Erntefeste in der Prignitz : Zwischen Burger und Wasserdusche

Bunt geschmückt und PS-stark ging es mit lautem Knattern auf Rundkurs durch Groß Buchholz.  Fotos: cihd(3)
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Bunt geschmückt und PS-stark ging es mit lautem Knattern auf Rundkurs durch Groß Buchholz. Fotos: cihd(3)

Prignitzer Dörfer putzen sich zum Umzug heraus. Altes Handwerk und alte Technik geraten nicht in Vergessenheit

svz.de von
28. August 2016, 21:00 Uhr

Die Gadower blasen ins Jagdhorn, ihr Wagen schmückt, was der Wald zu bieten hat: Ahorn, Eichel. Schneeball, Esche und sogar der Hopfen fehlt nicht. „Hopfen hat doch Tradition in Gadow“, sagt Holger Galonska. Zusammen mit rund zehn Wagen stehen sie in Lütkenwisch, machen eine Pause auf der Rundfahrt durch die Lanzer Dörfer.

Die Lütkenwischer zeigen sich als Elbedorf, haben ihren Wagen mit Netzen geschmückt und auf dem Bock sitzt Reiner Ziem in zünftiger Fischertracht. „Maiskolben hat doch jeder am Wagen, daher haben wir uns mal etwas anderes einfallen lassen“, meint er. Jedes Dorf macht mit, auch Cumlosen ist dabei und sogar die Uelzer Feuerwehr aufgrund freundschaftlicher Kontakte in die Prignitz. Ihr Opel Blitz aus dem Baujahr 1959 ist das zweitälteste Fahrzeug. Nur Frank Borchert rattert mit seinem IFA Pionier auf einem noch älteren Model: Baujahr 1951.


Groß Buchholz


Mit seinem hölzernen Siedler-Erntewagen aus der Nachkriegszeit fuhr Reinhard Polzin auf den Groß Buchholzer Dorfplatz. Vor dem Wagen trotten ruhig die beiden Hafflinger-Pferde Alex und Philipp, denen Polzins Enkelin Pauline liebevoll die Mähnen geflochten hat. „Wir spannen eigentlich nur noch einmal im Jahr an. Zum Erntefest in Groß Buchholz. Zwischen den Festen wird der Wagen im Hühnerstall geparkt und gewartet“, verrät der ehemalige LPG-Vorsitzende. Es sei erstaunlich, wie viel historisches Gerät die Dorfbewohner zum Festumzug zusammengetragen haben. „Vom Traktor bis zum Rechen ist vieles original. Wo gibt es das noch?“, fragt Astrid Milatz, die sich in eine traditionelle Tracht geworfen hat.

Andreas Passow knatterte mit der moderneren Variante herbei. Über neun Jahre lang baute er einen DDR-Wohnwagen zu einem Traktoranhänger für Ausfahrten um. Nun verfügt das neue Gefährt sogar über eine Musikanlage, eine Standheizung und eine Auffahrtsrampe für Rollstühle. „Solche gemeinsamen Fest sind wichtig, das Dörfliche stirbt sonst langsam aus und die Kinder haben kaum noch Bezug dazu“, sagt Passow.

Nach der Dorfrundfahrt, angeführt vom Fanfarenzug Putlitz und dem Putlitzer Burgfräulein, kam das ganze Dorf im kühlen Saal der alten Diskothek MPU zur großen Kaffeetafel zusammen. Hier am Treffpunkt wurde auch endlich das Geheimnis um den sogenannten Groß-Buchholz-Burger gelüftet. Olaf Schmidt kreierte diese Leckerei extra für das Dorffest. „Er besteht aus einem Burgerbrötchen, gebratenem Leberkäse, süßem Senf, Krautsalat und Tomaten.“ Auch seine indisch gewürzte Kürbis-Pfanne kam gut an. „Wir wollten mal etwas anderes versuchen als immer nur Bratwurst“, erklärt Silvia Apelt, Vorsitzende des Festkomitees.


Tangendorf


Wer meint in dem kleinen Dorf sei nichts los, irrt gewaltig. Elf Wagen sind soeben vorgefahren, zurückgekehrt von den Nachbarn in Hohenvier. Besonders lustig ist es auf dem Wagen von Nicole und Steffen Guhl: Ganz viele Kindernasen schauen über die Ähren. „Eigentlich fahren wir nur mit unserem Traktor mit, aber für heute hatte sich Verwandtschaft angekündigt und befreundete Kinder nahmen wir auch noch mit“, erzählt das junge Paar. „Ich bin hier aufgewachsen, wohne hier und langweilig wird mir nie. Ganz klar, dass wir beim Umzug dabei sind“, sagt Nicole Guhl.

Der ausrichtende Heimatverein freut sich, dass junge Leute den Tag aktiv mitgestalten, sagt Gerd Kühn. Vor Beginn der Kaffeetafel braucht er Minuten, um alle Angebote des Tages aufzuzählen. Ein Seiler ist gekommen und der Dorfbewohner Josef Masur will zeigen, wie Butter gemacht wird. „Frische Vollmilch aus der Melkanlage kommt in eine Zentrifuge, Rahm und Magermilch entstehen“, erzählt er.

Im nächsten Schritt wird die Butter gerührt und geschlagen, bis sie geschmeidig ist und geformt werden kann. „Aus 20 Litern Vollmilch mit vier Prozent Fett entstehen 800 Gramm Butter“, sagt Masur. All das können die Besucher live verfolgen und hat auch den erst seit wenigen Tagen im Amt befindlichen Bürgermeister Marco Radloff interessiert.


Premslin


Auf der Festwiese hinter dem Feuerwehrhaus konnten die jüngsten Besucher am Samstag bei einem Würfelspiel ein Kaninchen gewinnen und eine große Tombola wurde ausgeschüttet. Die Firma Mühlenberger stellte einen Grillwagen bereit und lässt den Erlös aus Brat- und Currywürsten an den Förderverein der Feuerwehr gehen. Je später und heißer der Nachmittag, desto beliebter wurde der Sprenger, den die Feuerwehr zur Erfrischung aufstellte.

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