Primelnotstand im Gewächshaus

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19. Februar 2010, 10:15 Uhr

Steinhagen | In den Gewächshäusern von Frank Zube in Steinhagen herrscht Notstand. Der Gärtnermeister weiß nicht mehr wohin mit all den Primeln, Narzissen und Tausendschönchen. Denn da noch tiefster Winter herrscht, ist die Kauflust der Leute in Bezug auf die bunten Frühblüher auf dem Nullpunkt. "Sonst haben viele um diese Zeit schon Primeln, Narzissen und andere Frühblüher in Kübeln ausgepflanzt. Oder auch schon an geschützten Ecken im Garten. Denn Primeln können Frost vertragen. Aber jetzt liegt ja überall noch Schnee, wer soll da was pflanzen?", sagt Zube. Die Gärtnerei steht vor demselben Problem. "In anderen Jahren hatten wir um diese Zeit schon einen Teil der Stiefmütterchen auf Freiland ausgepflanzt. Aber jetzt geht das nicht." Deshalb stauen sich auch diese Planzen in den Gewächshäusern. Frank Zube ist ratlos. Was soll er mit all der Blütenpracht tun, wenn niemand sie haben will? Vermutlich bleibt an Ende nichts anderes übrig, als einen Großteil der Primeln zu entsorgen. "Ich rechne mit Einnahmeverlusten von rund 20 000 Euro durch den eingebrochenen Abkauf von Primeln, Knollen und Zwiebeln", so Zube.

Auch das Platzproblem wird langsam prekär. Denn die Tische in den Gewächshäusern werden gebraucht für die pikierten Jungpflanzen aller Arten. Schon seit Dezember werden z. B. Fuchsien, Geranien, Dahlien, Kräuter und immergrüne Rabattenpflanzen über Stecklinge vermehrt. Jetzt werden außerdem Porree und Sellerie in Saatkisten ausgesät, die später vereinzelt, pikiert und als Jungpflanzen verkauft werden. "Danach geht es zügig hinter einander weg", so Zube. In der nächsten Woche folgt z. B. die Aussaat der ersten Tomaten und Paprika.

Extrem in die Höhe getrieben hat dieser Winter die Heizkosten in den Gewächshäusern. Die Holzheizung, die Frank Zube vor sieben Jahren zusätzlich zur Öl- und Gasheizung gebaut hat, muss alles geben. "Wir brauchen im Jahr durchschnittlich 1000 Raummeter Holz", sagt Zube. Weshalb sich auf einer großen Betonplatte eine riesige Menge an Brennholz auf seinem Hof stapelt. Die Baumstämme werden durch die Forst in Drei-Meter-Stücken geliefert. "Spätestens im April fangen wir mit der Holzverarbeitung an", sagt der Gärtnereibesitzer. Im Oktober werde dann das erste Holz in den beiden riesigen Kesseln bereits verheizt.

Neben Wärme aber brauchen die Pflanzen vor allem Licht. Weil es damit in unseren Breiten nicht immer zum Besten steht, hängen in einem Großteil der Gewächshäuser Assimilationslampen mit einer enormen Leuchtkraft. "Wir belichten damit täglich 12 Stunden land ode Vermehrungsflächen mit Stecklingen und fünf Stunden lang auf 1000 Quadratmetern rund fünf Stunden täglich die besonders anspruchsvollen Pflanzensorten wie Edelgeranien, Knollenbegonien u. a. Und weil in den letzten Wochen der Himmel besonders grau war, blieb so manche Lampe noch ein wenig länger an. Auch das geht ins Geld.

"Ich rechne in diesem Jahr mit rund 25 000 Euro mehr an Heiz- und Energiekosten als sonst", sagt Zube.

So wie ihm ergeht es den meisten Gärtnereien, sagt er. "Ich kenne Berufskollegen, für die sind die extreme Absatzflaute und die zusätzlichen Belastungen in diesem Winter existenzbedrohend." Auch für sein Unternehmen dürfe es "nicht viele solche strengen Winter geben", meint er.

evtl. noch Beispiele zur Kostensteigerung - Vergleich zum Winter 1995

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