Protest-Prominenz bleibt Lubmin fern

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16. Dezember 2010, 08:56 Uhr

Lubmin | Während sich Anfang November beim Castor-Transport nach Gorleben Veranstalter und Polizei stritten, ob es nun 50 000 Demonstranten (Angaben der Veranstalter) oder nur 20 000 (Angaben der Polizei) waren, sind die Organisatoren der Lubminer Proteste schon mit mehreren hundert Demonstranten zufrieden - vorpommersche Bescheidenheit. Besonders auffällig wirkte die Abwesenheit bundespolitischer Prominenz, insbesondere aufseiten der Grünen als ausgewiesene Gegner der Atomkraft. Sprecher von Fraktion und Partei verwiesen darauf, dass in dieser Woche gewichtige Themen wie Bundeswehrreform oder Hartz-IV-Änderungen auf der Berliner Agenda standen. Da sei die Anwesenheit der bundesweit bekannten Protagonisten erforderlich.

Zudem weile Co-Parteichef Cem Özdemir bereits im Urlaub, berichtete ein Parteisprecher: Möglicherweise irgendwo, wo es ein wenig wärmer und freundlicher ist, als bei minus fünf Grad, Schnee und schneidendem Wind an der Bahnstrecke zwischen Greifswald und dem Zwischenlager in Lubmin.

Die Protestflaute liegt nach Expertensicht an der fehlenden Verwurzelung der Anti-Atom-Bewegung in Mecklenburg-Vorpommern begründet. Die geringe Zahl der Aktionen sei nicht allein auf den kalten Winter zurückzuführen, sagte der Berliner Protestforscher Dieter Ruch. Die Anti-Atom-Bewegung sei in Vorpommern nicht so stark verankert wie in der Region um Gorleben. Im Gegensatz zu diesem langjährigen Fixpunkt der Kernkraftgegner im Wendland gebe es in Lubmin keine gewachsenen Protest-Strukturen. In der DDR habe es keine nationale Atom-Debatte gegeben. Lediglich kleinere Gruppen von Kernkraftgegnern seien aktiv gewesen, hätten öffentlich aber nicht auftreten können. Unter solch repressiven Bedingungen hätten sich Widerstand und auch die Idee zivilen Ungehorsams naturgemäß nicht entwickeln können, sagte Rucht.

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