Quälende Enge im Tierheim

Ängstliche Blicke  und enges Beieinanderliegen: Die Süßen werden erst wieder nach einer langen Zeit Vertrauen zu Menschen fassen.
Ängstliche Blicke und enges Beieinanderliegen: Die Süßen werden erst wieder nach einer langen Zeit Vertrauen zu Menschen fassen.

Sie sind so süß, so knuddelig - und so arm dran. Zwölf Wochen alte Katzenbabys hat die Tierheim-Crew gestern auf dem Gelände in Schlage gefunden. Die ausgesetzten Tiere waren in Säcke eingepackt. Sie werden jetzt hochgepäppelt. Aber im Tierheim herrscht quälende Enge.

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11. August 2009, 09:03 Uhr

Schlage | Norbert Schlösser ist entsetzt. Der Projektleiter im Tierheim Schlage und seine Mitarbeiter haben gestern erneut zwölf Wochen alte Kätzchen gefunden, die auf ihrem Gelände ausgesetzt wurden. "Sie waren in zwei Foliensäcken eingepackt", sagt Schlösser.

Gegen vier Uhr in der Früh soll sich die Tragödie abgespielt haben. "Die Hunde haben wie verrückt gebellt", schildert Schlösser. Eine Nachbarin habe beobachtet, wie die Besitzer der Katzenbabys einfach so davonfuhren.

Dieses Aussetzen von Tieren in Schlage ist kein Einzelfall mehr. Im Gegenteil. In den vergangenen zwei Wochen mussten die Pfleger auffallend häufig ausgesetzte Katzen- und Hundekinder aufnehmen und hochpäppeln. Erst am Freitagmorgen fanden sie fünf niedliche kleine Stubentiger vor ihrer Heimtür.

"Sie wurden total verdreckt in einem Karton abgestellt", sagt Schlösser. "Und sie waren so nass, als ob man sie ertränken wollte", schildert er und fügt hinzu: "Wir vermuten zudem, dass sie schon im Graben gelegen haben, weil sie so dreckig waren." Einige Tage zuvor wurden ebenfalls schon zwei Hundebabys und wiederum Katzenbabys abgegeben. In seinen Augen eigentlich auch kein Wunder. "Wir nehmen an, dass es mit der Ferienzeit und der Wirtschaftskrise zusammenhängt, dass die Tiere ausgesetzt werden", erklärt er. Doch so eine dramatische Lage wie in diesem Jahr hat er noch nicht erlebt. Tiere würden immer öfter einfach irgendwo im Wohlstandsmüll abgestellt. "So langsam zweifele ich wirklich am gesunden Menschenverstand", sagt Schlösser wütend. Die Situation wird auch für seine Kollegen immer schwieriger. In Schlage arbeiten drei Festangestellte, zwei Jugendliche, die ein freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren, und zwei Praktikantinnen. Sie sowie viele ehrenamtliche Helfer kümmern sich derzeit um insgesamt 320 Tiere. "Wenn wir alle naselang solche Notfälle bekommen, kann das schnell zum Kollaps führen", erläutert der Projektleiter. Viele Mitarbeiter würden fast jeden Abend schon die Babys mit nach Hause nehmen und sie dort versorgen. Zudem kommen nicht einkalkulierte Kosten auf das Heim zu: Die Neuankömmlinge brauchen Futter, müssen entwurmt und entfloht werden.

Obwohl sich die Pfleger liebevoll um die süßen Kleinen kümmern, dauert es Jahre, bis sie wieder Vertrauen zu einem Menschen fassen können. "Sie sind ein Leben lang von dem Aussetzen geprägt", erläutert Schlösser. Sobald sie wieder Gefahr spüren, gehen sie in eine Abwehrhaltung.

Der Einrichtung ist es wichtig, dass die kleinen Racker eine Familie oder eine Person finden, die sich auf eine richtige Beziehung zu ihnen einlassen.

Kontakt: 038208/357

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