Halbnackt auf der Flasche: Bier aus Sachsen sorgt für Aufregung : Pücklers Muse auf einem Bieretikett

Getränkehändler Günter Eckert zeigt  in seinem Geschäft in Cottbus eine Flasche der Marke 'Machbuba Sklavin und Fürst', auf deren Etikett eine barbusige Frau zu sehen ist. dapd
Getränkehändler Günter Eckert zeigt in seinem Geschäft in Cottbus eine Flasche der Marke "Machbuba Sklavin und Fürst", auf deren Etikett eine barbusige Frau zu sehen ist. dapd

Nicht weit entfernt vom Erbe des grünen Gartenfürsten, Weltenbummlers und Literaten Hermann Fürst von Pückler-Muskau im Schloss und Park Branitz herrscht nach einem Bier mit umstrittenem Etikett große Nachfrage.

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18. August 2011, 07:09 Uhr

Cottbus | Die Ladenglocke in der Branitzer Geschenkeboutique bimmelt ununterbrochen. Nur einen Steinwurf entfernt vom großen Erbe des grünen Gartenfürsten, Weltenbummlers und Literaten Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871) im Schloss und Park Branitz herrscht nach einem Bier mit umstrittenem Etikett große Nachfrage. "Haben Sie denn noch Machbuba-Bier?", fragt eine Blondine an der Ladentheke. Mit dem neuen Gerstensaft will sie ihrem Gatten eine Freude machen.

Während die einen aus Neugier, Bierdurst oder Sammelleidenschaft zu den Flaschen mit dem Konterfei von Pücklers halbnackter Muse greifen, finden andere das Etikett auf der neuen Biersorte obszön und anstößig: "Machbuba - Sklavin & Fürst - Das Bier einer großen Liebe" prangt da. Nach der umstrittenen Aufführung von "Fürst Pücklers Utopia" im Staatstheater Cottbus, wo viele Nackte auf der Bühne gezeigt wurden, spaltet jetzt das neue Bier die fürstliche Gemeinschaft zwischen Branitz und dem sächsischen Bad Muskau.

"Mich hat das blanke Entsetzen gepackt", schrieb die Vorsitzende des Vereins "Fürst Pückler in Branitz", Heidemarie Konzack, an den Bierschöpfer. Bei aller Geschäftstätigkeit sollten die Normen des Anstands beachtet werden, warnte sie den Unternehmer des Branitzer Familienbetriebes Günter Eckert vor einem weiteren Vertrieb des neuen Biers.

"Ich darf Sie bitten, den Bezug auf den Namen Pückler bei Ihren diversen Getränken zu unterlassen", schäumte der Münchner Unternehmer und Urgroßneffe des berühmten Fürsten, Hermann Graf von Pückler. "Wir schützen den Namen Pückler vor unadäquatem Gebrauch, der hier vorliegt", teilte der Pückler-Nachfahre dem Branitzer Getränkehändler mit. Auch der Direktor der Stiftung Fürst-Pückler-Park und Schloss Branitz, Gert Streidt, zeigte sich entsetzt. Das werde dem Anspruch Pücklers, den er an sich und die Vermarktung seiner Marke stellte, nicht gerecht.

Im sächsischen Bad Muskau, wo sich das Grab des auf dem Bieretikett abgebildeten Sklavenmädchens "Machbuba" befindet, regt sich ebenfalls Widerstand. "Das neue Bier ist eine Beleidigung für den Fürsten", hieß es da aus dem Stiftungsvorstand. Kurzerhand verbot man dem Souvenirhändler am Pückler-Park, das neue Bier zu verkaufen. Auch der bei Gästen sehr beliebte Likör "Hermanns Liebestropfen" musste in diesem Zusammenhang jetzt in "Hermanns Gartenwasser" umbenannt werden. "Ich verstehe die ganze Aufregung nicht", sagt Erfinder Günter Eckert. "Die barbusige ,Machbuba, die Fürst Pückler 1837 als 14-jähriges Mädchen auf einem Sklavenmarkt in Kairo gekauft und mit auf sein sächsisches Schloss in Bad Muskau gebracht hat, ist für mich kein Stein des Anstoßes", sagt der 55-jährige Getränkehändler. Auch das englische Königshaus verkaufe Andenken aller Art, an denen sich niemand stören würde. Das 1995 zur Bundesgartenschau in Cottbus kreierte "Fürst Pückler"-Pilsner sei außerdem bis heute eine gestandene Marke, argumentiert Eckert.

Allen Unkenrufen und Einwürfen zum Trotz ist das in einer kleinen sächsischen Brauerei hergestellte obergärige Bier in gängigen 0,33 Liter-Flaschen ein Renner unter den rund 80 Biersorten in der Branitzer Geschenkeboutique geworden. "Dreierpacks im hölzernen Geschenkekarton oder sogar ein Bierhocker mit sechs ,Machbuba-Flaschen sind gegenwärtig unsere besonderen Attraktionen für die Touristen", sagt der Getränkehändler. Auch der Cottbuser Theaterintendant Martin Schüler habe schon eine Kostprobe erhalten. An seinem Theater haben im vergangenen Jahr fast 5000 Besucher die nahezu ausverkaufte Aufführung von "Fürst Pücklers Utopia" gesehen, bei der kleinwüchsige Menschen, Striptease- und Bauchtänzerinnen sowie Feuerspucker und ein lebendiges Äffchen auftraten. Besonders die Striptease-Einlagen auf der Bühne hatten Theaterfans erbost. "Wenn die Leute über etwas reden, wird es wie bei unserem viel diskutierten Theaterstück bekannt", sagt Schüler.

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