Zwischen Kohlgenuss und Gänsehaut

<strong>Brigitte und Jörg Sauerhering aus </strong>Schöneiche bei Berlin verkosteten Knieper mit Kohlwurst und mit Wildschwein. Besonders gut mundete ihnen das Knieperbrot der Bäckerei Reupke aus Triglitz.<fotos>Birgit Hamann (6)</fotos>
1 von 6
Brigitte und Jörg Sauerhering aus Schöneiche bei Berlin verkosteten Knieper mit Kohlwurst und mit Wildschwein. Besonders gut mundete ihnen das Knieperbrot der Bäckerei Reupke aus Triglitz.Birgit Hamann (6)

svz.de von
25. Januar 2013, 10:02 Uhr

Berlin /Prignitz | Wer dachte, dass die singenden Köche aus Prignitz von der Grünen Woche 2012 nicht mehr zu toppen wären, der irrte. Denn, gesungen und musiziert wurden auch gestern beim Prignitztag auf der Bühne in der Brandenburghalle 21a, und zwar vom Feinsten.

Für Gänsehaut sorgte Angelo Raciti, seines Zeichens künstlerischer Leiter der Lotte-Lehmann-Akademie und -Woche in Perleberg - und: Tenor. Mit "Nessun dorma" intonierte er nicht nur eine außerordentlich populäre Arie aus der Oper "Turandot" von Giacomo Puccini außerordentlich gut, sondern verkündete zugleich auch ein passendes Motto. "Nessun dorma" bedeutet nämlich auf Deutsch: keiner schlafe. Das Prignitzprogramm am Prignitztag war alles andere als ermüdend, die Bühne stets gut besucht und der schräg gegenüber befindliche Stand der Gastronomen mit Kniepervariationen quasi dauer-umlagert.

Apropos Knieper: "Jetzt, da wir schon so viel von dieser Spezialität gehört haben, wollten wir ihn unbedingt selbst mal probieren, sind extra noch mal zurück gelaufen, um uns das nicht entgehen zu lassen", sagten Brigitte und Jörg Sauerhering aus Schöneiche bei Berlin. Während Knieper für Brigitte Sauerhering praktisch Liebe auf den ersten Blick wurde, äußerte sich ihr Gatte zunächst noch ein wenig zurückhaltend.

Beide lobten aber das Knieperbrot der Bäckerei Reupke aus Triglitz, das Jean Duwe vom Pritzwalker Restaurant "Torwächter" gemeinsam mit seiner Frau Silvia zu Knieper mit Kohlwurst und Knieper mit Wildschwein kredenzte. Auch das Knieperschmalz des "Torwächters" mundete. Viele Besucher erkundigten sich bei Duwes zum genauen Herstellungsprozess. Dazu gab der Gastronom auch auf der Bühne im Gespräch mit den Antenne-Brandenburg-Moderatoren Marina Ringel und Ralf Jußen Auskunft.

Apropos Liebe auf den ersten Blick: Da traute sich doch ausgerechnet der Prignitzer Landrat, Hans Lange, gestern zu verkünden, dass der Landstrich eine Liebe auf den zweiten Blick - und nicht auf den ersten - wäre. Aber er schob die Erklärung auf der Bühne gleich hinterher: "Wenn man erst einmal hier war, möchte man wiederkommen. Die Prignitz macht süchtig."

So, so. Ließ man den Blick von der Bühne zum Knieper-Stand schweifen, dann konnte man in der Tat so etwas wie Suchtpotenzial erkennen, zumindest was die Kohlspeise anging. Andere Repräsentanten der Region, wie beispielsweise Heiligengrabes Bürgermeister Holger Kippenhahn, hatten zum Thema "Sucht" jedoch auch noch einiges beizusteuern. In seiner Gemeinde drehe sich alles um den Buchstaben "K": "Klosterstift, das ist 725 Jahre alt, Kronotex, unser größter Arbeitgeber mit 700 Jobs, na ja, und mein Name beginnt auch mit K." Ohne K, dafür sehr sehenswert: Mit 45 Metern Deutschlands höchster höl zerner Aussichtsturm bei Blumenthal bei Heiligengrabe.

Die Prignitzer Vertreter spannten den Bogen geschickt von der Elbe bis Wittstock. Katharina Zimmermann vom Tourismusverband Prignitz resümierte: "Es ist super, wie die Bürgermeister uns beim Repräsentieren der Region unterstützen. Da schaut jeder auch zu seinen Amtskollegen rüber." Nach Ansicht der Tourismusexpertin ist die Prignitz auf diesem speziellen Gebiet schon so gut zusammengewachsen, dass sie sich nach außen hin als Einheit präsentiert.

Was man auf jeden Fall feststellen konnte: Der Auftritt der Region wird von Jahr zu Jahr professioneller. Und: Der lange Atem, den man mit der kulinarischen Spezialität Knieper beweist, scheint sich auszuzahlen. Obgleich nicht jedermanns Geschmack, präsentiert er sich unter den vielfältigen lukullischen Verlockungen in der Brandenburghalle auf der Grünen Woche als originelles "Einzelgewächs". Welche Region macht schon mit einer Kohl-Mixtur auf sich aufmerksam?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen