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Lokales

20. September 2017 | 09:36 Uhr

Prignitzer Störche nicht in Gefahr

vom

svz.de von
erstellt am 20.Jun.2010 | 06:19 Uhr

Prignitz | Obwohl er zu den bekanntesten und am besten erforschten Vögeln zählt, bleiben rund um den Weißstorch Fragen offen. Ein Team um Prof. Dr. Dieter Wallenschläger vom Institut für Biologie und Biochemie der Universität Potsdam wertet seit fünf Jahren Beringungsdaten von Störchen aus und ist immer dort dabei, wo man Adebar sprichwörtlich aufs Dach steigt.

Am zurückliegenden Wochenende waren er und die Potsdamer Doktorandin Ute Eggers gemeinsam mit dem Prignitzer Beringungsteam um Falk Schulz unterwegs. "Es sieht nach einem guten Jahr aus, wir haben viel Nachwuchs in den Horsten", so Schulz.

Wallenschläger erläutert, dass er und sein Team u. a. untersuchen, wo und wann sich die Störche ansiedeln, wie sich die Zugrichtungen entwickeln und inwieweit sich der Vogelzug verkürzt. Dazu werden die Jungtiere auch vermessen, gewogen und das Federkleid untersucht. Im Laufe der Zeit hat man schätzungsweise 20 000 Beringungsdaten von Störchen abgelesen. Dabei stützen sich der Wissenschaftler und seine Studenten auch auf Daten der Vogelwarte Hiddensee. Für umfassende und wegweisende Aussagen sei der Erfassungszeitraum noch kurz, aber man könne Trends ablesen, so Wallenschläger. Die betreffen zum Beispiel die Ankunftszeit der Weißstörche in den Brutgebieten. Beobachtungen wiesen darauf hin, dass sich dieser Zeitpunkt zunehmend nach vorn verschiebe.

Auch das Zugverhalten ändere sich, insbesondere bei den Adebaren, die sich normalerweise auf einer westlichen Route von Afrika nach Europa bewegen, den sogenannten Westziehern. "Sie überwintern vielfach bereits in Südfrankreich und Spanien, auf Müllhalden und Reisfeldern, verkürzen damit ihren Zug in die Brutgebiete deutlich."

Etwa an der Elbe verlaufe die Grenze der Brutgebiete zwischen West- und Ostziehern. Für die Ostzieher sei die Prignitz der äußerste Rand. Beide Populationen schätzt der Wissenschaftler jedoch als stark ein, so dass er auch den schon länger befürchteten, nachhaltigen Einbruch der Zahlen in der Prignitz und insbesondere in Deutschlands größter Weißstorchkolonie Rühstädt nicht unbedingt sieht. "Das wesentlichere Kriterium sind die Zugwege, wo teils in sehr großem Stil Lebensräume zerstört werden", sagt Wallenschläger und nennt als ein Beispiel riesige Kläranlagen bei der Erschließung touristischer Gebiete am Roten Meer. Dort kämen Störche mit giftigen Substanzen in Berührung, die tausende das Leben koste. Zudem müsse man berücksichtigen, dass über längere Episoden betrachtet es immer ein Auf und Ab in der Storchenpopulation gab. Nichtsdestotrotz sei es wichtig, dass sich die Akteure vor Ort mit Nachdruck für den Erhalt von Nahrungsgebieten stark machen, was nicht nur dem Weißstorch, sondern auch vielen anderen Lebewesen zugute komme.

Birgit Hamann

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