Zwischen Beruf und Richtertisch

Die Schöffen Thomas Kubelka (links) und Dietra Schwarz mit Amtsgerichtsdirektor Roger Schippers (Mitte) während einer Verhandlung.
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Die Schöffen Thomas Kubelka (links) und Dietra Schwarz mit Amtsgerichtsdirektor Roger Schippers (Mitte) während einer Verhandlung.

Zwei Schöffen beim Amtsgericht Perleberg geben Einblick in ihr Ehrenamt / Aufrufe für die neue Amtsperiode aus allen Kommunen

svz.de von
06. März 2018, 12:50 Uhr

„Für die neue Amtszeit vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2023 werden wieder Schöffen für die ehrenamtliche Tätigkeit beim Amtsgericht Perleberg und beim Landgericht Neuruppin gesucht.“ So oder so ähnlich beginnen die Aufrufe, die gegenwärtig aus allen Kommunen kommen.

Für den „Prignitzer“ ein Grund, sich mit Dietra Schwarz und Thomas Kubelka, zwei Schöffen beim Amtsgericht Perleberg, zu treffen. Die beiden sind in diesem Jahr ein „Paar“. „Immer im November werden die Schöffenpaare ausgelost“, erzählt Dietra Schwarz. „Das Schöffenpaar bestreitet dann im Folgejahr alle Verhandlungen gemeinsam.“ Das Losglück führte sie bereits das dritte Mal zusammen. In der Verhandlung sitzen dann der Berufsrichter sowie die beiden ehrenamtlichen Richter. „Bei den Gerichten, wo zwei Berufsrichter den Vorsitz haben, müssen es drei Schöffen sein“, sagt Schwarz. Das sei wichtig, da bei der Urteilsfindung kein Patt entstehen dürfe. „Deshalb muss die Richterzahl immer ungerade sein. Amtsgerichtsdirektor Roger Schippers sagt, wann Schöffen zum Einsatz kommen: „Wenn der Strafrahmen ein Urteil bis zu vier Jahren Haft erwarten lässt, dann müssen ehrenamtliche Richter dabei sein. Bis zu einem Strafmaß von zwei Jahren kann der Richter allein verhandeln.“

Für die beiden ehrenamtlichen Richter ist es ihre erste Amtszeit. Beide begannen 2013. Was hat sie damals bewogen, sich zu bewerben, wollen wir wissen?

„Bei mir waren die Kinder groß, das Engagement in den Elternvertretungen beendet“, erinnert sich Dietra Schwarz. „So war ich auf der Suche nach einer interessanten, ehrenamtlichen Aufgabe. Auch passt das Wirken als Schöffe zu meiner beruflichen Tätigkeit als Leiterin des Awo-Obdachlosenheimes in Groß Pankow.“ Bei Thomas Kubelka, der in der Fahrzeuginstandhaltung GmbH in Wittenberge arbeitet, war es Eigeninteresse, als er den Aufruf damals las, bewarb er sich. Nun sitzt Kubelka das fünfte Jahr mit am Richtertisch.

Die Themen sind vielfältig. In den Verhandlungen werden sie mit Delikten wie Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Körperverletzung, Diebstahl oder Brandstiftung konfrontiert. Für Dietra Schwarz ist daher soziale Kompetenz notwendig, um sich in den Verhandlungen ein Bild über die Angeklagten zu machen. Sie macht sich auch Notizen. Nicht zuletzt auch deshalb, um ihre beruflichen Erfahrungen in einem Bewährungsbeschluss einzubringen.

Der „Prignitzer“ ist bei einem Verhandlungstag der beiden dabei, kann beobachten, wie konzentriert beide den Ausführungen von Zeugen, Richter und Angeklagtem zuhören. Neben Richter, Staatsanwalt und Rechtsanwalt können auch die Laien Fragen an Zeugen und den Angeklagten stellen.

Bevor am Ende das Urteil gesprochen wird, ziehen sich Richter und Schöffen zur Beratung zurück. Sie kennen die möglichen Strafmaße sowie die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung. „In der Regel brauchen wir zwischen 30 und 45 Minuten“, erzählen Dietra Schwarz und Thomas Kubelka. „Das Urteil ist unser gemeinsames Urteil. Der Inhalt der Diskussion wird niemals nach außen dringen.“

An jenem Prozesstag, an dem wir sie begleiten, erleben die beiden eine Ausnahmesituation. Der Prozesstag mit einer Zeugenvernehmung außer Haus zieht sich über sechs Stunden hin. Aber dennoch haben sie Spaß an der Tätigkeit und haben sich in ihren Heimatgemeinden für die nächste Amtsperiode angemeldet. Thomas Kubelka konnte sogar einen Nachbarn neugierig machen, der nun auch ab 2019 Schöffe sein möchte.

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