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neujahrsempfang des landrates : Zwischen Rückblick und Abschied

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landrat Hans Lange lud in seinem 20. Amtsjahr zu seinem letzten Neujahrsempfang ein. Das Hochwasser war das bestimmende Thema.

svz.de von
erstellt am 24.Jan.2014 | 00:33 Uhr

Der gestrige Neujahrsempfang des Landrates Hans Lange (CDU) im Kultur- und Festspielhaus Wittenberge war weit mehr als nur ein Empfang. Der Empfang war ein Jubiläum: Auf den Tag genau ist Hans Lange 20 Jahre im Dienst und damit einer der am längsten amtierenden Landräte in Brandenburg. Der Empfang war ein Rückblick auf das Hochwasser 2013: Die Juniflut dominierte die Rede des Landrates, war Thema des Ehrengastes Generalmajor Hans-Werner Wiermann. Der Empfang war ein Abschied: Hans Lange wird am 31. Juli in den Ruhestand gehen. Und so erlebten die Gäste binnen zwei Stunden eine Zeitreise durch 20 Jahre Landkreis Prignitz unter Hans Langes Regie und einen Kompaktkurs in Hochwasserverteidigung durch zivile und militärische Kräfte. Der Reihe nach.


Solide Finanzen


Es bedarf keiner Details aus den 20 Jahren Amtszeit, um sechs Monate vor dem Ende der Ära Lange ein erstes Fazit zu ziehen. Hans Lange selbst schuf dafür in seiner Rede die Basis. Die Kreisfinanzen seien mittlerweile auf einem soliden Niveau. Während Bund und die Mehrzahl der Länder sowie Kommunen noch um das Ende einer Neuverschuldung ringen, meldet der Landkreis Prignitz Vollzug: „Die Fehlbeträge in diesem Jahr sind ausgeglichen“, sagte Lange. Eine Neuverschuldung sei längst kein Thema mehr. Der Kreis könne bereits in die andere Richtung blicken. „Die künftige Maxime lautet tilgen. Erst die langfristigen Kredite, dann die kürzeren“, gab der Landrat dem neu zu wählenden Kreistag den Kurs vor.

Die Sozialausgaben, in den vergangenen Jahren die größte finanzielle Bürde des Kreises, sinken. Der Bund hat bereits die Kosten für die Sicherung im Alter übernommen und weitere finanzielle Übernahmen in Aussicht gestellt: „Das werden wir im Kreis spüren“, so Lange. Parallel dazu verlaufe die wirtschaftliche Entwicklung zunehmend positiv. Als eines von mehreren Beispielen nannte Lange den Elbeport in Wittenberge. Sein Güterumschlag überschritt im vergangenen Jahr die 100 000 Tonnen. Der Containerumschlag stieg von 400 Stück im Jahr 2011 auf 2500.

Sorgenkind im Kreis bleibe der Nahverkehr. Jährlich steige der kreisliche Zuschuss, und die Zukunft der Bahnstrecken von Pritzwalk nach Meyenburg sowie nach Neustadt (Dosse) bleibt ungewiss: „Die Verhandlungen laufen, noch ist nicht alles verloren“, so Lange.

Ausgiebig widmete er sich dem Hochwasser – zweifellos Langes Lieblingsthema. Er erinnerte an 2002 und 2003, an 2006 und 2011, bevor er auf die Juniflut im Vorjahr einging. 22 Millionen Euro Schaden hat sie im Kreis angerichtet. Schnell sei klar gewesen, dass bei den zu erwartenden Pegelständen die Häuser an der Trift in Breese nicht zu halten seien. Erst künftig werde das gelingen, spätestens durch den Deich. Aber auch zuvor sei man nach den jüngsten Erfahrungen vorbereitet,
gebe es einen Plan, wie alle Häuser in Breese geschützt werden könnten.

Das Zusammenwirken aller Einsatzkräfte habe geholfen, die große Katastrophe zu verhindern. Eine Schlüsselrolle kam den vielen Kleintransportern zu: „Sie waren immer zur Stelle, auch nachts“, so Lange. Die andere Schlüsselrolle habe einmal mehr die Bundeswehr eingenommen. Insofern hatte Hans Lange nicht zufällig Generalmajor Hans-Werner Wiermann eingeladen. Der Kommandeur des Kommandos Territoriale Aufgaben koordinierte 2013 den gesamten Hochwassereinsatz zwischen den Alpen und der Elbemündung.


Das Militär und die Fluthilfe


In seiner Rede schilderte Wiermann anschaulich, wie die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und den zivilen Kräften abläuft. Dabei ging er auf die Veränderungen in der Bundeswehr und die neuen Strukturen ein, die vorteilhaft für die Landkreise seien: „Ich selbst kann Bundeswehreinheiten alarmieren, direkt auf Truppenteile zugreifen und brauche keine Genehmigung von höheren Stellen“, so der Generalmajor. Dadurch könne er viel schneller auf die Anforderungen der Landkreise im Katastrophenfall reagieren, als das früher der Fall gewesen sei.

Dabei sei es unabhängig, ob die benötigten Kräfte in der Nähe des Einsatzortes stationiert seien, da er bundesweit Soldaten in Bewegung setzen dürfe. Im vergangenen Jahr waren die ersten Soldaten 70 Minuten nach der Anforderung durch den Kreis in der Prignitz eingetroffen und sofort in den Einsatz gegangen. Diese extrem kurze Zeit sei aber mehren glücklichen Umständen zu verdanken gewesen.

Zu den engsten Mitarbeitern im kreislichen Krisenstab gehörte Bodo Schwiegk vom Landesumweltamt. Ihm verlieh Hans Lange gestern das Katastrophenschutz-Ehrenzeichen in der Sonderstufe Gold. Zuvor hatten es bereits Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Brand- und Katastrophenschutz, sowie Bernd Lindow, Leiter der unteren Wasserbehörde, erhalten.

Dem Kreistagsvorsitzenden Dr. Ulrich Gutke oblag es schließlich, dem Landrat für seine 20-jährige Arbeit zu danken. All sein Wirken verband Gutke mit drei preußischen Tugenden: „Kontinuität, Verlässlichkeit, Bodenständigkeit.“ Nahtlos schloss sich daran der informelle Teil des Empfangs an. Er bot Raum für Gespräche und für Gerüchte. Dabei ging es oft um Langes Nachfolger, um mögliche Kandidaten.

Getuschelt wurde viel auf den Fluren des Festspielhauses. Es wurden potentielle Namen genannt und dementiert, Erfolgsaussichten abgewogen, aber nichts ist zitierfähig. Damit bleibt vorerst Andreas Giske für die CDU der einzige offizielle Bewerber für die Wahl am 11. Mai.

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