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Zahl gemeldeter Gewalttaten dreimal so hoch wie 2002 : Prügelnde Ehemänner häufiger angezeigt

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In MV ist die Zahl angezeigter Gewalttaten gegen Ehefrauen oder die Lebenspartnerinnen deutlich gestiegen. Registrierte die Polizei im Jahre 2002 noch 555 Einsätze gegen häusliche Gewalt, so waren es 2009 1717 Einsätze.

Schwerin | In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl angezeigter Gewalttaten gegen Ehefrauen oder die Lebenspartnerinnen deutlich gestiegen. Registrierte die Polizei im Jahre 2002 noch 555 Einsätze gegen häusliche Gewalt, so waren es 2004 bereits 954 und 2009 insgesamt 1717 Einsätze. Das geht aus einem Bericht der Parlamentarischen Staatssekretärin für Frauen und Gleichstellung, Margret Seemann (SPD), an den Landtag hervor. Weiter heißt es in der Studie, die unserer Redaktion vorliegt: "Ein solches Wachstum ist eindrucksvoll genug, gewinnt aber noch mehr an Gewicht, wenn man sich vor Augen hält, dass die Zahl der Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren von 2004 bis 2008 um mehr als 21 000 oder 9,2 Prozent gesunken ist."

Auch im Vergleich mit anderen Bundesländern nimmt Mecklenburg-Vorpommern bei der Zahl gemeldeter Übergriffe in den eigenen vier Wänden einen traurigen Spitzenplatz ein. Auf 100 000 Einwohner gerechnet, gab es 2009 im Nordosten 804 registrierte Prügelattacken auf Frauen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren, in Thüringen waren es 768 und in Schleswig-Holstein 667 Fälle.

In Frauenhäuser suchten 2009 insgesamt 1850 Opfer von häuslicher Gewalt Schutz. Davon wurden 647 Frauen stationär und 1203 ambulant betreut. Das Beratungs- und Hilfenetz nahmen landesweit 7170 Opfer in Anspruch. 2006 waren es noch 3814.

Zunehmend würden sehr junge Frauen im Alter von 18 und 19 Jahren mit Kindern die Frauenhäuser aufsuchen, heißt es im Bericht weiter. Die Opfer kämen aus allen sozialen Schichten. Frauen mit niederem Einkommen seien allerdings häufiger vertreten und eher auf Hilfe angewiesen.

Beratung fanden im selben Zeitraum auch 211 prügelnde Männer. Etwa ein Drittel sind laut Bericht Wiederholungstäter. Häufig spiele bei den Taten Alkohol eine Rolle. In den Beratungsstellen sei auch über Gewalttaten von Söhnen gegenüber Müttern und in gleichgeschlechtlichen Beziehungen berichtet worden.

Den rasanten Anstieg der Fallzahlen erklärt die Gleichstellungsbeauftragte Margret Seemann mit einem veränderten Anzeigeverhalten. "Durch die gute Aufklärungsarbeit der letzten Jahre ist das Thema häusliche und sexualisierte Gewalt immer weiter enttabuisiert worden, wodurch sich immer mehr Opfer trauen, Hilfe und polizeilichen Schutz in Anspruch zu nehmen", sagte die SPD-Politikerin. Gleichzeitig würde die Bevölkerung sensibilisiert und bei Gewalt nicht mehr wegsehen, sondern die Polizei rufen. Dennoch sei die Dunkelziffer hoch. "Viele Opfer verschweigen noch immer ihr Schicksal - aus Scham, aus Angst, aus Unkenntnis über ihre Rechte und die Hilfsangebote", sagte Margret Seemann.

Zum Hilfenetz für Opfer häuslicher Gewalt gehören in Mecklenburg-Vorpommern unter anderem neun Frauenhäuser, acht Beratungsstellen für Opfer häuslicher Gewalt, eine Fachberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution, fünf Interventionsstellen sowie zwei Täterberatungsstellen.

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erstellt am 07.Jun.2011 | 07:54 Uhr

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