Protest gegen Standort-Pläne

Gleich hinter dem Zaun der  Kita Kinderland soll nach Plänen der Verwaltung die Wohnungslosenunterkunft entstehen. Klawitter
Gleich hinter dem Zaun der Kita Kinderland soll nach Plänen der Verwaltung die Wohnungslosenunterkunft entstehen. Klawitter

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07. April 2010, 10:16 Uhr

Grosser Dreesch | Der Vorschlag der Stadtverwaltung, die Schweriner Wohnungslosenunterkunft weiterhin in der Anne-Frank-Straße zu belassen, stößt auf dem Großen Dreesch auf Proteste und Empörung. In der DRK-Kita "Kinderland" sammelte der Elternbeirat bereits Unterschriften gegen den geplanten Umzug des Obdachlosenheims ins benachbarte Gebäude. Fast alle Eltern der 240 dort betreuten Kinder setzten ihren Namen unter einen Brief an den Sozialdezernenten.

Es sei ihm durchaus bewusst, dass es Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen gibt und diese zum Stadtbild gehören, erklärt Beirats-Vorsitzender Jens Buhl in seinem Schreiben. Seit vielen Jahren habe die Nähe der Wohnungslosenunterkunft aber schon zu brenzligen Situationen geführt: "So kommt es oft vor, dass unsere Kinder betrunkene, laut schreiende und sich prügelnde Männer und Frauen erleben müssen. Außerdem erledigen die Wohnungslosen auf rücksichtslose Art und Weise ihre Notdurft auf dem Gehweg. Selbst als Eltern fehlen uns oft die Worte, das Gesehene zu verarbeiten, geschweige denn, es unseren Kindern zu erklären." Seine konkrete Forderung: "Das Umfeld prägt die Entwicklung unserer Kinder. Wir sind gegen den Umbau der Anne-Frank-Straße 31 in die Schweriner Wohnungslosenunterkunft."

Die Mieter im Hochhaus nebenan machten ihrem Zorn auf der Ortsbeiratssitzung Luft. "Wir haben viele Jahre mit den Obdachlosen gelebt, jetzt ist mal ein anderer Stadtteil dran", brachte es eine Einwohnerin auf den Punkt. Ortsbeiratsvorsitzender Stev Oetinger (FDP) empörte sich vor allem über das Vorgehen der Verwaltung: "Wir wurden vorab weder gefragt noch eingebunden in den Suchprozess und bekommen jetzt nur den Vorschlag zur Abstimmung auf den Tisch. Ich empfinde das als zutiefst undemokratisch." Außerdem sei der Ortsbeirat Mieter im betroffenen Gebäude in der Anne-Frank-Straße 31, ebenso wie der Islamische Bund, der dort eine Moschee hat. Beide seien noch nicht von der Verwaltung informiert worden.

Von den Plänen der Stadtverwaltung erfuhren die meisten Dreesch-Bewohner erst aus der SVZ. Sozialdezernent Dieter Niesen hatte vergangene Woche die Ergebnisse einer verwaltungsinternen Prüfung zum Thema Wohnungslosenunterkunft bekannt gegeben. Da das zurzeit benutzte Gebäude in der Anne-Frank-Straße 51-52 abgerissen wird, muss ein neuer Standort gesucht werden. Mehrere Alternativ-Objekte seien untersucht und für wenig geeignet befunden worden, so der Dezernent. Darunter waren das Gebäude der Kita Kirschblüte in der Weststadt sowie Grundstücke in Groß Medewege, Görries oder Neu Zippendorf. "Vor zwei Jahren haben uns Vertreter der Verwaltung erklärt, dass die Anne Frank-Straße 31 abgerissen werden muss, weil das Gebäude nicht mehr standsicher ist", erinnert sich ein Einwohner. "Jetzt soll es Obdachlosenheim werden. Hat man uns damals angelogen?"

"Ich wüsste gern genau, was gegen die anderen Standorte spricht", sagte Stev Oetinger, der heute Abend das Thema im Sozialausschuss diskutieren möchte. Im Gepäck hat er Elternbrief und Unterschriftenliste der Kita sowie ein Protokoll der Ortsbeiratssitzung. Über den endgültigen Standort der Wohnungslosenunterkunft entscheiden die Stadtvertreter.

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