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Feiern in der Prignitz : Zwischen Tradition und „Wurst“

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Reetzer Faschingsclub buddelt zum 25. Geburtstag ganz tief in der Programmvergangenheit. In Karstädt rockt der Elferrat

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erstellt am 01.Feb.2015 | 22:00 Uhr

„Einmal Männerballett, immer Männerballett“, sagt Eberhard Müller. Der Faschingsclub Reetz feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Müller ist – wie beispielsweise auch Familie Schaller und Familie Lübcke – von Anfang an dabei. Den Ballett-Herren in den weißen Hosen, den roten Jacken und den Pickelhauben gehört in Reetz traditionell der erste Auftritt. Der Radetzky-Marsch erklingt – auch das eine Tradition – und sie marschieren in den Saal.

„In Reetz, da geht’s“, nun schon seit 25 Jahren und immer wieder aufs Neue, weil es dem Club an Nachwuchs wirklich nicht mangelt. „Wir sind 65 Mitglieder. Die Jüngsten beim Programm sind sechs Jahre alt. Unser Ältester wird jetzt 92 “, erzählt Ricardo Perlich. Er trägt zwar die obligate Narrenkappe, bevorzugt als Moderator der Abende aber einen dunklen Anzug. Schade, den 91-jährigen Gerhard Beuster kann er am Samstagabend in der Gaststätte Muhs, wo traditionell gefeiert wird, dann doch nicht ankündigen. Eine leichte Unpässlichkeit. Also bleibt das Lied von der „Reeperbahn nachts um halb eins“ dieses Mal ungesungen. Aber am 7. und am 14. Februar wird in Reetz ja noch einmal gefeiert. Für den kommenden Sonnabend gibt es übrigens noch Karten, der 14. Februar ist total ausverkauft.

25 Jahre Reetzer Fasching, dafür hat der Club unter Vorsitz von Torsten Isernhagen keine Mühen gescheut, in seiner Programmvergangenheit gebuddelt und Stücke von vor Jahren noch einmal aufgelegt. Ob Wachmaschinen-Samba (2005), oder der Tanz der Ehepaare (2000), dem Publikum im ausverkauften Saal gefällt’s. Moderator Perlich, der seine Faschingskarriere übrigens auch beim Männerballett begann, sagt, zu den vielen, die erwähnt werden müssten, gehört auf jeden Fall Isolde Huhnstock. Sie ist die Frau über die Kostüme und habe für die Nummern von vor Jahren ohne Mühe immer auch die passende Kleidung im Fundus gehabt.

Die erste Zugabe müssen am Samstagabend schon die Reetzer Minis geben. Johanna Jenns, Klara Perabo, Luisa Schmidt sind mit ihren sechs Jahren die jüngsten in der Truppe, die zehn Mädchen und einen Jungen zählt. Mit ihrem frechen Lied vom Dorfkind, das sich gar nichts anderes wünscht, erobern die Kleinen im Nu die Herzens des Publikums.


Das wichtigste ist, dass die Hose zu ist


Ebenso stimmungsvoll ging es zur selben Zeit in Karstädt zu. Hier hatte der KCK zur 41. Session in den Landgasthof geladen. Unter dem Motto „Wir rocken den Saal mit viel Radau – Karstädt Helau“ gab es nicht nur ein dreistündiges Programm für die etwa 200 Besucher, sondern vor allem im Vorfeld einiges zu planen, einzustudieren und zu organisieren. Über 70 Mitwirkende aus den einzelnen Gruppen mussten koordiniert und so mancher Krankheitsfall auch an prominenter Stelle kompensiert werden. So wurde der Elferrat kurzfristig umbesetzt. Da sich dieser ganz dem Motto verschrieben hatte und entsprechend ausschließlich aus Rockstars bestand, fehlte dem Ensemble die Rolle der Kunstfigur und Eurovision-Song-Contest-Gewinnerin Conchita Wurst, die eine tragende Rolle im Programm einnehmen sollte.

In die Perücke und das Kleid schlüpfte zwei Tage vor dem Auftritt Raik Wonneberger. „Ich habe viele Jahre im Programm mitgemacht und pausiere derzeit. Eigentlich wollte ich mir am Donnerstag selbst nur ein Kostüm leihen und bin dann gefragt worden. Da springt man gerne ein, es geht ja immer um die Show“, erzählt er.

Ebenso wichtig ist seit 2002 auch Frank Lüdke. Als Zeremonienmeister führt er mehrmals pro Abend die Akteure in den voll besetzten Saal. War die Aufregung beim ersten Mal noch entsprechend, ist er mittlerweile gelassener. „Ich bin ja immer der erste, der reingeht, aber in all den Jahren nie gestolpert“, erzählt er und fügt schmunzelnd an: „Ich achte nur immer drauf, dass die Hose zu ist, das ist das wichtigste.“

Für die Zuschauer kam es neben dem Programm jedoch auch auf andere Dinge an. So hatte Karstädterin Janine Gündel ihren Freund extra aus Kiel anreisen lassen. „Man lernt hier schnell Leute kennen. Es ist ein kleiner, schöner Saal und die Stimmung ist gut“, erzählt Kai Kokott dann auch.

Worte, die Mitorganisatorin Marika Schwarz sicher gerne hört: „Alle Veranstaltungen sind schon ausverkauft, mehr geht auch nicht.“

 

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