eines Radweges gefordert, ebenso der Anschluss des Weges der Wallanlagen. Als einen Erfolg wertet Wolschon, dass an der neu gestalteten Kreuzung am Aalfang ein Radweg mit gebaut wird.

Er fahre selbst viel Fahrrad, und auch ihm gefalle es nicht, dass man an der Schloßstraße und einem Teil der Langen Straße über Kopfsteinpflaster hoppeln müsse. "Aber erst wenn das Problem mit der Rühner Straße gelöst ist, können wir auch an die Neugestaltung der Schloßstraße denken."

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