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Lokales

15. Dezember 2017 | 17:00 Uhr

Prignitzer Hebammen wehren sich

vom

svz.de von
erstellt am 07.Mai.2010 | 06:59 Uhr

Perleberg | Katrin Nörren erwartet ihr erstes Kind. Die Perlebergerin lag gestern im Kreißsaal des Perleberger Krankenhauses, betreut von ihrer Hebamme Ursula Geisler. "Ich war von Anfang an in guten Händen bei ihr, wollte eine Hebamme haben, die mich auf die Geburt vorbereitet, um zu wissen, wie alles abläuft, die mich bei der Entbindung begleitet und auch danach mit meinem Kind betreut", erzählt die werdende Mutti.

Was die Perlebergerin da berichtet, trifft auf viele Schwangere in der Prignitz zu. Acht freiberufliche Hebammen kümmern sich um diese Frauen, zwei weitere aus dem Bereich Wittstock. Doch ob das so bleibt, ist derzeit fraglich. Denn zum 1. Juli dieses Jahres sollen die Haftpflichtprämien für Hebammen erhöht werden, nämlich von derzeit 2370 Euro auf 3689 Euro im Jahr. Haftpflichtprämien sind ein Versicherungsschutz bei eventuellen Fehlern während der Geburtshilfe. Diese drastische Erhöhung, so beklagt der Deutsche Hebammenverband, dränge vor allem freiberufliche Hebammen aus ihrem Kerngebiet, nämlich der Geburtshilfe. Schon jetzt, so Dr. Edith Wolber, Pressesprecherin des Deutschen Hebammenverbandes, übernähmen nur noch 23 Prozent der Freiberuflichen Geburten als Beleghebamme. Mit der Erhöhung der Haftpflichtprämie sieht der Verband die Existenz des Hebammenberufes bedroht, denn wer wolle für noch weniger als derzeit durchschnittlich 7,50 Euro Stundenlohn arbeiten? Und das bei einer Einsatzbereitschaft rund um die Uhr. "Mehr als 14 Tage Urlaub im Jahr sind nicht drin", bringt es Hebamme Roswitha Daniel aus Perleberg auf den Punkt. Sie rechnet vor, dass sie 35 Geburten im Jahr haben müsse, um allein die Haftpflichtprämie zu bezahlen. Doch viel mehr sei gar nicht zu bewältigen bei der Rundumbetreuung.

Nicoll Telschow, die vor allem im Wittenberger Bereich tätig ist, sagt es frei heraus: "Da muss man sich überlegen, ob sich Geburtshilfe überhaupt noch lohnt". Doch sie liebt ihren Beruf. Das sieht Kerstin Käpernick, Hebamme in Pritz walk genau so. Trotzdem sagt sie: "Wenn es so kommt, die Versicherung derart in die Höhe steigt und andererseits die Krankenkassen nicht bereit sind, die Honorare pro Geburt zu erhöhen, (sie liegen zwischen 237 und 537 Euro je nach Ort der Entbindung) dann muss ich am Jahresende Kassensturz machen. Es steht auf der Kippe".

Sollten die freiberuflichen Hebammen das sprichwörtliche Handtuch werfen, keine Geburten mehr übernehmen, würde es eng werden. Denn im Kreiskrankenhaus Prignitz in Perleberg sind nur zwei Hebammen fest angestellt. "Wir könnten schon rein rechtlich nicht alle Geburten übernehmen", macht Ursula Sturm, eine der beiden Kolleginnen deutlich. Auch die Chefärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe, Renate Frahm, lobt die gute Zusammenarbeit mit den Freiberuflern. Die wehren sich jetzt auch in der Prignitz gegen weitere finanzielle Belastungen, rufen zur Teilnahme an einer E-Petition an den Bundestag auf, damit der Sofortmaßnahmen beschließt. 50 000 Unterschriften werden bis zum 26. Mai benötigt. "Wir haben schon Unterschriftslisten, sprechen mit den Schwangeren", erklärt Ute König, Hebamme in Pritzwalk. Doch auch unter www.hebammen-protest.de kann die Aktion unterstützt werden.

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