zur Navigation springen
Lokales

15. Dezember 2017 | 05:30 Uhr

Prignitzer Landwirte büßen bei Weizen ein

vom

svz.de von
erstellt am 14.Sep.2010 | 08:34 Uhr

Prignitz | Die guten Getreidepreise konnten das Dilemma nur zum Teil ausgleichen: Prignitzer Landwirte erlitten teils erhebliche Einbußen beim Weizen. "Am 7. September war der Drusch erst beendet. Das ist sehr, sehr spät", resümiert Christina Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes (KBV) Prignitz. Das extrem nasse Wetter hatte zu enormen Verzögerungen geführt und die Qualität des Getreides so stark gemindert, dass es vielfach - obwohl als Brotweizen angebaut - nur als Tierfutter verwertbar ist.

"Der hohe Getreidepreis kommt bei den Landwirten nicht an", bestätigt Dirk Glaeser, Geschäftsführer der Agrarproduktivgenossenschaft (APG) Abbendorf, und macht darüber hinaus deutlich, dass die Bauern zusätzliche Kosten für die Trocknung des Getreides zu tragen haben. Das, so Christina Stettin, gelte selbst für Weizen, der in Biogasanlagen verwertet wird. "Auch dafür ist eine Trocknung bzw. Aufbereitung nötig." Der Weizenertrag, so die KBV-Geschäftsführerin, liege im Landkreis schätzungsweise 20 Prozent unter dem des Vorjahres.

Die Landwirte, die Weizen anbauen, trifft es unterschiedlich hart. So hat Uwe Technow von der Technow GbR in Uenze - ein Wiedereinrichterbetrieb - nur rund 100 Hektar Weizen zu stehen. "Wir veredeln ihn jetzt über unsere Schweine, verwerten ihn als Futter, haben zudem eine eigene Mühle", sagt er. Die Qualität des Getreides sei "ganz schlecht". 2010 sei ein "schwieriges Jahr", vor allem hinsichtlich der Niederschlagsmengen. "Sonst hatten wir eher mit zu viel Trockenheit zu kämpfen. 2010 ist es anders - ein Ausnahmejahr. Für meinen Betrieb kann ich dennoch sagen, dass wir wohl mit einem blauen Auge davongekommen sind", so Technow. Das Unternehmen baut auf insgesamt 620 Hektar Raps, Roggen, Weizen und Gerste an, zieht außerdem 3000 Mastschweine auf.

Die Witterungsunbilden lassen die seit Jahren bestehende zentrale Forderung der deutschen Landwirte nach einem Risikoausgleich wieder laut werden. "Die Bauern müssen mit den vier Jahreszeiten leben. Man darf aber nicht ignorieren, dass die Extreme zugenommen haben", argumentiert Christina Stettin.

Dabei sei eine private Versicherung für den Schadensausgleich nicht bezahlbar, unterstreichen sowohl Glaeser als auch Technow. Sie - wie auch viele ihrer Berufskollegen - denken eher an ein steuerrechtliches Modell, das ihnen in Jahren mit günstigem Wetter und guten Gewinnen Rücklagen ermöglicht, die die Missernten finanziell, wenigstens zum Teil, ausgleichen könnten. "Ich sehe den Staat da schon in der Verantwortung. Aber noch sträubt sich die Politik", konstatiert Dirk Glaeser.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen