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Dorf macht Oper : Zwischen Hafen und Bilderbuch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Klein Leppin hat jetzt auch einen Opernpark und ein begehbares Flussufer / Rund 1000 Gäste erlebten Aufführung von „Dido und Aeneas“

Das winzige Dorf, das seit Jahren mit seinem Opernprojekt von sich reden macht, weist jetzt sogar einen Opernpark vor: In Klein Leppin konnte man ihn am vergangenen Wochenende erstmals erleben und begehen. Das weitläufige, vom Flusslauf der Karthane durchzogene Gelände diente zugleich der Einführung in das Werk, das dieses Jahr zur Aufführung gelangte: „Dido und Aeneas“ von Henry Purcell. Knapp 80 Akteure spielten, sangen und instrumentierten die tragische Liebesgeschichte in einem optisch, im Vergleich zu den Vorjahren, völlig veränderten Konzertraum. „Ja, der Raum wirkt wirklich total anders“, bestätigt Steffen Tast vom Festland e. V., zugleich Musiker im Rundfunksinfonieorchester Berlin und Leiter des Klein Leppiner Opernchores. Alles war weiß getüncht, der Boden mit hellem Kies belegt, alle Darsteller hell gekleidet. Für Bühne und Kostüme zeichnete, wie schon bei vorherigen Aufführungen, Aurel Lanfert verantwortlich, dieses Mal unterstützt von Karla Fehlenberg. Regie führte in bewährter Weise Mira Ebert. Rund 1000 Besucher erlebten die Oper am Sonnabend und Sonntag sowie die öffentliche Generalprobe am Freitagabend. Die Mehrzahl fühlte sich auf eine besondere Weise berührt von der Art der Umsetzung.

Für mindestens ebenso viel Begeisterung sorgte das Einführungsprogramm im Park: Publikumsmagnet war das überdimensionale Pop-up-Bilderbuch, mit dessen Hilfe Kinder den erwachsenen Zuschauern die Opernhandlung erklärten. Die Pavillons und Installationen, entstanden vor Kurzem in einem Projekt mit 70 Architekturstudenten der TU Berlin, wurden interessiert begutachtet und von den Besuchern auch sogleich genutzt.

Ein Bauprojekt, das außerhalb der TU-Vereins-Kooperation entstand, fand allerdings besonders viel Beifall: der „Karthano-Hafen“. Peter Lettow, Mitarbeiter im Festland e. V., und Gerhard Lenz (Ehrenamtler) erschufen ihn, machten mittels Stufen und einer Plattform die steile Böschung der Karthane begehbar. Beide Männer haben über „Dorf macht Oper“ und die unermüdliche Arbeit des Festland e. V. die Oper lieben gelernt, schätzen das Angebot in Klein Leppin als familienfreundliche und bezahlbare Alternative zu Opernaufführungen in den renommierten Häusern der Großstädte.

Aus der Großstadt, nämlich Essen, zog es auch Sabine und Wolf Rüdiger Brentel aufs Land. Seit vier Jahren haben sie ihren ständigen Wohnsitz in Vehlin (Gemeinde Gumtow). Fans von „Dorf macht Oper“ sind sie von Beginn an. „Man spürt die Spielfreude der Musiker und Sänger, da kommt richtig was ’rüber“, skizziert Sabine Brentel ihre Emotionen. Ihr Mann kann sich noch an die Anfangszeiten erinnern, „als wir hier mit Gummistiefeln und Regenschirm Opern anschauten“. Davon sind die Klein Leppiner jetzt weit entfernt. Nicht aber von ihrer Ursprünglichkeit – sehr zur Freude des Publikums.

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erstellt am 16.Jun.2014 | 12:00 Uhr

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