Prignitzer Landwirte haben Existenzangst

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16. August 2010, 06:47 Uhr

Prignitz | Unter Prignitzer Landwirten geht die Sorge um vor den neuen Förderrichtlinien, die die Europäische Union ab 2013 einführen will. Das spürt die agrarpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Bundestag, Dr. Kirsten Tackmann, die derzeit auf Sommertour durch ihren Wahlkreis ist. "Viele Betriebe stehen finanziell wirklich mit dem Rücken an der Wand, haben Angst, ohne entsprechende Fördermittel nicht mehr existieren zu können", erklärte Tackmann gestern auf "Prignitzer"-Nachfrage.

Sie teilt die Sorge, vor allem wenn es um die Finanzierung der sozial-ökologischen Leistungen gehe, "die nicht vom Markt bezahlt werden, die aber wichtig sind". Und die Bundestagsabgeordnete verweist beispielsweise auf landwirtschaftliche Betriebe, die auch heute noch mehr Beschäftigte haben, als pro Fläche eigentlich notwendig seien, macht auf den hohen Stellenwert der landwirtschaftlichen und ökologischen Pflegeleistungen aufmerksam.

Gleichzeitig zeigt Tackmann Verständnis für die Steuerzahler, die wissen möchten, wofür ihr Geld eigentlich ausgegeben wird, ob diese Förderungen wirklich notwendig seien.

Für die Ostprignitzer Politikerin der Linken geht es darum, Förderrichtlinien festzulegen, die sowohl die sozial-ökologischen Leistungen finanzierbar machen als auch die landwirtschaftliche Produktion in bäuerlicher Hand sichern. Denn "der Weltagrarmarkt ist hochspekulativ geworden. Es steht also die Frage, ob wir auch künftig unsere Ernährungsgrundlagen weiter vor Ort sichern wollen, oder es uns wichtiger ist, billigere Produkte aus Argentinien oder Neuseeland einzukaufen." Das sei ganz existenziell gerade auch für die Prignitz.

Tackmann spricht sich in diesem Zusammenhang für kostendeckende Erzeugerpreise aus. Das Beispiel Milch mache deutlich, dass viele daran Geld verdienten, nur nicht der Erzeuger, sprich der Bauer. Hier gebe es einen Vorschlag der Europäischen Union, ähnlich wie bei der Obst- und Gemüseproduktion und Verarbeitung eine Branchenorganisation zu gründen, die innerhalb der Wertschöpfungskette einen funktionierenden Rahmen setze.

Doch Tackmann spricht auch Förderungen an, die aus ihrer Sicht gestrichen werden könnten wie für den Grünlandumbruch. "Denn Grünland muss erhalten werden, ist wichtig für die Viehhaltung und die Ökologie."

Ebenso müssten künftige Förderungen von der Viehdichte pro Fläche abhängig gemacht werden. "Ein Schweinebestand von 69 000 Tieren ist weder für die Region noch sozial verträglich. Mehr als zwei Großvieheinheiten pro Hektar sollten nicht mehr gefördert werden."

Tackmann rechnet damit, dass bereits 2011 wesentliche Kriterien für die neue Agrarförderung erarbeitet werden.

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