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Lokales

22. November 2017 | 00:10 Uhr

Private Pleiten auf Höchststand

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erstellt am 14.Okt.2010 | 06:09 Uhr

Neubrandenburg | Die Nachwirkungen der Wirtschaftskrise belasten auch in Mecklenburg-Vorpommern private Haushalte schwer: 1541 Menschen im Nordosten gingen im ersten Halbjahr 2010 in die Privatinsolvenz - so viele wie noch nie. Laut Hamburger Wirtschaftsinformationsdienst Bürgel beträgt die Zunahme im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 19 Prozent. Damit liegt Mecklenburg-Vorpommern deutlich über dem 12,8 Prozent des Bundesdurchschnitts.

Dramatisch sieht die Situation in Neubrandenburg aus, wo in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bereits 159 Privathaushalte in die Insolvenz gingen - 27 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. In Schwerin meldeten 94 Personen Insolvenz an - ein Plus von 20 Prozent. In Rostock stieg die Zahl der privaten Pleiten im selben Zeitraum um 14,8 Prozent auf 233.

Im Landkreis Ludwigslust, wo die Schuldnerberaterin Reinhild Walter Hilfe anbietet, haben im ersten Halbjahr 148 Menschen den Weg in die Insolvenz angetreten. "Wir merken die Zunahme bei den Beratungen deutlich", sagt die Hagenowerin. Durch Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne werde für viele Schuldner die Situation immer komplizierter. Mit den Schulden sinke die Lebenqualität. "Viele werden krank", berichtet Frau Walter.

Im Durchschnitt 24 000 Euro Schulden

Auch Siegfried Jürgensen von der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung Mecklenburg-Vorpommern bestätigt, dass die private Insolvenz immer häufiger als letztes Mittel genutzt wird, um aus der Schuldenfalle zu kommen. "Das liegt daran, dass für die Betroffenen immer weniger Ressourcen zur Verfügung stehen", sagt der Schuldenberater.

Laut Arbeitsgemeinschaft sind die Hauptgründe für Verschuldung Arbeitslosigkeit, Niedriglohn, Trennung vom Lebenspartner und unkontrolliertes Konsumverhalten. 53 Prozent aller Klienten, die zu den 80 Schuldnerberatern im Land kommen, sind Empfänger von Arbeitslosengeld II. Der durchschnittliche Schuldenumfang pro Klient beträgt etwa 24 000 Euro. 58,4 Prozent aller Schulden sind Verbindlichkeiten gegenüber Banken und Kreditinstituten.

Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung geht davon aus, dass im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern etwa 151 536 Haushalte überschuldet waren. In jedem sechsten Haushalt gibt es demnach erhebliche finanzielle Schwierigkeiten.

Die durchschnittliche Wartezeit auf einen ersten Beratungstermin beträgt für Hilfesuchende derzeit etwa 60 Tage. Um das Netz der 25 Beratungsstellen nicht weiter ausdünnen zu lassen, hat die Landesregierung im Doppelhaushalt 2010 und 2011 die Hilfen für die Einrichtungen um jeweils 200 000 Euro auf 1,8 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt.

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