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Lokales

21. September 2017 | 23:28 Uhr

Prignitzer Apotheken fehlt der Nachwuchs

vom

svz.de von
erstellt am 23.Jun.2010 | 08:49 Uhr

Prignitz | Apotheken in der Prignitz und in ganz Brandenburg starten eine Nachwuchsoffensive. Grund ist der sich abzeichnende Mangel an Fachkräften. Schon jetzt fehlt es an Apothekern und vor allem an Pharmazeutisch-Technisch-Assistenten (PTA), sagt Michael Klauß, Geschäftsführer des Apothekerverbandes Brandenburg.

"Der Bedarf ist da, aber ausgebildete Fachkräfte sind wirklich schwer zu bekommen", bestätigt Frank Fürstenberg, erster stellvertretender Vorsitzender des Verbandes. Das spürt er selbst in seiner Wittenberger Bismarck-Apotheke: "Seit einem Jahr suche ich vergeblich eine PTA, seit kurzem ebenfalls für meine Filiale in Kyritz." Mit diesem Problem steht er nicht allein.

Die Jobbörse auf der Homepage des Verbandes listet für Brandenburg gerade mal zehn Stellengesuche auf. Demgegenüber stehen 43 Apotheken, die eine PTA suchen. Die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze liegt bei 80. "Und wir können davon ausgehen, dass auf der Homepage längst nicht alle offenen Stellen registriert sind", so Fürstenberg.

Die Gründe für den Nachwuchsmangel seien vielschichtig, der demographische Wandel gehört dazu. Vor allem aber die aus Verbandssicht unzureichenden Ausbildungsbedingungen. Zwar gibt es in Eisenhüttenstadt eine Schule für angehende PTA, "aber laut Landesausbildungsgesetz wird die Ausbildung anders als beispielsweise in Mecklenburg nicht bezahlt", sagt Fürstenberg. Derzeit trage die EU die Kosten, aber nur übergangsweise.

Ein weiterer Kritikpunkt des Verbandes lautet: "In Brandenburg bietet keine Universität einen Pharmazie-Studiengang an", so Fürstenberg. Das Ausweichen nach Berlin sei auch schwieriger geworden, da der Fachbereich an der Humboldt-Universität geschlossen wurde und nur noch die Freie Universität Plätze vorhalte.

Die Personalsituation werde sich weiter zuspitzen. "Anforderungen an die Beratung der Kunden steigen, neue Bestimmungen erwarten wir in diesem Jahr mit der Novellierung der Apothekerbetriebsordnung", so Fürstenberg. Unter anderem sei vorgesehen, dass unter bestimmten Voraussetzungen ein zweiter Apotheker einzustellen sei. Einen sprunghaften Anstieg der offenen PTA-Stellen erwartet Fürstenberg in den kommenden Jahren, da Pharmazieingenieure in den Ruhestand gehen. Diese einstige DDR-Ausbildung wurde vor 20 Jahren eingestellt.

Beste Jobaussichten also: "Klassischer Frauenarbeitsplatz, wohnortnah, Teilzeit möglich, bundesweit ausübbar und Bezahlung nach Tarif", wirbt Fürstenberg. Dem stimmt Jens Groschinski zu. Der Pressesprecher der Prignitzer Apotheken und Inhaber der Perleberger Prignitz-Apotheke suche derzeit zwar keine Fachkraft, "aber es ist wirklich schwer, eine PTA zu finden", sagt er.

Bundesweit gebe es 56 000 Apotheker, aber nur 12 000 Studierende. "Die decken den Bedarf längst nicht ab und künftig in Anbetracht der beginnenden Überalterung in unserem Berufsstand schon gar nicht", so Groschinski. Er rät, den Nachwuchs selbst heranzuziehen, hält eigene Ausbildungsplätze vor. Im Mai beginne eine Pharmaziestudentin der Uni Greifswald bei ihm ein Praktikum. Sie kommt aus Weisen und damit steige die Chance, dass sie für sich eine berufliche Zukunft in der Prignitz sucht.

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