Prignitzer Baustellen: Paradies für Diebe

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05. November 2010, 06:24 Uhr

Prignitz | Bagger, Radlader, Transporter, Dieselkraftstoff: Fast nichts scheint auf Baustellen niet- und nagelfest zu sein. Insbesondere der Dieselklau, so ein vom "Prignitzer" befragter Bauunternehmer, sei an der Tagesordnung. Allein im Land Brandenburg entsteht Schätzungen zufolge durch Diebstahl von Baustellen jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe. Die Fachgemeinschaft Bau geht davon aus, das deutschlandweit im vergangenen Jahr rund 4000 Baumaschinen gestohlen wurden.

Im "Kriminalitätsbarometer Berlin-Brandenburg 2009", das die Industrie- und Handelskammern der Mark und Berlins (IHK) gemeinsam erstellten, gaben in Brandenburg 1400 Unternehmen an, dass sie in den zurückliegenden Jahren neben Betrug und Vandalismus am meisten von Einbruchsdiebstahl betroffen waren. Die von der Polizei erfasste Schadenssumme bildet der IHK-Studie zufolge den tatsächlichen Schaden nur sehr grob ab. Produktionsausfall, hoher Wiederbeschaffungswert, Vertragsstrafen und steigende Versicherungsprämien seien durchaus existenzbedrohende Folgen.

Im Polizeischutzbereich Prignitz wurden vom 1. Januar bis zum 28. Oktober dieses Jahres 54 Baustellendieb stähle angezeigt. "Der Anteil an der Gesamtkriminalität im Schutzbereich ist mit gut einem Prozent allerdings verschwindend gering", sagt Pressesprecherin Bianca Krege. Die geschätzte Gesamtschadenshöhe belief sich in diesem Zeitraum auf knapp 125 000 Euro. In 34 Fällen wurde Dieseldiebstahl angezeigt, in zwei Fällen kamen Kleintransporter abhanden, fünf Radlader verschwanden - allerdings wurden sie zum Teil wiedergefunden. Der kürzlich in Perleberg auf der Baustelle für die Eisenbahnbrücke gestohlene sei jedoch immer noch weg. Begehrtes Diebesgut sei zudem Baumaterial. "Baustellenklau ist kein typisches Prignitzer Phänomen, das gibt es bundesweit", bestätigt Bianca Krege.

Die Baufirmen versuchen ihrerseits, sich vor derartigen Übergriffen zu schützen - so gut es geht. "Seitdem wir betriebsinterne Sicherungssysteme haben, halten sich die Diebstähle im Rahmen", berichtet Gerhard Ganswindt, Geschäftsführer der Firma Hoch-, Tief- und Kulturbau Wusterhausen. Das mittelständische Bauunternehmen ist im gesamten Land Brandenburg unterwegs, hatte u. a. in Falkensee den Verlust eines Baggers zu beklagen. Bei abgelegenen Baustellen miete man sich mit seiner Technik in nahe gelegenen Orten ein. "Außerdem betanken wir unsere Fahrzeuge immer erst morgens", so Ganswindt. Vor den Baucontainer stelle man zudem nachts ein besonders schweres Element. "Aber selbst das ziehen die Diebe mit schwerer Technik weg." Den ganze Mehraufwand in die Kostenkalkulation einzurechnen, sei nicht möglich, so der Unternehmer. "Die Gewinnmargen in der Branche sind eh schon sehr gering, Außerdem wären wir dann mit unseren Angeboten nicht mehr konkurrenzfähig." Fakt sei, so Ganswindt, dass die heiße Phase der Baustellendiebstähle gerade wieder starte: Mit Beginn der dunklen Jahreszeit.

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