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Schüler, Lehrer und Eltern kämpfen für Schulsozialarbeiterin : Protest auf dem Schulhof in Ludwigslust

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Große Protestaktion am Dienstag auf dem Schulhof des Ludwigsluster Goethe-Gymnasiums: Rund 600 Schüler wehrten sich gegen die Einsparung der Stelle von Schulsozialarbeiterin Ramona Stein.

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erstellt am 05.Apr.2011 | 07:55 Uhr

Ludwigslust | Große Protestaktion gestern auf dem Schulhof des Ludwigsluster Goethe-Gymnasiums: Die rund 600 Schüler wehrten sich gestern gegen die Einsparung der Stelle von Schulsozialarbeiterin Ramona Stein. Drei Minuten lang verharrten die Schüler auf dem Pausenhof in völliger Stille. Viele hielten Steine in die Höhe - eine Anspielung auf den Namen der Pädagogin. Diese zeigte sich von der Aktion berührt. "Ich habe eine Gänsehaut", gestand sie. Sie werte den Einwand der Schüler als Wertschätzung ihrer Arbeit.

Seit dem Jahr 2008 hat die Sport- und Geschichtslehrerin ein offenes Ohr für die Sorgen der Gymnasiasten. "290 Gespräche habe ich allein in diesem Schuljahr geführt", sagt die Sozialarbeiterin. Sie hilft bei Konflikten, berät die Schüler bei familiären Problemen, hat viele Projekte und AGs ins Leben gerufen. Nun soll sie gehen. Am 30. Juni läuft die Stelle aus. Denn das Projekt des Bildungs- und des Sozialministeriums, das Lehrer zu Sozialarbeitern weiterbildete, war auf drei bis höchstens sechs Jahre begrenzt. 24 der 34 landesweit geförderten Stellen fallen nun, nach dem dritten Jahr, weg. Und auch am Ludwigsluster Gymnasium wurde die Stelle nicht verlängert.

"Die Annahme, an Gymnasien gebe es keinen Bedarf, ist falsch", sagt Schulleiter Ekkehard Detenhoff. Diese Wahrnehmung deckt sich mit den Fällen, die Ramona Stein allein in diesem Schuljahr betreut hat. "Es gab zwei suizidale Vorfälle und einen Vergewaltigungsvorfall", sagt Stein. Neun Kinder und Jugendliche leitete die Schulsozialarbeiterin an das Jugendamt weiter. "Das ist eine Arbeit, die ein Lehrer nebenher einfach nicht leisten kann", ist sich Schulleiter Detenhoff sicher. Deshalb wollen Schüler, Lehrer und Eltern alle Hebel in Bewegung setzen, um doch noch eine Verlängerung der Stelle zu erwirken. Auch einen Brief an Landessozialministerin Manuela Schwesig (SPD) hat der Schulleiter schon geschrieben. Bisher ohne Antwort.

"Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne Ramona Stein weitergehen soll", so formuliert es Sport- und Biologielehrerin Kati Kessner. Ähnlich empfinden es auch die Schüler. "Sie ist immer für uns da - wer soll das in Zukunft übernehmen?", fragt sich Christian Grabs, Schüler der 10. Klasse.

Auch Ramona Stein fällt der Abschied von ihrer Arbeit als Schulsozialarbeiterin schwer. Es sei wichtig, die Schüler auf das Leben vorzubereiten und nicht bloß Wissen zu vermitteln. "Der Bedarf ist da und es tut mir leid, dass ich diese Aufgabe in Zukunft nicht mehr übernehmen kann." Momentan stehen alle Zeichen auf Abschied. Sollte es dabei bleiben, wird Stein als Lehrerin an die Grabower Regionalschule zurückkehren.

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