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Cumlosener Gerätehaus ist ein Problem : Zwist in der Feuerwehr

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Cumlosen und Motrich klagen über alte Technik. Die Amtswehrführung widerspricht den Aussagen und mahnt richtige Kommunikation an.

von
erstellt am 15.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Ein Barkas der nicht anspringt, ein Feuerwehrauto, für das es offiziell keine Ersatzteile mehr gibt und Kameraden, die die Stiefel für ihre Einsatzkleidung anteilig finanzieren. Die Kameraden der Feuerwehren Cumlosen und Motrich sind mit der Finanzausstattung unzufrieden. Das wurde auf der gemeinsamen Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag mehr als deutlich. Bürgermeister und Amtswehrführung weisen die Vorwürfe als unbegründet zurück und kritisieren die Kommunikation.

„Wir haben in unserer Gemeinde kein wasserführendes Fahrzeug“, sagte Cumlosens Wehrführer Gordon Fähling. Er erinnerte an den schweren Verkehrsunfall im vergangenen Mai zwischen Cumlosen und Motrich. Zwei Personen waren eingeklemmt. „Nicht auszudenken, wenn das Fahrzeug Feuer gefangen hätte“, sagte Fähling.

Auch Motrich hat eine böse Erinnerung an diesen Einsatz. Mit ihrem Barkas sollten sie einen Notarzt zum Unfallort bringen. „Der Barkas sprang nicht an“, sagte Wehrführer Uwe Scheibe. Das tat er schon häufiger nicht.

Fähling berichtete von nicht funktionierenden Fensterhebern und die provisorisch eingebauten Fensterverschlüssen. Auch die Wasserpumpe ging kaputt. „Ersatzteile liefert der Hersteller 30 Jahre lang, aber das Auto ist 33 Jahre alt“, so Fähling. Mit etwas Glück konnten sie das Ersatzteil auftreiben. Dass die Kameraden nach 20 Jahren neue Einsatzstiefel benötigten, sei kein außergewöhnlicher Wunsch. „Aber wir haben sie privat teilweise mit finanziert. Das darf nicht die Regel werden“, forderte Fähling. Sein Motricher Kollege erinnerte an den Vorfall der kaputten Tragkraftspritze (TS): „14 Tage hatte es gedauert, bis wir einen Ersatz bekamen. Das kann ich nicht nachvollziehen.“

Nicht nur die Technik, sondern auch das Cumlosener Gerätehaus sei ein Problem. Schon jetzt sei es zu klein, ein moderneres Fahrzeug würde kaum hinein passen. Themen, die der Gemeinde und dem Amt als Träger des Brandschutzes seit langem bekannt seien. „Unsere Kameraden vermissen eine Wertschätzung ihrer ehrenamtlichen Arbeit und das sehe nicht nur ich so“, mahnte Fähling. Seine Wehr habe ihre Hausaufgaben gemacht. „Alle unsere Führungspositionen sind doppelt oder dreifach besetzt“, erklärte er. Auch 2016 haben Kameraden Kurse und Weiterbildungen absolviert, wie die Verleihung der Urkunden und Beförderungen am Freitag belegten.

Bürgermeister und Amtsausschussvorsitzender Harald Pohle reagierte entsetzt: „Von den Stiefeln und der TS habe ich nichts gewusst“, sagte er. Beides dürfe nicht sein. „Das werde ich auf die Tagesordnung setzen, künftig muss und wird es kurze Wege geben“, versprach Pohle. Wenn Technik ausfalle, müsse Ersatz her. „Dazu stehe ich“, sagte er.

Der stellvertretende Amtswehrführer Enrico Klein bat die Kameraden, sich in solchen Fällen direkt an die Amtswehrführung zu wenden. „Dann bekommen wir eine Lösung hin. Bei der TS haben wir es ja auch geschafft, nachdem wir davon erfahren hatten“, so Klein.

Amtswehrführer Steffen Bethke, der am Freitag eine andere Wehr besucht hatte, kritisiert die falsche Kommunikation: „Cumlosen und Motrich müssen den Dienstweg einhalten. Bei kaputter Technik müssen wir umgehend informiert werden und beschaffen dann Ersatz“, stellte Bethke klar. In solchen Fällen würden Amt und Bürgermeister Geld geben. Was die Stiefel betrifft, sei der Sachverhalt anders: „Wir finanzieren eine Grundausstattung, aber die Cumlosener wollten andere Stiefel und mussten die Mehrkosten tragen“, so Bethke.

Er selbst befürworte neue Fahrzeuge. „Kietz und Ferbitz haben in diesem Jahr welche erhalten.“ Cumlosen hätte vor Jahren eines bekommen können. „Eigenmittel der Gemeinde und Fördermittel waren klar, aber den Cumlosenern war das Fahrzeug zu klein. Deshalb ging es nach Nebelin“, sagte Bethke. Gordon Fähling erinnert sich anders: „Es scheiterte an einer fehlenden Unterschrift im Amt Lenzen.“

Steffen Bethke sichert zu: „Wenn ein Fahrzeug total ausfällt, kommt Ersatz. Das betrifft alle drei Ortswehren in Cumlosen.“

Der Wunsch nach einem Fahrzeug und einem größeren Gerätehaus sei schwierig, räumte Pohle ein. Das Geld dafür könne die Gemeinde kaum aufbringen. „Das Land muss mehr als 50 Prozent für ein neues Fahrzeug geben“, fordert er von der Landespolitik. Was der Amtshaushalt für die Ausrüstung ermöglichen kann, wolle er prüfen. „Cumlosen allein hat 25 Positionen beantragt. Das wird finanziell nicht machbar sein“, dämpfte er allzu große Hoffnungen.

Pohle griff ein Thema auf, was seit Jahren diskutiert wird: „Wenn sich alle drei Ortswehren zusammenschließen, dann wird ein normgerechtes Fahrzeug und Gerätehaus leichter möglich sein. Der Zusammenschluss muss aber freiwillig erfolgen“, sagte er.

Cumlosen und Motrich wollen diesen Weg beschreiten, so Fähling. Wentdorfs Haltung dazu sei offen, die Kommunikation untereinander derzeit gering. Wentdorf habe nach drei gemeinsamen erstmals wieder eine eigene Jahreshauptversammlung durchgeführt. Den Grund dafür kenne Fähling nicht. Er hoffe auf ein gemeinsames Gespräch mit den Wentdorfern.

Dessen Wehrführer René Jaffke wollte das Thema gegenüber unserer Zeitung nicht kommentieren. Er sagte: „Ich konnte am Freitag nicht in Cumlosen teilnehmen, weil ich auf einer anderen Jahreshauptversammlung war.“

 

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