Protest trotz Schwarzdecke

In den Bau der Ortsumgehung von Kuhbier und die Verbesserung der Ortsdurchfahrt scheint Bewegung zu kommen. Die Einwohner sind dennoch mit ihrer Geduld am Ende und wollen den Druck auf die Verantwortlichen erhöhen.

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09. September 2009, 10:26 Uhr

Kuhbier | Zahlreiche Einwohner von Kuhbier waren vorgestern Abend der Einladung des Ortsbeirates zu einer weiteren Einwohnerversammlung gefolgt, die erneut das Thema Ortsdurchfahrt und Ortsumgehung behandelte. Gleich zu Beginn kündigte Ortsvorsteher Kurt Essel an, man werde sich die stetige Lärmbelastung und die Schäden an Häusern und Grundstücken nicht länger gefallen lassen.

Riesiges Verkehrsaufkommen
An die Adresse des Landkreises, vertreten durch Landrat Hans Lange und Jürgen Nüsse vom Verkehrsamt, richtete sich vor allem die Kritik, die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h für die Ortsdurchfahrt abgelehnt zu haben. Sie gilt bislang nur für Lkw. Vor einigen Wochen gab es eine Verkehrszählung und Lärmmessung in Kuhbier. Demnach passieren pro Tag etwa 500 Lkw den Ort sowie pro Stunde im Schnitt 407 Pkw.

Dabei gibt es Schallpegel von etwa 75 Dezibel am Tage und 65 Dezibel in der Nacht. Einwohner beklagten Risse am Mauerwerk der Häuser, Grundstücke sind durch die Absenkung der Fahrbahn mit dem Fahrzeug kaum noch zu erreichen. Hinsichtlich eines Tempolimits könne der Landkreis nicht anders handeln, weil für eine Beschränkung die Rechtsgrundlage fehle, so Landrat Lange. Und an der Straße selbst könne der Landkreis nicht Hand anlegen, weil ihm die Straße nicht gehöre und ein ins Auge gefasster vorfristiger Ausbau als Kreisstraße rechtlich nicht machbar sei.

Tempomessanlage wird installiert

Angenommen wurde von den Kuhbierern das Angebot einer Geschwindigkeitsmessanlage. Sie wird den Kraftfahrern signalisieren, ob sie zu schnell sind oder nicht. Etwa 18 000 Euro wird das Landesamt für Straßenwesen für die Anlage zur Verfügung stellen. Sie soll in beiden Richtungen messen, informierte der Groß Pankower Bauamtsleiter Halldor Lugowski.

Darüber hinaus teilte Lugowski mit, dass am 21. September das Planfeststellungsverfahren für die Ortsumgehung Kuhbier beginne. Der Trassenverlauf sei festlegt, die Planung abgeschlossen. "Allerdings kann sich ein Ausbau noch hinziehen. Zuerst muss nach der öffentlichen Auslegung der Grunderwerb vollzogen werden, dann folgt die Ausführungsplanung. Das bedeutet, dass der Baubeginn noch mindestens ein Jahr entfernt ist. Die Arbeiten am Abschnitt zwischen Kuhbier und Pritzwalk werden etwa zwei Jahre in Anspruch nehmen", so Lugowski.

Um die Lärmbelästigung und die Erschütterungen kurzfristig zu minimieren, soll die Ortsdurchfahrt mit einer Asphaltdecke überzogen werden. "Ich bin bereit, diese Forderung als Zwischenlösung zu unterstützen und stufe das ganze als Unterhaltungsmaßnahme ein. Wir als Landkreis würden in der Perspektive nur eine erneuerte Ortsdurchfahrt Kuhbier als Kreisstraße übernehmen, das heißt eine Schwarzdecke lindert zwar das Problem, ist aber keine Lösung", stellte Lange klar.

Unmut machte sich bei den Kuhbierern breit, als sie aus den Planungsunterlagen entnehmen mussten, dass der Ort selbst nicht an die Ortsumgehung angebunden wird. Das heißt, wer perspektivisch von Kuhbier nach Pritzwalk will, muss auch nach dem Ausbau die alte B 189 benutzen, wer nach Perleberg möchte, muss künftig die alte B 189 bis Groß Pankow nutzen. "In Kreuzburg und Retzin, Dannhof und Wolfshagen gibt es Anbindungen und Kreuzungen an der B 189. Nur wir werden wieder abgeschnitten, obwohl die Strecke nicht mehr als Schnellstraße ausgebaut wird", kritisierten die Einwohner.

Morgendliche Demo auf der Ortsdurchfahrt Andere rechnen mit Erpressung durch das Landesamt für Straßenwesen beim Grunderwerb. "Wenn wir nicht zum geforderten Preis unser Land verkaufen, wird die Ortsumgehung nicht gebaut und wir sind dann die Schuldigen", sagte Bernd Schneider aus Kuhbier.

Ungeachtet dessen wolle man den Protest in Kuhbier organisieren. "Wir werden eine Demo anmelden und die auf der Ortsdurchfahrt ab 7 Uhr im Berufsverkehr durchführen, damit auch die Mitarbeiter der Verwaltungen das spüren", kündigte Kurt Essel an und erhielt breite Zustimmung der anwesenden Einwohner.

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