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Lokales

19. September 2017 | 20:56 Uhr

Prominenz klopft auf Woserins Pflaster

vom

svz.de von
erstellt am 06.Okt.2010 | 08:49 Uhr

Woserin | Der Streit um den Erhalt der historischen Pflasterstraße in Woserin schlägt nun bundesweit Wellen. Prof. Diethart Kerbs aus Berlin, Vorsitzender des Vereins Kultur-Landschaft, vergleicht die Konfrontation der Gemeinde Borkow, die eine neue Asphaltstraße bauen möchte, und der Anwohner (überwiegend Pflaster-Freunde) mit dem Konflikt um das Projekt "Stuttgart 21", dem Neubau eines gigantischen Bahnhofs. In beiden Fällen gehe es "auch um die grundsätzliche Frage nach der Demokratie in unserem Lande", erklärt Kerbs. Auf einer Tagung zum Thema Pflasterstraßen in Woserin las er den Borkower Gemeindevertretern die Leviten: "Richtig problematisch wird es, wenn die gewählten Volksvertreter Baumaßnahmen für Ortschaften beschließen, in denen sie selbst nicht wohnen, die aber von der Bevölkerung der betroffenen Orte mehrheitlich abgelehnt werden." Seine Frage: "Wessen Interessen vertreten die Volksvertreter: die der Bevölkerung oder die der Baufirmen?"

Seit rund zehn Jahren schwelt der Streit um die Pflasterstraße in Woserin. Ein Verein aus dem Ort wandte sich an Gemeinde, Kommunalaufsicht, Landesrechungshof und Petitionsausschuss. Nun liege ein neues Angebot auf dem Tisch, erklärt die 2. Vorsitzende Anna Ochsenknecht: Der Verein wolle für die Instandsetzung der 150 Jahren alten Pflasterstraße nötige 40 000 Euro über Sponsoring aufbringen. Die Gemeinde hielt bisher an ihrer Absicht zur Asphalttierung fest. Kosten: rund 550 000 Euro. Anwohner fürchten damit auch eine Umlage von rund 100 000 Euro auf die Grundstücke, die sie zahlen müssten, so Ochsenknecht.

Die Straße müsse mit Unterbau komplett erneuert werden, sagte gestern Jochen Gülker, Leiter des Bauamtes. "Sie muss 40-Tonner aushalten." Die Reparatur als Pflasterstraße reiche nicht aus. Die Verwaltung halte sich an den Gemeinderatsbeschluss.

Bürgermeisterin Regina Rosenfeld deutet einen Kompromiss an: "Die Mehrheit der Gemeindevertreter ist für einen neuen Unterbau mit teilweiser Pflasterung." Neubau mit komplettem Pflaster könne sich die Gemeinde nicht leisten. "Die Zeit läuft uns weg", so Rosenfeld. Fördermittel würden rar. Die Gemeinde habe die Pflicht, die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Zum Thema Demokratie sagt sie: Die Gemeindevertreter seien "ein legitimiertes Organ".

Mehr als 30 Teilnehmer verabschiedeten unterdessen auf der Pflasterstraßen-Tagung in Woserin eine Resolution für die alte Straße. Es handele sich um ein "wertvolles Kulturgut". Prof. Diethart Kerbs: "Wir kennen kaum ein anderes Dorf, das noch über den Reichtum einer so langen und gut erhaltenen Pflasterstraße verfügt." Darüber hinaus verstoße die Entscheidung der Gemeindevertreter gegen eine Landesverordnung zum Naturpark Sternberger Seenland, wertvolles Kulturgut zu erhalten.

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