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Lokales

20. Oktober 2017 | 23:48 Uhr

Prothesen auf Spargelfeld getestet

vom

svz.de von
erstellt am 22.Jun.2011 | 05:46 Uhr

Calau | Patienten mit Gelenkprothesen müssen eine Menge aushalten. Aber auch die künstlichen Hüften, Schultern und Knien selbst werden stark beansprucht. Wie stark genau, das untersuchen Mitarbeiter der Berliner Charité, unter anderem bei der Feldarbeit.

Mit künstlichen Gelenken Spargel stechen: Die Auswirkung dieser körperlich schweren Arbeit auf Prothesen von zwei Männern sind jetzt im Süden Brandenburgs untersucht worden. Zu den Messungen an den Gelenkprothesen sind Mitarbeiter des Julius Wolff Instituts der Berliner Charité zum Spargelhof in Kalkwitz bei Calau im Landkreis Oberspreewald-Lausitz gekommen.

Inhaber des dortigen Spargelhofes ist der 62 Jahre alte Horst Radochla, dem Mediziner der Charité zwei künstliche Hüftgelenke eingesetzt hatten. Die zweite Testperson, der 76-jährige Gisbert Schulze aus dem nahen Großräschen, trägt ein künstliches Schultergelenk. Beide Männer gehören zu einem langjährigen Projekt der Charité, an dem bisher 13 Patienten mit Gelenkprothesen teilnehmen. Während sich die beiden Senioren auf dem Feld bücken und die Spargelstangen aus dem Boden holten, schicken eingebaute Mikrochips Daten aus den künstlichen Gelenken an einen Rechner. Dasselbe geschah etwas später, als die zwei Männer in einer Halle den Spargel reinigen, sortieren und in Kisten verpacken.

"Das Magnetfeld für die Datenübertragung wird in einer Induktionsspule erzeugt, den beide Männer am Oberschenkel tragen", erläutert Philipp Damm, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Julius Wolff Instituts für Biomechanik und Muskuloskelettale Regeneration an der Charité. Er betreut mit seinen Kollegen die Messungen. "Wir befestigen die Spule am Bein, und erst dann fließt Strom für die Messung", bemerkt der Ingenieur. Die Spule ist per Kabel mit einem kleinen Rechner verbunden, der die Daten auf einem digitalen Videoband speichert. Die Auswertung dauert zwei bis drei Wochen.

"Nur diese beiden Patienten beobachten wir mit unseren Geräten bei der Feldarbeit, weil Herr Radochla uns dazu eingeladen hatte", erläutert Damm. Ansonsten umfassten die Untersuchungen an den Patienten das Verhalten der künstlichen Gelenke beim Sport oder bei solchen alltäglichen Aktivitäten wie Gehen und Treppensteigen.

Wie Radochla erzählt, erhielt er seine beiden künstlichen Hüftgelenke mit der eingebauten Elektronik vor zwei und vor einem Jahr. "Ich sagte diesem Test unter einer Bedingung zu: Dass ich nicht über Satellit geortet werden will, damit meine Frau nicht immer weiß, wo ich bin", so der 62-Jährige lachend. Erste Messungen habe es bereits während seiner Operation und der anschließenden Rehabilitation gegeben. Die Testreihe dauere bei ihm sechs Jahre.

Mit Hilfe der gewonnenen Messergebnisse können die Konstrukteure bessere Gelenkprothesen entwickeln. Die Physiotherapeuten erhalten wichtige Hinweise, welche Bewegungen für den Patienten zum Muskelaufbau gut sind und welche er lieber unterlassen sollte. Die Ärzte wiederum verstehen mit Hilfe der Patientendaten besser, welche Folgen bestimmte Bewegungen auf das Einwachsen der Prothesen haben.

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