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Lokales

17. Dezember 2017 | 22:39 Uhr

Prignitzer Fahrlehrer in Not

vom

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erstellt am 04.Mai.2010 | 08:33 Uhr

Prignitz | Brandenburgweit brechen die Zahlen der Fahrschüler in Größenordnungen ein. Gab es 1999 noch 750 000 Prüfungen in der Pkw Klasse B, waren es 2004 nur noch 301 000 und im vergangenen Jahr 219 800, umreißt Herbert Nordmann, Niederlassungsleiter Dekra Automobil GmbH, die Entwicklung. Damit sei aber noch keine Talsohle erreicht. In den ersten vier Monaten 2010 betrug der Rückgang nochmals 20 Prozent, "mit zehn hatten wir gerechnet".

Prignitzer Fahrschulen brauchen keine Statistik. Sie spüren den Rückgang wöchentlich. "Im Vergleich zu vor zwei Jahren hat sich die Teilnehmerzahl in meinen Kursen halbiert. Das geht an die Substanz", sagt Thomas Bauer, der in Wittenberge eine Fahrschule betreibt.

Möglichkeiten zur Kompensierung sehe er wenige, wie den Führerschein fürs Motorrad. Hingegen sei die Erstausbildung von Lkw-Fahrern fast komplett weggefallen.

Hintergrund sind die seit dem vergangenen Jahr veränderten Bestimmungen. "140 Unterrichtsstunden kamen dazu, die Preise sind dadurch dermaßen gestiegen, dass ohne Förderung über das Arbeitsamt kaum noch jemand die Ausbildung finanzieren kann", sagt Bauer. Was bleibe, seien Weiterbildungen von Lkw-Fahrern im Abstand von fünf Jahren.

Von einem "spürbaren Einbruch" spricht auch happy drive-Fahrschulinhaber Holger Frentzel aus Perleberg. Geburtenschwache Jahrgänge und der Weggang vieler Schulabsolventen schlage voll durch. Hinzu komme der knallharte Konkurrenzdruck durch Billigangebote: "Nach Qualität der Ausbildung wird immer seltener gefragt, nur noch nach dem Preis" , so Frentzel. Er rät von verlockenden Angeboten unter 1000 Euro ab. Stattdessen sollten sich Interessierte die Quote der Durchfaller nennen lassen und daraus Rückschlüsse auf die Ausbildung ziehen.

Eckhard Riske ist seit 1975 Fahrschullehrer. Die Zeiten voll besetzter Lehrgänge seien längst vorbei. Gut um die Hälfte sei seine Schülerzahl im Pkw-Bereich zurückgegangen. Etwa konstant blieb die für den Traktorführerschein, doch sie stehe in keinem Verhältnis zu den Einbrüchen bei Pkw.

Ein regelrechtes Fahrschulsterben prognostiziert Bernhard Katritzki, Vorsitzender Fahrlehrerverband Brandenburg, Noch gebe es ein Überangebot an Fahrschulen, doch die Schülerzahlen würden weiter sinken.

Neben dem demografischen Wandel spüren Fahrschulen die Ebbe in den Portmonees: "Das Geld fehlt, immer weniger Eltern finanzieren die Ausbildung, so dass manche erst mit 22 oder 23 ihren Führerschein machen", weiß Katritzki, der noch eine drittes Problem anspricht: die Durchfallquote.

Im Landesschnitt bestehen nur 58,8 Prozent die mündliche Prüfung. Eine Ursache sei das gesunkene Bildungsniveau: "Manche verstehen gar nicht die Prüfungsfrage." Andere wollen Geld sparen, seien aber nicht fit für die Prüfung. Dabei hätten Fahrlehrer die Pflicht, nur gut ausgebildete Schüler zur Prüfung zu zu lassen.

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