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Rabattstreit: Insulin in zahlreichen Apotheken knapp

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erstellt am 10.Sep.2010 | 07:46 Uhr

Schwerin/Mainz | Für Diabetiker eine bedrohliche Situation: Seit etwa zwei Wochen ist Insulin eines bestimmten Herstellers in den deutschen Apotheken Mangelware, wegen Streitigkeiten zwischen dem Hersteller und mehreren Großhändlern. "Das verursacht eine große Aufregung", sagte gestern Thomas Müller, Apotheker bei Ribnitz-Damgarten und Mitglied im Vorstand des Apothekerverbands Mecklenburg-Vorpommern. "Vor etwa zwei Wochen sind die Lieferzeiten massiv gestiegen"; statt einiger Stunden habe es plötzlich bis zu fünf Tage gedauert, bis bestellte Insulin-Dosen in den Apotheken eingetroffen seien. "Da gerät man als Apotheker schon ins Schwitzen", sagte Müller. Mehre Apotheken hätten sich von anderen aushelfen lassen müssen.

Vordergründig waren die Engpässe ein logistisches Problem: Die rund 21500 deutschen Apotheken, darunter über 400 in MV, beziehen Insulin des Herstellers Novo Nordisk aus Mainz normalerweise über verschiedene Großhändler. In den vergangenen Wochen mussten sie direkt beim Hersteller ordern- "und darauf ist Novo nicht eingerichtet", sagte Müller. "Die Telefone waren total überlastet; außerdem hat so eine Firma auch keine x Kühlwagen."

Verursacht hat den Engpass offenbar Novo Nordisk selbst. Wie Sprecherin Christiane Häuser erklärte, hatte die Firma zum 1. August das Skonto für die Großhändler herabgesetzt. Man habe sich nach gesundheitspolitischen Veränderungen dazu gezwungen gefühlt, sagte sie. Die Händler hätten aber weiter Insulin zu den alten Konditionen bestellt - was Novo nicht akzeptierte.

Müller hat dafür wenig Verständnis. "Die Hersteller haben die Einbußen, die das Arzneimittel-Neuordnungsgesetz ihnen beschert, einfach nach unten weiter gegeben", schimpfte er. Auch aus anderen Gründen seien Arzneimittel schon knapp geworden, aber nicht in dem Ausmaß. "Auf den Patienten wird nicht geachtet. Das ärgert mich gewaltig." Wie Novo Nordisk mitteilte, ist mit den meisten Großhändlern inzwischen aber eine Einigung erzielt worden. Mitte kommender Woche soll wieder der Normalzustand herrschen.

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